Banken geben sich einen Ruck: Neue Kredite für Karstadt-Quelle

- München/Essen - Die Banken haben im Ringen um die Sanierung des angeschlagenen Karstadt-Quelle-Konzerns grünes Licht für eine langfristige Kreditverlängerung gegeben. "Ich gehe davon aus, dass die Verträge unterschrieben werden", sagte Karstadt-Quelle-Sprecher Jörg Howe. Mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) und der Norddeutschen Landesbank (NordLB) hätten die beiden letzten der insgesamt 16 Banken der Kreditverlängerung über 1,75 Milliarden Euro zugestimmt.

<P>Die Unterschriften werden noch vor der Hauptversammlung erwartet, die am Montag eine Kapitalerhöhung über 500 Millionen Euro beschließen soll. "Unter strengem Konsortialvorbehalt wird die LBBW sich nicht mehr verwehren", sagte Sprecher Stefan Schütz. Voraussetzung für ein Engagement der Bank sei es, dass alle beteiligten Institute mitzögen und niemandem Sonderkonditionen eingeräumt würden. </P><P>Die beiden Landesbanken, die mit lediglich je 25 Millionen Euro beim Essener Konzern engagiert sind, hatten nach Angaben aus Branchenkreisen bislang eine Einigung unter den Banken behindert. Karstadt-Quelle hat damit einen Meilenstein bei der Finanzierung des Sanierungskurses geschafft. Die Verlängerung der Kreditlinie, die bislang nur bis Silvester steht, gilt als entscheidende Voraussetzung dafür, dass die Kapitalerhöhung über die Bühne geht. </P><P>Diese ist wiederum nötig, damit Karstadt-Quelle nicht Insolvenz anmelden muss: Wegen der Milliardenverluste war das Eigenkapital des Konzerns zu Ende September auf knapp 83 Millionen Euro zusammengeschrumpft. Vor einer Woche hatte die Unternehmensberatung Roland Berger in einem von den Banken beauftragten Gutachten grünes Licht für den Sanierungsplan des Warenhauskonzerns gegeben. Karstadt-Quelle verhandelt auch noch mit mehreren Geldgebern über eine zusätzliche Finanzierung von rund 500 Millionen Euro als "Puffer". </P><P>Karstadt-Quelle will mit einem radikalen Sparprogramm und dem Verkauf von Unternehmensteilen die Existenzkrise überstehen. Unter anderem sollen 77 kleinere Warenhäuser ausgelagert und verkauft werden. In Bayern will Karstadt-Quelle mindestens 1050 Arbeitsplätze abbauen. Im Versandhandel sollen binnen drei Jahren 620 Stellen wegfallen, in der Warenhaus-Sparte 430. Das bestätigte Vorstand Matthias Bellmann gegenüber unserer Zeitung. Am meisten betroffen sein wird der Versandhaus-Standort Fürth. </P><P>Man werde versuchen, das Personal "nicht ausschließlich, aber überwiegend durch Fluktuation" abzubauen, sagte Bellmann. Kaufhaus-Schließungen in Bayern bereits in den nächsten Monaten will Bellmann nicht ausschließen. Über die Standorte sei noch keine Entscheidung gefallen. In München stehen offenbar drei kleinere Filialen zum Verkauf. Die großen Häuser Oberpollinger und Hertie gelten als sicher.</P>

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