Bank of America fängt Merrill Lynch auf

New York - Die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch hat sich inmitten der Wall-Street-Krise in einem Eilverkauf unter das Dach der Bank of America gerettet. Der Kaufpreis liegt bei 50 Milliarden Dollar - allerdings nur in Aktien.

Damit bewahrte Merrill-Chef John Thain sein Traditionshaus vor dem Schicksal des insolventen Konkurrenten Lehman Brothers. Zugleich besiegelte der in nur 48- Stunden ausgehandelte Milliardendeal das Schicksal von Lehman: Die Bank of America galt lange als möglicher Retter für die angeschlagene Nummer vier der Investmentbanken. Mit der Übernahme von Merrill erlosch ihr Interesse an einem Kauf selbst der gesunden Teile des Lehman-Geschäfts vollends.

Die zu den größten US-Finanzhäusern Bank of Amerika profiliert sich damit noch weiter als bisheriger Profiteur der Finanzmarktkrise. Im Frühjahr hatte sie bereits beim angeschlagenen Immobilienfinanzierer Countrywide zugegriffen.

Mit dem Kauf von Merrill erfüllt sich die Bank of America zudem den lange gehegten Wunsch nach einer starken eigenen Investmentbank- Sparte. Als Universalbank steht das Haus mit Firmensitz in Charlotte (North Carolina) bereits nach Einlagen an der Spitze im US-Markt. Für die Wall Street ist es eine drastische Veränderung: Vor gut einem halben Jahr gab es fünf unabhängige Investmentbanken, jetzt sind es nur noch zwei. Merrill Lynch war ähnlich wie Lehman wegen Milliardenverlusten und einem dramatischen Kursverfall immer stärker unter Druck geraten. Der Deal bewertet Merrill mit 29 Dollar je Aktie, während das Papier am Freitag an der Börse für lediglich gut 17 Dollar gehandelt worden war.

Die Bank of Amerika hatte Medienberichten zufolge bereits im Juli vergeblich bei Merrill Lynch angeklopft. Am Samstagabend aber, als die Branche zusammen mit US-Regierung und Notenbank fieberhaft um eine Rettung von Lehman Brothers rang, soll Thain selbst auf die Bank of America zugegangen sein, wie das "Wall Street Journal" berichtete. Seine Sorge: Ein möglicher Zusammenbruch von Lehman Brothers würde branchenweit zu so großen Kursverlusten führen, dass auch seine Bank ins Wanken kommen könnte.

Nun entstehe aus den beiden Unternehmen die "führende Finanzinstitution in der Welt", jubelte Thain. Bis spätestens März 2009 soll die Übernahme unter Dach und Fach sein.

Die Bank of America will durch den Zusammenschluss jährlich sieben Milliarden Dollar vor Steuern einsparen; die volle Summe solle 2012 erreicht werden. Ab dem Jahr 2010 rechnet die Bank of America damit, dass die neue Tochter einen Beitrag zum Gewinn beisteuert.

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