Bank-Chef, Visionär und Opfer des Terrors: Alfred Herrhausen

- Frankfurt - Er galt als Visionär und Idealist. Als unerbittlicher Antreiber. Ein Manager, für den Verantwortung nicht nur eine Floskel war. Der andere mit seinem Ehrgeiz überforderte. Ein charmanter, fast jugendlich wirkender Mann, der für die Liebe seine Karriere aufs Spiel setzte. Alfred Herrhausen, Vorstandssprecher der Deutschen Bank, vereinte ganz unterschiedliche Eigenschaften in sich. Für die Terroristen der "Rote Armee Fraktion" (RAF) war er das Symbol eines übermächtigen Netzwerks aus Banken, Industrie und Politik. Am kommenden Sonntag wäre Herrhausen, der 1989 unweit seines Wohnhauses in Bad Homburg einem Sprengstoffattentat zum Opfer fiel, 75 Jahre alt geworden. Zu dem Anschlag bekannte sich die RAF.

<P class=MsoNormal>Herrhausen stammte aus eher einfachen Verhältnissen. Während der Kriegsjahre besuchte er die Nazi-Kaderschule "Napola". Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wollte er Lehrer werden, entschied sich dann aber für ein Wirtschaftsstudium in Köln, das er mit einer Promotion abschloss. Nach drei Jahren bei der Ruhrgas AG wechselte Herrhausen 1955 zum Energiekonzern VEW. Den Verdacht, als Proteg鴐 seines dort in hoher Funktion tätigen Schwiegervaters Karriere zu machen, widerlegte er durch seine eigenen Leistungen schnell. Zur Deutschen Bank wechselte Herrhausen 1969. Nur zwei Jahre später rückte er in den Vorstand des größten deutschen Finanzhauses auf.</P><P class=MsoNormal>Auf einer Geschäftsreise nach Texas verliebte Herrhausen sich in eine jüngere Frau aus Österreich. Eine Scheidung war in der konservativen Bank für ein Vorstandsmitglied bis dato tabu. Herrhausen bot seinen Rücktritt aus dem Gremium an, doch die Kollegen winkten ab.</P><P class=MsoNormal>Von 1985 an wirkte der gebürtige Essener dann zusammen mit F. Wilhelm Christians als Sprecher des Vorstands, seit 1988 übte er diese Funktion allein aus. Als Herrhausen an die Spitze der Bank rückte, war die so genannte Deutschland AG, die Verflechtung von Banken und Industriekonzernen, auf ihrem Höhepunkt. Herrhausen war Aufsichtsratsvorsitzender der Daimler-Benz AG und prägte den strategischen Wandel des Autoherstellers zum Technologie- und Rüstungskonzern, der inzwischen wieder rückgängig gemacht wurde, entscheidend mit. Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) stand er als Berater zur Seite.</P><P class=MsoNormal>Macht war für Herrhausen nichts Anstößiges, sondern etwas, das mit Verantwortung und Ideen auszufüllen war. Wettbewerb bedeutete für ihn, sich dem Stillstand zu widersetzen. "Die Bedenkenträger hat er gehasst", erinnert sich seine zweite Frau Traudl Herrhausen in der Kino-Dokumentation "Black Box BRD" des Theater- und Filmemachers Andres Veiel, der Herrhausens Biografie der des 1993 getöteten RAFTerroristen Wolfgang Grams gegenüberstellt. Herrhausens Mörder wurden nie gefasst.</P><P class=MsoNormal>Es war typisch für den Bankmanager, sich weniger auf Seilschaften als auf die Durchsetzungskraft von Argumenten zu verlassen. Seine Vorstandskollegen in der Bank überraschte Herrhausen nicht nur mit dem Vorschlag, den Ländern der Dritten Welt einen Teil ihrer Schulden zu erlassen.</P><P class=MsoNormal>Auch die Vision einer Deutschen Bank, die künftig nicht mehr auf Augenhöhe mit der Dresdner Bank oder der Commerzbank, sondern mit Konkurrenten in Großbritannien und den USA stehen sollte, stieß auf Widerstand. Manch einer fühlte sich in der Rolle des Provinzfürsten wohler. Zu einem öffentlichen Eklat kam es nur deshalb nicht, weil die Ermordung Herrhausens dem Streit ein Ende setzte. </P><P class=MsoNormal>Alfred Herrhausen hatte eine der mächtigsten Positionen in der Deutschland AG inne.</P>

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