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Der Polo war 2006 das erste Bluemotion-Modell von Volkswagen. Die Diesel-Variante wurde vor einigen Monaten vom Markt genommen. Foto: Uli Deck/Archiv

"BamS": VW soll früher von CO2-Abweichungen gewusst haben

Die Aufklärung des VW-Abgas-Skandals ist zäh. Und im Kern geht es vor allem darum, wer wann was und wie viel wusste - und wer am Ende die Verantwortung für die Manipulation trägt.

Wolfsburg (dpa) - Die VW-Führung soll einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge möglicherweise bereits im Frühjahr von Abweichungen bei CO2-Werten einzelner Automodelle gewusst haben.

Laut Zeitung habe der damalige Konzernchef Martin Winterkorn wegen auffälliger Messwerte den Verkauf des Polo TDI "BlueMotion" gestoppt. Ein VW-Sprecher bezeichnete das als "reine Spekulation". Das Auto sei wegen der zu geringen Nachfrage vom Markt genommen worden.

Unabhängig davon werde seit Bekanntwerden der Abweichungen bei CO2-Abgaswerten geprüft, welche Modelle betroffen sind. "Ob bei diesem Modell die CO2-Angaben vom Katalogwert abweichen, ist Gegenstand der aktuell laufenden Untersuchungen" hieß es von VW.

Anfang November hatte VW neben den bekannten Abgas-Manipulationen bei Diesel-Motoren "Unregelmäßigkeiten" beim CO2-Ausstoß öffentlich gemacht. Betroffen sind bis zu 800.000 Wagen der Marken VW, Audi, Seat und Skoda.

Unterdessen endet an diesem Montag die Frist für ein sogenanntes Amnestieprogramm für Tarifbeschäftigte, das bei der Aufklärung der Affäre helfen sollte. Bisher hätten sich rund 50 Mitarbeiter beteiligt, berichtet die "Welt am Sonntag". Grundlegend neue Erkenntnisse habe es nicht gegeben, zitiert das Blatt einen Manager.

Nach dpa-Informationen steht eine Verlängerung nicht zur Debatte. Allerdings heißt es in Unternehmenskreisen auch, dass die vergleichsweise kleine Zahl der Teilnehmer die These erhärte, dass nur wenige Mitarbeiter in die Manipulationen verstrickt sein könnten.

Das Programm versprach Tarifbeschäftigten bei vollständiger und wahrheitsgemäßer Aussage den Verzicht auf "arbeitsrechtliche Konsequenzen, wie Kündigungen, noch die Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen." Zudem wies der VW-Konzern auch darauf hin, dass er keinen Einfluss auf die Ermittlungen von Behörden hat, also die Regelungen nicht vor einer möglichen Strafverfolgung schützen.

Die Beschäftigten werden an diesem Mittwoch im Stammwerk Wolfsburg von Betriebsräten, Managern und Aufsichtsräten über den Stand der Dinge informiert. Unter anderem soll auch Großaktionär und Aufsichtsrat Wolfgang Porsche eine Rede halten.

Am Donnerstag muss sich Audi-Chef Rupert Stadler laut "Süddeutscher Zeitung" (Samstag) im Aufsichtsrat der Nobelmarke erklären. Der Manager, der auch VW-Konzernvorstand ist, solle erklären, warum die Nobelmarke erst den Einsatz von Software, die in den USA als illegal gilt, dementierte, dann aber vor wenigen Tagen doch einräumen musste. Zudem wolle der Audi-Aufsichtsrat wissen, was das Unternehmen tue, um die Schuldigen zu finden, berichtet das Blatt.

Forderungen nach personellen Konsequenzen bei der Ingolstädter Tochter werde es erst geben, "wenn alles auf dem Tisch" liege, zitiert das Blatt Mitglieder des Gremiums. Arbeitnehmervertreter bei der Nobelmarke hatten bereits eine lückenlose und genaue Aufklärung von der Führung in Ingolstadt verlangt. Nach dpa-Informationen löste das Vorgehen in Teilen des VW-Aufsichtsrats Unverständnis aus.

Dieser tagt am 9. Dezember. Dort wird wohl auch die Entscheidung über einen neuen Personalvorstand für den Konzern fallen. Der 66 Jahre alte Horst Neumann war aus Altersgründen aus dem Amt geschieden, ursprünglich hatte es schon bei der letzten Sitzung im November eine Entscheidung zur Nachfolge geben sollen.

Der Posten gilt als wichtiges Ressort im Vorstand von Europas größtem Autobauer, bei dem die IG Metall und der Betriebsrat eine machtvolle Position haben. Gerade angesichts der Abgaskrise kommt auf den neuen Personalchef oder die neue Personalchefin eine Menge Arbeit zu.

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