Banken in Aufruhr: Furcht vor feindlichen Übernahmen wächst

- Frankfurt - In den Chefetagen der deutschen Großbanken rumort es. Die Furcht vor Übernahmen durch ausländische Geldhäuser wächst. "Fressen oder gefressen werden", lautet die prekäre Formel zum Jahresbeginn. Einige Großbanken wären für US-Riesen derzeit kaum mehr als ein leckeres Häppchen.

<P>Nachdem Branchenführer Deutsche Bank sowie die Commerzbank mit massivem Personalabbau, Verminderung der Kreditrisiken und Verkäufen das Krisenjahr überwunden haben, sind sie für amerikanische Institute noch attraktiver geworden. Als erster hatte der Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Rolf Breuer, das Horrorszenario skizziert. Die Eroberer stünden schon vor der Tür, um die nach Börsenkurs billigen deutschen Banken zu kaufen. Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller schlägt nun in die gleiche Kerbe: "Für die privaten Finanzinstitute besteht akut die Gefahr, preiswert übernommen zu werden."<BR><BR>Dabei geht es nicht nur ums große Monopoly im weltweiten Finanzgewerbe, das Aktionäre oder die von Stellenabbau betroffenen Belegschaften tangiert. Letztlich ist es auch eine Existenzfrage für die drittgrößte Wirtschaftsmacht - hinter den USA und Japan. Gerade für den nicht immer beliebten Exportweltmeister könnte es äußerst unangenehm werden, wenn die führenden Geldhäuser in ausländischen Händen wären.<BR><BR>Breuer deutet die Szenarien an. Eine Situation wie vor dem Ausbruch des Irak-Krieges mit tiefen politischen Verwerfungen zwischen Berlin und Washington träfe auch die Wirtschaft hier zu Lande. Vor allem, wenn US-Großbanken - im Besitz deutscher Kredithäuser - Rücksicht auf die US-Regierung nehmen müssen. Letztlich sei es eben nicht egal, wenn die deutsche Wirtschaft im eigenen Land auf ausländische Institute angewiesen sei, mahnte Breuer.<BR><BR>Wenngleich er das Argument nutzen will, um die Strukturen der deutschen Kreditwirtschaft zu Lasten der Sparkassen aufzubrechen, sehen auch neutrale Beobachter Handlungsbedarf. Bundesbank-Vorstand Edgar Meister stimmt mit der Bundesregierung überein, dass Deutschland schlagkräftige Banken benötigt.<BR><BR>"Unser Finanzsektor sollte der realwirtschaftlichen Bedeutung Deutschlands entsprechen", sagte Meister. Insbesondere für die Unternehmen sei die Existenz großer Banken wichtig, die auch in der Spitze die deutsche Sprache, Mentalität und Finanzkultur verstünden, urteilt der Bundesbanker.<BR><BR>Die Drohkulisse ist kein Produkt spekulierender Börsenprofis, um an steigenden Kursen zu verdienen. Müller sieht sogar die unmittelbare Gefahr eines Domino-Effektes: "Wenn einer den ersten Schritt geht, dann müssen sich zehn andere überlegen, was sie tun." Falls die US-Bank JP Morgan Chase zuschlage, bringe das die Citigroup und die Bank of America in Zugzwang, mahnt der Commerzbank-Mann.<BR><BR>In den Strategiepapieren der großen Geldhäuser werden bereits alle Varianten durchgespielt. Müller scheut sich nicht, eine Fusion mit der Deutschen Bank zu preisen: "Ein Privatkundengeschäft mit mehr als 15 Millionen Kunden wäre schon eine tolle Sache." Selbst die Postbank - als viertgrößte Privatbank - wird wieder ins Spiel gebracht: "Die passt zu jedem von uns."<BR><BR>Auch der Vorstandschef der Münchner HypoVereinsbank, Dieter Rampl, will ein Zusammengehen mit der Commerzbank nicht ausschließen: "Die Commerzbank ist wie einige andere Banken auch stark im Privatkundengeschäft und nicht nur im Firmenkundengeschäft", lobte er die Frankfurter Konkurrenz. Die deutsche Finanzlandschaft wird 2004 nicht nur vom Grabenkrieg zwischen Großbanken und Sparkassen geprägt, auch in die Hochfinanz selbst ist wieder neue Bewegung gekommen.<BR><BR><BR></P>

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