Banken hören den Kunden nicht zu

München - Die Beratungsqualität von Banken und Sparkassen lässt laut einer Studie sehr zu wünschen übrig. Privatanleger werden in Sachen Geldanlage fast immer unzureichend und nicht selten sogar falsch beraten. Die Geldhäuser bestreiten das.

Das Fazit ist wenig schmeichelhaft: "Die Berater nehmen sich in der Regel nur sehr wenig Zeit für den Kunden, es mangelt an einer Aufklärung zu den Risiken, und ob die empfohlenen Produkte tatsächlich passen, ist eher vom Zufall abhängig", sagt Andreas Oehler, der den Lehrstuhl für Finanzwirtschaft an der Universität Bamberg leitet. Nach seinen Worten ist eine gute Anlageberatung die absolute Ausnahme.

Zu diesem Ergebnis kam Oehler nach einer Studie, die unter seiner Leitung durchgeführt wurde. Dazu führten die Wirtschaftswissenschaftler 90 anonyme Beratungsgespräche in mehreren süddeutschen Städten und ländlichen Regionen. Dabei nahmen sie alle großen Kreditinstitute unter die Lupe. Bei den Gesprächen gaben die Tester an, 50 000 Euro aus einer Erbschaft anlegen zu wollen. Dabei wurden drei verschiedene Anlegertypen dargestellt, darunter zwei risikoscheue und in Finanzfragen unsichere Anleger sowie ein erfahrener und durchaus risikobereiter Kunde. Das Beratungsergebnis dokumentierten die Tester in einem vereinheitlichten Protokollbogen. Bewertet wurden dabei unter anderem die Qualität der Kundenbefragung, die Risikoaufklärung und die Produktempfehlungen.

Die Auswertung offenbarte erhebliche Mängel. So dauerten die Beratungsgespräche im Schnitt nur rund 40 Minuten. "Das reicht kaum für eine Kundenbefragung aus, geschweige denn für eine ganze Anlageberatung", betont Oehler. Nur in jedem zweiten Beratungsgespräch wurden Einkommenssituation und Renditewünsche des Kunden erfragt. Zugleich informierten sich nur zehn Prozent der Berater über das verfügbare Einkommen und lediglich vier Prozent fragten die Testkunden nach ihren Kenntnissen zu Anlagerisiken.

Auch bei den Produktempfehlungen gab es erhebliche Defizite. So wurden den wenig informierten und risikoscheuen Kunden entgegen deren Bedürfnissen oftmals Aktien und Anleihen empfohlen. "Nur in wenigen Fällen wurde das Kapital sinnvoll aufgeteilt, oftmals wurde sogar geraten, die 50 000 Euro in einen einzigen Fonds zu investieren", sagt Oehler. Insgesamt registrierten die Experten bei 90 Prozent der Anlageberatungen erhebliche Mängel, weniger als zehn Prozent der Empfehlungen passten der Studie zufolge gut zum jeweiligen Kunden.

Die Kreditinstitute verweisen auf eigene Umfragen: "Wir wissen aus repräsentativen Untersuchungen, dass die große Mehrheit der Deutschen von den Leistungen ihrer Bank überzeugt ist", sagt Christian Lipicki vom Bundesverband deutscher Banken (BdB) in Berlin. Nach jüngsten Umfragen seien neun von zehn Bürgern zufrieden oder sogar sehr zufrieden. Zudem hätten die Kreditinstitute ein eigenes Interesse an einer optimalen Betreuung, denn nur dann blieben die Kunden ihrer Bank treu.

Oehler will das nicht gelten lassen. Die Befragungen der Kreditinstitute sind nach seinen Aussagen oft oberflächlich. Ein Indiz für die Unzufriedenheit sei auch, dass immer mehr Kunden ihre Bank wechselten. Für Anleger ist es empfehlenswert, sich vor einer Anlageberatung möglichst umfassend selbst zu informieren und sich über die eigene Risikobereitschaft und die Renditeerwartungen im Klaren zu sein. Die Bamberger Studie ergab, dass gut informierte Kunden in der Regel eine bessere Beratung erhalten als unerfahrene. Außerdem empfiehlt Oehler, immer eine Begleitperson mit zum Beratungsgespräch zu nehmen. Das wirke sich unmittelbar auf die Beratungsqualität aus und sei wichtig, um eventuelle Schadensersatzansprüche wegen Falschberatung durchzusetzen.

Unzureichende Abwehr gegen Automaten-Gauner

Im Kampf gegen die Manipulation von Geldautomaten sollen die Banken in Deutschland nach Ansicht von Verbraucherschützern härtere Bandagen anlegen. Das Ausspähen von Kundendaten mit falschen Lesegeräten und Tastaturen ("Skimming") lasse sich mit einfachen Mitteln verhindern, erklärt der Bundesverband der Verbraucherzentralen laut einem Bericht des "Spiegel". Banken und Sparkassen müssten "endlich alle Anstrengungen" unternehmen, um gegen solche Praktiken vorzugehen.

Schon seit Jahren gibt es dem Magazin zufolge "Anti-Skimming-Module", die knapp 1000 Euro kosteten. Die Apparaturen machten das Kopieren der Magnetstreifen von Bankkarten unmöglich und hätten fast alle Skimming-Attacken der vergangenen Monate verhindert. Experten schätzen, dass nicht einmal 20 Prozent der 54 000 deutschen Geldautomaten mit entsprechenden Geräten ausgerüstet sind.

Das Phänomen ist seit Jahren bekannt. Allein im ersten Halbjahr 2008 sind 431 Automaten manipuliert worden - fast so viele wie im gesamten Vorjahr, sagt Margit Schneider von Euro Kartensysteme, einem Gemeinschaftsunternehmen der Kreditinstitute, die alle Betrugsfälle bearbeitet.

ap

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