Wie es bald mit Sicherheit knallt

München - Nur wenige Tage Zeit bleiben der Feuerwerksbranche, um den Hauptumsatz des Jahres einzufahren. Im vergangenen Jahr waren das laut Verband der pyrotechnischen Industrie 98 Millionen Euro. Heuer soll die 100-Millionen-Euro-Marke geknackt werden. Wichtig beim Knallen für die Verbraucher: Das Feuerwerk sollte das BAM-Siegel haben. Sonst könnte es gefährlich werden.

Zulassung

Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) hat heuer 219 Feuerwerkskörper, die neu sind, auf ihre Sicherheit überprüft. Bei 27 Feuerwerkskörpern hatten die Hersteller Änderungen vorgenommen, sodass diese erneut überprüft wurden. Neben Freilandversuchen werden die Muster in extremen Belastungen geprüft: Vier Wochen lang werden sie bei 50 Grad Celsius im Ofen auf Hitzeeinfluss getestet und später noch zwei Stunden lang geschüttelt. Die explosiven Mischungen, die Magnesium, Titan, Oxidationsmittel und Zusatzstoffe enthalten, werden genau untersucht. Eine Zulassung nahmen die Prüfer zurück, 85 wurden abgelehnt. Das sind 39 Prozent ­ vier Prozent weniger Ablehnungen als im Vorjahr. Lutz Kurth, Ingenieur bei der BAM und Leiter der Arbeitsgruppe "Pyrotechnik" in Berlin, erklärt warum: "Die europäischen Importeure haben ihren Einfluss in China geltend gemacht." Zum Teil gründeten sie Tochterfirmen vor Ort, um die Muster direkt begutachten und kontrollieren zu können. "So bleiben schadhafte Muster gleich dort."

Das Siegel

Wenn ein Feuerwerkskörper die Prüfung bestanden hat, bekommt es das BAM-Siegel. Zu erkennen ist dieses am Kürzel für die Bundesanstalt für Materialprüfung (BAM), der Klassenzuordnung (z. B. P II für Klasse II) und der Typbeschreibung (z.B. 2526 für Bodenfeuerwirbel). Auf dem Feuerwerk steht also: BAM-PII- 2526.

Kriterien und Klassen

Laut BAM-Richtlinien sind bei Feuerwerkskörpern bis zu 120 Dezibel in acht Metern Entfernung erlaubt. Eines der entscheidenden Kriterien ist die Sicherheit. Frühestens drei Sekunden nach dem Anzünden darf der Feuerwerkskörper losgehen. Weitere Kriterien sind Funktionstüchtigkeit, Höhe und Richtungsstabilität der Raketen. Unterschieden wird in vier Klassen, wobei bis auf das Kleinstfeuerwerk nur an volljährige Verbraucher verkauft werden darf.

Klasse I: Das Kleinstfeuerwerk darf von jeder Person, die älter als zwölf Jahre ist, gekauft und das ganze Jahr über verwendet werden, zum Beispiel Brummkreisel oder Feuerringe. Klasse II: Dazu zählt das gängige Silvesterfeuerwerk mit Knallkörpern, Raketen und Fontänen sowie Feuerwerksbatterien. Diese sind nur rund um den Jahreswechsel erhältlich. Der Verkauf des Feuerwerks startete am gestrigen Freitag und geht bis Montag, 31. Dezember. Achtung: Feuerwerk dieser Sorte darf ausschließlich an Silvester ab 18 Uhr bis Neujahr 1 Uhr abgefeuert werden. Klasse III: Das Mittelfeuerwerk ­ früher als Gartenfeuerwerk bekannt ­ sieht man meist als glanzvollen Abschluss einer Kirmes, eines Stadtfestes oder einer offiziellen Veranstaltung. Typen dieser Klassen heißen u.a. Brilliantstern, Horizontalsonne oder auch Feuertopf mit Fröschen. Es darf nur von einem ausgebildeten Pyrotechniker abgebrannt werden. Klasse IV: Das Höhenfeuerwerk ist der Hingucker an Silvester. Auch hier gilt: Nur mit pyrotechnischer Ausbildung und einer Feuerwerker-Lizenz darf ein Großfeuerwerk entzündet werden. Klasse T: Wegen der Vollständigkeit sei die Klasse T genannt. Dazu zählen pyrotechnische Gegenstände für technische Zwecke, z.B. Bengalflammen, Theaterfeuerwerk, Leucht- und Signalmittel, Rauchkörper und -pulver sowie Knallkorken. Die Unterklassen T1 und T2 zeigen die Gefährlichkeit an.

EU-Richtlinie

Seit diesem Jahr ist die Richtlinie 2007/23/EG in Kraft. Die soll Handelsschranken verringern und das Qualitäts- bzw. Sicherheitsniveau der pyrotechnischen Gegenstände in Europa vereinheitlichen ­ nicht nur für Feuerwerkskörper. Das bedeutet: Künftig gilt nur noch eine Zulassung für Europa. Die EU-Staaten haben 30 Monate Zeit, die Richtlinie in nationales Recht umzuwandeln.

Allerdings behält sich jedes Land das Recht vor, gewisse Feuerwerke aufgrund von Inhaltsstoffen nicht zuzulassen, erläutert Lutz Kurth. In Deutschland sind das beispielsweise Blitzknaller, die mit anderem gefüllt sind als mit Schwarzpulver.

Was illegal ist

Wer Raketen zu Silvester zündet, darf dies bedenkenlos tun ­ solange sie das BAM-Siegel tragen. "Sonst machen Sie sich strafbar, denn das ist illegal", warnt Kurth. Besonders in grenznahen Bereichen (zu Tschechien, der Schweiz, Österreich oder Polen), sollten Verbraucher auf das deutsche Sicherheitssiegel achten.

Auch aus gesundheitlichen Gründen. Denn Feuerwerkskörper ohne Zulassung der BAM oder mit gefälschtem Siegel haben ein höheres Risiko. Klaus Gotzen, Geschäftsführer des Verbandes der pyrotechnischen Industrie, rät, Feuerwerk nicht auf Flohmärkten oder bei fliegenden Händlern zu kaufen. "Im deutschen Supermarkt oder Kaufhaus wird dagegen nur Feuerwerk mit BAM-Siegeln verkauft."

Die Renner

Ganz oben auf der Knaller- und Raketenliste stehen ­ wie in den vergangenen Jahren ­ Batterien- und Kombinationsfeuerwerke. "Neu ist, dass jetzt mehrere Batterien miteinander verbunden sind. Dann hat derjenige, der die Raketen entzündet, auch genügend Zeit, sie zu sehen", sagt Klaus Gotzen. Gerade bei den Batterien- und Kombinationsfeuerwerken sei die Vielfalt der Produkte noch größer geworden. Bei den Indoor-Feuerwerkskörpern bleiben die Klassiker beliebt. Wer Wunderkerzen in der Wohnung entzündet, sollte darauf achten, das auf einer feuerfesten Unterlage zu tun ­ sonst gibt es Brandflecke.

Umsatzerwartung

Zum vergangenen Jahreswechsel schossen die Deutschen Feuerwerk im Wert von 98 Millionen Euro in den Nachthimmel. "Wir hoffen, dass wir dieses Jahr die 100-Millionen-Marke knacken", sagt Klaus Gotzen. Das war zum Millennium der Fall. Einbußen hatte die pyrotechnische Industrie zum Jahreswechsel 2004/2005 zu verzeichnen. Damals erschütterte die Tsunami-Katastrophe in Südostasien die Welt, aus Knallergeld wurden Spenden.

Weiterführende Links: www.merkur.de/zeljko

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