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Das Vorhaben der Bahn mit eigenen Zügen nach London zu fahren gerät immer mehr ins Wanken

Bahnpläne für Kanaltunnel-Züge wanken

Berlin - Neue französische Sicherheitsbedenken gegen Siemens-Antriebskonzept bei Hochgeschwindigkeitszügen bringen das Bahnprojekt mit eigenen Zügen durch den Ärmelkanaltunnel zu fahren ins Wanken.

Zögerliche Genehmigungspraktiken der französischen Regierung bringen die Pläne der Deutschen Bahn ins Wanken, ab 2013 mit eigenen Zügen durch den Kanaltunnel nach London zu fahren. Das Thema wird vermutlich Gegenstand der turnusmäßigen EU-Verkehrsministerkonferenz kommende Woche, wie es am Freitag aus Regierungskreisen hieß. Darüber hinaus ist ein 650 Millionen Euro schwerer Auftrag der Betreibergesellschaft Eurostar an Siemens für neue Züge in Gefahr, wie die “Financial Times Deutschland“ berichtete.

Hintergrund ist heftiger Wettbewerb zwischen Siemens und seinem französischen Konkurrenten Alstom. Eurostar hatte neue Züge europaweit ausgeschrieben und dabei Fahrzeuge mit unter dem ganzen Zug verteilten Motoren ausdrücklich erwünscht. Siemens erhielt mit einer weiterentwickelten Variante des deutschen ICE-3 den Zuschlag, Alstom unterlag, und erst danach machten französische Vertreter in den einschlägigen Behörden-Kommissionen Sicherheitsbedenken geltend. Zuvor hatten Studien aber bereits solche Bedenken ausgeräumt.

Zähe Überprüfungen der Bestimmungen

Der Sprecher des Bundesverkehrsministeriums, Sebastian Rudolph, nahm am Freitag auf Nachfrage das Wort “Protektionismus“ zwar nicht in den Mund, nannte aber die bereits mehrere Jahre alten Sicherheitsbestimmungen für den Kanaltunnel reformbedürftig. Ferner wies er darauf hin, dass in der Ausschreibung ausdrücklich Bedingungen genannt worden seien, die mit den geltenden, aber veralteten Sicherheitsbestimmungen nicht übereinstimmten. Deren Überprüfung und die Abstimmungsprozesse liefen nun schon zwei Jahre, sagte Rudolph.

Die Deutsche Bahn AG hatte bereits Anfang des Jahres bei einer Präsentation des ICE-3 am Londoner Endpunkt der Kanaltunnelstrecke nicht die Erlaubnis erhalten, den Zug mit Passagieren und aus eigener Kraft durch den Tunnel zu fahren. Die ebenfalls von Siemens kommenden DB-Züge, die später auf dieser Strecke verkehren und den von Eurostar bestellten Einheiten Konkurrenz machen sollen, werden ab Ende dieses Jahres ausgeliefert. Bis zur Aufnahme des London-Verkehrs sollen sie in Deutschland fahren.

Die Bahn hatte zuerst geplant, den Verkehr zu den Olympischen Spielen 2012 aufzunehmen. Später hieß es, die durchgehende Verbindung Frankfurt/Main-London werde zum Fahrplanwechsel im Dezember 2013 gestartet.

Im schlimmsten Fall Rücktritt

Die “Financial Times Deutschland“ berichtete unter Berufung auf ein Papier aus dem Verkehrsministerium, wenn Paris seine Haltung zu den Siemens-Zügen nicht ändere, müsse der Vertrag des Konzerns mit Eurostar “nachverhandelt werden, im schlimmsten Fall ist Rücktritt möglich“. Ein Ende des Verfahrens zur Zulassung von Siemens-Antriebstechnik im Ärmelkanaltunnel sei “nicht absehbar“, heiße es darin.

Zudem werde angedeutet, dass Frankreich die Zulassung der Züge mit einem Gegengeschäft verknüpfen könnte. Paris wolle einen “Airbus auf Schienen“, also eine deutsch-französische Kooperation bei Hochgeschwindigkeitszügen. Während Alstom in diesem Segment kaum mehr Erfolg habe, liefen die Geschäfte für Siemens gut - weshalb der Münchner Konzern die Idee ablehne.

dapd

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