Robin Li, Vorstandsvorsitzender des chinesischen Unternehmens Baidu, vor einem Logo seiner Firma
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Robin Li, Vorstandsvorsitzender des chinesischen Unternehmens Baidu

Die chinesische Antwort auf Google

Baidu: Suchmaschine und KI-Vorreiter aus China

Baidu kennt in China jedes Kind: Die Website mit der Pandabärentatze ist das fernöstliche Gegenstück zur hierzulande genutzten Suchmaschine Google und bietet zahlreiche Onlinedienstleistungen an.

Baidu ist neben Tencent und Alibaba eine der drei großen Internet-Konzerne Chinas. Gestartet als erfolgreiche Suchmaschine, ist das Unternehmen von Gründer Robin Li inzwischen auch bei Künstlicher Intelligenz und Autonomem Fahren sehr aktiv.

Die Suchmaschine Baidu gehört zu den weltweiten Top Drei der am häufigsten aufgerufenen Websites. Wie ihr westliches Pendant Google bietet Baidu neben der eigentlichen Suchfunktion zahlreiche weitere Dienstleistungen wie Landkarten, Internet-Communities und Cloud-Computing an.

Baidu: Gründung und Anfänge

Als Erfinder der Suchmaschine Baidu gilt der chinesische Softwarespezialist Robin Li, der 1968 in Yangquan in der Provinz Shanxi als Li Yanhong geboren wurde. Nach einem Studium in Peking siedelte Li 1991 in die USA über, wo er den Masterabschluss in Informatik an der University of Buffalo erlangte. Anschließend arbeitete er für das Unternehmen IDD Information Services in New Jersey unter anderem an besseren Algorithmen für Suchmaschinen. Während seiner Tätigkeit entwickelte Li dort den Algorithmus Rankdex, der die Popularität einer Website zum ersten Mal auch nach der Menge an Hyperlinks bewertete. Später wechselte er zur Suchmaschine Infoseek nach Kalifornien.

1999 kehrte Li schließlich in seine Heimat China zurück. Eigenen Angaben zufolge gab Li trotz der chinesischen Zensur Beijing den Vorzug als Hauptsitz für sein neu gegründetes Unternehmen - da er fürchtete, bei einer Entscheidung für Hongkong von der chinesischen Regierung als Verräter betrachtet zu werden.

Baidu: Die Suche nach dem Glück

Der Name Baidu bedeutet wörtlich übersetzt „hundert Mal“ oder „unzählige Male“ und stammt aus dem Gedicht „Grüner Jadetisch beim Lichterfest“ von Xin Qiji, das vor über 800 Jahren zur Zeit der Song-Dynastie entstand: „Hunderte Male habe ich in der Menge gesucht/Plötzlich drehte ich mich um und dort im Kerzenschein stand er.“

Baidu: Die Geschichte eines rasanten Aufstiegs

Robin Li entwickelte Baidu zunächst als Suchmaschine für vorhandene große Websites wie Sina und Sohu, ehe er sie mit seinem Geschäftspartner Eric Xu für den Massenmarkt zugänglich machte. Zu diesem Zweck konnte er 25 Millionen US-Dollar von Investoren einsammeln. Wieder entwickelte Li Funktionen, die kurz darauf von Google für den westlichen Markt übernommen wurde. So erfand er das Pay-per-Click-Modell, bei dem Werbekunden nur dann eine Gebühr zahlen, wenn Internetsurfer eine Anzeige anklicken.

Innerhalb von drei Jahren war Baidu profitabel. Seine Investoren versuchten Li zu überreden, die Suchmaschine an einen der großen amerikanischen Konzerne wie Google oder Microsoft zu verkaufen, doch er hatte andere Pläne. Er brachte Baidu selbst an die New Yorker Technologiebörse Nasdaq, wo die Aktie direkt nach dem Start von 27 US-Dollar auf 122 US-Dollar hochschnellte. Der direkte Konkurrent Google erwarb 750.000 Aktien im Wert von 5 Mio. US-Dollar – und verkaufte sie zwei Jahre später für satte 59,5 Millionen.

Baidu: Marktführer in China

Baidu konnte im Heimatmarkt schnell wachsen und hat heute einen Marktanteil von etwa 75 Prozent bei den Suchmaschinen in China. Google fasste in China nie richtig Fuß und verließ den Markt, da es die Zensurauflagen der Regierung nicht erfüllen wollte.

Neben China konnte Baidu weitere Standbeine in anderen Ländern wie Brasilien, Indonesien und Thailand aufbauen. Eine Besonderheit der Suchmaschine ist die Möglichkeit, gezielt nach mp3-Musikdateien zu suchen. Am einfachsten geht das über die eigene Liste Baidu500, die sich zu den wichtigsten Musikcharts in China entwickelt hat.

Weitere wichtige Funktionen von Baidu im Überblick:

  • Baidu WangPan: Cloud-Speicherdienst mit 2 TB kostenlosem Speicherplatz für jeden User
  • Baidu Baike: Enzyklopädie vergleichbar mit Wikipedia mit über 16 Millionen Einträgen
  • Baidu Maps: Kartendienst vergleichbar mit Google Maps
  • Baidu News: Online-Nachrichtenportal
  • Baidu Tieba: Online-Community mit unzähligen Foren zum Austausch, in etwa vergleichbar mit Reddit
  • Baidu Movies: Online-Portal, auf dem chinesische Filme und Serien kostenlos abgerufen werden können
  • Baidu Translate: Übersetzungstool mit über 200 verschiedenen Sprachen
  • Baidu Tushu: Suchmaschine für Bücher, die jedoch nur zu externen Websites verlinkt, auf denen Bücher gelesen werden können

Daneben gibt es eine ganze Reihe Funktionen für geschäftliche und kommerzielle Nutzer, darunter eine Anti-Viren-Software und Baidu Wireless für Mobiltelefone.

Baidu: Funktionen für Webmaster und SEO-Experten

Viele deutsche Unternehmen schielen auf den chinesischen Markt mit seinen 1,4 Milliarden Konsumenten. Für sie ist es möglich, die Suchmaschine von Baidu analog zum SEO-Marketing bei Google einzusetzen. Ganz wichtig sind dabei Chinesisch-Kenntnisse. Die Inhalte sollten in „Simplified Chinese“-Zeichen geschrieben sein. Allgemein gelten die gleichen Spielregeln wie für Google:

  • hochwertiger einzigartiger Content, je mehr umso besser
  • möglichst viele gute Backlinks (nur von anderen Seiten mit der chinesischen Endung .cn)
  • responsives Design
  • einfache, übersichtliche Datenstruktur

Außerdem muss beim Erstellen der Website stets die chinesische Zensur im Hinterkopf behalten werden. Tauchen zensierte Begriffe auf, wird die Seite erst gar nicht in China angezeigt - und damit auch nicht von Baiduspider, dem Crawler von Baidu, gefunden. Damit die Suche funktioniert, muss die eigene Website eine chinesische Domain-Endung wie .cn oder .com.cn haben. Ausländische Websites werden von Baidu gar nicht wahrgenommen.

Baidu: Die weitere Entwicklung

Seit ein paar Jahren setzt Baidu stark auf neue Geschäftszweige, um sich vonder Abhängigkeit der Suchmaschine zu lösen. Die wichtigsten neuen Bereiche sind die folgenden:

iQiyi

iQiyi ist ein Online-Streamingportal, das Baidu 2010 gemeinsam mit Providence Equity Partners lancierte. iQiyi tritt als Co-Produkt internationaler Filmproduktionen auf und produziert eigenen Content für das Portal. 2017 schlossen iQiyi und Netflix eine Vereinbarung, wonach iQiyi Netflix-Produktionen in China streamen darf. Aktuell zählt das Portal rund 80 Millionen zahlende Abonnenten. Rekordhalter ist die südkoreanische Serie „My Love From the Star“, die während der Ausstrahlung in China insgesamt 14,5 Milliarden Mal aufgerufen wurde.

DuerOS: Künstliche Intelligenz

Unter dem Namen DuerOS hat Baidu ein eigenes AI-System entwickelt und hält in China über 7.000 Patente im Bereich der künstlichen Intelligenz. DuerOS bildet die Grundlage für neue Smart-Home-Systeme mit Sprachsteuerung und kann in zahlreiche elektronische Geräte integriert werden. Größter Erfolg sind die eigenen Smartspeaker Xiaodu, die global auf dem zweiten Platz hinter Amazon stehen. Die Zahl der DuerOS-Nutzer verdoppelte sich von Januar 2019 bis Juli 2019 von 200 Millionen auf 400 Millionen. Jeden Monat verzeichnet das System 4,2 Milliarden Fragen.

Apolong: Selbstfahrende Autos

Ein weiterer Wachstumsmarkt für Baidu sind vernetzte, fahrerlose Autos. Unter dem Projektnamen Apolong oder Baidu Apollo haben sich insgesamt 40 Unternehmen zusammengeschlossen, darunter auch Ford, Toyota und Intel. Seit 2018 produziert Baidu mit dem Hersteller King Long Minibusse, die zunächst fahrerlos in Beijing, Shenzhen, Pingtan und Wuhan verkehren sollen. Eine Expansion nach Japan ist bereits geplant. Baidu hat zudem weitere Partnerschaften mit chinesischen Firmen zur Entwicklung fahrerloser Autos geschlossen und ist sehr aktiv in diesem Segment.

Baidu: Kritik an der Zensur in China

Schon 2009 wurde durch einen Whistleblower in der Firma bekannt, dass Baidu seine Suchmaschine stark zensiert. Viele Websites werden in China nicht angezeigt und zu bestimmten Themen gibt es keine Suchergebnisse. Allerdings unterscheidet sich Baidu dabei nicht von anderen chinesischen Internetfirmen, die sich wohl oder übel mit der Zensur arrangieren.

Tatsächlich kann Baidu auch subversiv sein: 2020 wurde bekannt, dass US-Journalisten mithilfe der Suchmaschine und des Kartendienstes Baidu Maps mehrere Hundert Internierungslager in der westlichen Provinz Xinjiang aufdecken konnten. In diesen werden schätzungsweise bis zu einer Million Angehörige der muslimischen Minderheit der Uiguren gefangen gehalten. Baidu hatte von der chinesischen Regierung die Anweisung bekommen, die Lager auf den Onlinekarten zu verstecken. Allerdings fiel die Verdeckung der Lager so gewollt amateurhaft aus, dass sie den Journalisten erst recht ins Auge sprangen.

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