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Bayerns Banken-Chefin Silke Wolf.

Interview mit Chefin des bayerischen Bankenverbandes

Banken-Chefin: Schulen sollten Umgang mit Geld unterrichten

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München - In Schulen sollte auch der Umgang mit Geld unterrichtet werden, findet Bayerns Banken-Chefin Silke Wolf im Interview mit dem Münchner Merkur.

Eine Pisa-Studie hat in Deutschland schon einmal für Furore gesorgt – als die in Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik geprüften Schülerinnen und Schüler nur mittelmäßig abschnitten. Zur Pisa-Studie der OECD gibt es seit Jahren jeweils auch eine Zusatzstudie zum Thema Finanzwissen. An ihr beteiligt sich Deutschland – anders als 15 andere Länder – gar nicht erst. Wir sprachen darüber mit der Silke Wolf, die Geschäftsführerin des Bayerischen Bankenverbandes ist.

Deutschland hat sich an der jüngsten Pisa-Zusatzstudie zum Thema Finanzwissen nicht beteiligt. Wieso eigentlich nicht?

Silke Wolf: Es hieß, dass es einen erheblichen Zusatzaufwand für die Schulen bedeutet hätte.

Oder man hatte Angst vor dem Ergebnis.

Wolf: Das kann schon auch sein. Die Defizite sind ja bekannt.

Was glauben Sie, wo hätte sich Deutschland im internationalen Vergleich wiedergefunden?

Wolf: Ich schätze, dass Deutschland nicht so gut abgeschnitten hätte. Das zeigen auch unsere Studien. Gut die Hälfte der befragten 14- bis 24-Jährigen gibt an, sich mit Gelddingen nicht auszukennen. Von dem, was an den Börsen geschieht, hatten nach eigener Einschätzung fast zwei Drittel keine oder wenig Ahnung. Bei den Erwachsenen sieht es übrigens nicht besser aus. Nach einer Umfrage können sechs von zehn Erwachsenen nicht erklären, was ein Investmentfonds ist.

In Bayern gibt es ein Schulfach Wirtschaft. Reicht das nicht aus?

Wolf: Es ist schon mal sehr lobenswert, dass es das in Bayern seit vielen Jahren gibt. Doch das heißt nicht, dass wir nicht besser werden könnten. Das Schulfach Wirtschaft beschäftigt sich ja nicht nur mit Finanzwissen, sondern auch mit Recht. Für die praktischen Geldfragen bleibt entsprechend weniger Zeit. Das muss sich ändern. Die Schule muss der Ort sein, an dem junge Menschen auf ihr späteres Leben vorbereitet werden. Und da gehörten Wirtschaft und Finanzen dazu. Das müsste an allen allgemeinbildenden Schulen eine viel größere Rolle spielen. Ökonomische Allgemeinbildung ist für jeden einzelnen wichtig.

Ganz konkret, was sollten Jugendliche lernen?

Wolf: Ganz einfache Dinge, wie zum Beispiel ein Konto zu eröffnen oder ein Tagesgeld-Depot anzulegen. Sie sollten lernen, mit Geld umzugehen. Also: Ihre Ausgaben planen, wie viel kommt jeden Monat rein, wie viel kann ich mir leisten? Oder wie man mit Schulden umgeht, beziehungsweise wie man sie wieder los wird. Das sind essenzielle Kenntnisse, die man Jugendlichen vermitteln muss. Sie sollten auch etwas über die Risiken erfahren, die mit Geldanlagen verbunden sind.

Geldanlage hat ja durchaus einen spielerischen Charakter, etwa wenn man den Aktienmarkt ansieht. Das müsste Schülern doch gefallen.

Wolf: Ja, das kann auch Spaß machen. Es gibt sehr gute Angebote, wie etwa Börsen-Planspiele, wo man viel über die Funktionsweise des Aktienmarktes lernt und darüber, wie dort Entscheidungen getroffen werden.

Wie sieht es denn in anderen Bundesländern mit dem Schulfach Wirtschaft aus?

Wolf: Baden-Württemberg führt im neuen Schuljahr an weiterführenden Schulen sukzessive ein Pflichtfach „Wirtschaft, Berufs- und Studienorientierung“ ein. Ansonsten gibt es das als eigenes Fach nur noch in Thüringen. Deshalb setzen wir uns ja so vehement dafür ein, dass es bundesweit zum Pflichtfach an den allgemeinbildenden Schulen wird.

Wieso setzen sich da ausgerechnet die Banken da so ein?

Wolf: Jeder Verbraucher muss Entscheidungen treffen, über Verträge, die er schließt, eine Immobilie, die er kauft oder eine Versicherung, die er abschließt. Dafür braucht man eine Grundausbildung. um Informationen, die einem zum Beispiel von einer Bank oder einem Finanzberater gegeben werden, auch beurteilen zu können. Man kann dem mündigen Kunden seine Entscheidung ja nicht abnehmen, die muss er schon selbst treffen. Wir können ihn nur beraten, und eine Beratung kommt umso besser an, je mehr Basiswissen ein Kunde schon mitbringt.

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