Banges Warten auf das Zocker-Urteil

- München - Die Zocker zittern vor dem Bundesverfassungsgericht. Morgen verkünden die obersten Richter ihr Urteil im Sportwetten-Rechtsstreit. Es geht um einen Milliarden-Markt. Womöglich bricht das staatliche Monopol zusammen - oder den privaten Anbietern geht es an den Kragen.

Eigentlich gibt es in Deutschland ein Staatsmonopol beim Wetten - doch es ist löchrig wie Käse. Mit alten DDR-Lizenzen oder über ausländische Internetseiten, zum Teil in rechtlichen Grauzonen, veranstalten Privatfirmen Sportwetten. Sie bieten bessere Quoten und spannendere Wetten an als das staatliche Oddset.

Bei "Betandwin" beispielsweise kann mitten im Spiel auf Elfmeter, Gelbe Karten oder Eckbälle getippt werden - mit laut Experten tendenziell höherer Suchtgefahr.

Eine Münchner Buchmacherin will nun mit der Klage in Karlsruhe das Monopol auch formal zu Fall bringen. Wie die Richter entscheiden werden, ist völlig offen. Eine Liberalisierung, so argumentiert der Staat, würde den ruinösen Spieltrieb fördern. Bis zu sechs Milliarden Euro würden die Deutschen schätzungsweise pro Jahr aufs Spiel setzen. Die Privaten kontern, dem klammen Staat gehe es weniger um Nächstenliebe, mehr um die dicken Profite im Wettgeschäft. Wer vorgebe, den Spieltrieb in Grenzen halten zu wollen, könne kaum so offensiv fürs Zocken werben wie Oddset.

Die Firmen bereiten sich schon auf eine Marktöffnung vor. Offenbar will sogar der Abosender Premiere umfangreich ins Geschäft einsteigen. "Die Wettbuden schießen wie Pilze aus dem Boden", beklagt Erwin Horak, Präsident der staatlichen Lotterieverwaltung in Bayern. Die Oddset-Umsätze seien stark zurückgegangen, sagte er unserer Zeitung: "Wir haben nur noch 30 Prozent Marktanteil wegen der vielen illegalen Anbieter."

Einem Erdbeben käme auch eine Stärkung des Wettmonopols gleich. Dann stellt sich die Frage, ob etwa Betandwin noch in Deutschland werben darf - zum Beispiel in großem Rahmen in der Fußball-Bundesliga, was die Oddset-Bosse seit Monaten auf die Palme bringt. Und was würde aus den schon abgeschlossenen Wetten, zum Beispiel auf die WM? Was aus den Guthaben bei ausländischen Anbietern? Gibt es eine Welle von Razzien gegen Wettbüros?

Horak will auf ein Urteil lieber nicht wetten. Nach grundlegender Rückendeckung durch die Aussagen von Suchtexperten ist er im Verfahren aber "sehr zuversichtlich". Nicht zuletzt droht ein Krater im Staatsetat: insgesamt rund eine halbe Milliarde Euro Lotteriesteuer und Gewinnabführung überweist Horaks Haus pro Jahr dem Freistaat.

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