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Wenn sich Continental und Schaeffler nicht zusammenraufen, droht beiden eine düstere Zukunft.

Conti / Schaeffler

Banken und Politik ringen um Kompromiss

Hannover/Herzogenaurach – In der Dauerfehde zwischen Continental und Schaeffler um die Unternehmensführung wird jetzt um einen Kompromiss gerungen. Die wahrscheinlichste Variante würde zwei Topmanager ihre Positionen kosten: Den Vorstandsvorsitzenden und den Aufsichtsratschef.

Im Machtkampf zwischen Continental und Großaktionär Schaeffler scheint ein Kompromiss in Reichweite zu liegen. „Es könnte sein, dass wir bis Mittwoch eine Paketlösung hinbekommen“, war aus Aufsichtsratskreisen zu erfahren. Demnach könnte ein Kompromiss darin bestehen, dass Conti-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann abberufen wird, aber auch der Aufsichtsratsvorsitzende und Schaeffler-Berater Rolf Koerfer geht.

Die Aufsichtsräte stimmten sich in Telefonkonferenzen regelmäßig ab, hieß es. Auch die Banken und die Politik seien an den Verhandlungen beteiligt. Aus dem Umfeld der Konzerne hieß es, der Konflikt werde sich demnächst „in Wohlgefallen“ auflösen.

Vor allem die Arbeitnehmervertreter im Conti-Kontrollgremium drängten auf eine Ablösung Koerfers. Am Mittwoch soll erneut der Conti-Aufsichtsrat zusammenkommen. Eine erneute Kampfabstimmung und ein Eklat wie bei der letzten Sitzung sollten verhindert werden, hieß es.

Koerfer steht seit der dramatischen Aufsichtsratssitzung Ende Juli heftig in der Kritik, vor allem wegen der Vorbereitung und Leitung der Sitzung. Schaeffler hatte bei dem Treffen versucht, Conti-Chef Neumann zu stürzen, war aber am unverdrossenen Widerstand der Arbeitnehmerseite gescheitert. Die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit für eine Ablösung Neumanns kam nicht zustande.

Altkanzler Gerhard Schröder hatte zuletzt den Druck auf die Beteiligten erhöht. Schröder hatte als Garant der Investorenvereinbarung zwischen Conti und Schaeffler zur Wahrung der Conti-Interessen eine rechtliche Prüfung veranlasst, ob Schaeffler mit der versuchten Neumann-Abberufung gegen die Vereinbarung verstoßen hat. In diesem Fall könnte Schröder vor Gericht kurzfristig eine einstweilige Verfügung gegen eine Abberufung Neumanns erwirken. Dies aber sei bei einem Kompromiss nicht mehr notwendig, hieß es.

Die fränkische Industriellenfamilie Schaeffler hält direkt und über befreundete Banken 90 Prozent an Conti und will ihren eigenen Manager Elmar Degenhart an die Conti-Spitze hieven, um dann möglichst endgültig jedes Widerwort aus Hannover auszuschließen. „Das Unternehmen gehört mir und ich will eine neue Führung“, soll Clan-Matriarchin Maria-Elisabeth Schaeffler beim vor zwei Wochen gescheiterten Anlauf dazu verkündet haben.

Als „unmöglich und tief arrogant“ bezeichnet Wolfgang Meinig , Gründer der Forschungsstelle Automobilwirtschaft Bamberg, diese Haltung. Meinig rechnet damit, dass dem Unternehmen Continental dadurch schwerer Schaden entsteht. Falls mit Neumann der zweite Conti-Vorstandsvorsitzende von Schaeffler abberufen werde, habe das „schwere Auswirkungen auf die Beziehungen zu Kunden“, sagt der bayerische Wissenschaftler, der auch im Stiftungsrat der Schaeffler-Stiftung sitzt. Das käme „einer Katastrophe gleich“. Er rät Schaeffler, „einen Gang zurückzuschalten“, glaubt aber nicht, dass dies geschehen werde. Man sei in der Schaeffler- Chefetage in Herzogenaurach „sehr machtbesessen“.

Ein Vertreter der Schaeffler-Seite ist auch Aufsichtsratschef Koerfer. Er ist durch sein Amt an sich dem Wohl von Conti verpflichtet, im normalen Leben aber auch Familienanwalt von Schaeffler und weiß, wie er zu stimmen hat. „Herr Koerfer , entlarven Sie sich“, soll ihm der für die IG Metall im Conti-Aufsichtsrat sitzende Hartmut Meine bei der tumultartigen Sitzung vor zwei Wochen an den Kopf geworfen haben. Vor einem Jahr hat sich Schaeffler mit ähnlich umstrittenen Methoden die Mehrheit an der weit größeren Conti gesichert. Im irrigen Vertrauen auf eine weiter boomende Konjunktur wurden dafür Kredite über elf Milliarden Euro riskiert. Die hängen nun wie ein Mühlstein am Hals von Schaeffler. Kurz zuvor hatte Conti den Konkurrenten VDO für eine ähnliche Summe geschluckt, ebenfalls kreditfinanziert. Seit die Finanz- und Automobilkrise tobt, geht es für Conti und Schaeffler um die Existenz. Alle Fusionsbemühungen sind versandet. Auf den Fluren von Conti grassiert die Angst, Kunden und eigene Spitzenkräfte könnten wegen der Dauerquerelen dem Haus den Rücken kehren.

Unklar ist auch, was aus der nur vage beschlossenen Kapitalerhöhung für Conti ohne Neumann wird. Er ist die treibende Kraft dahinter. Der Conti-Vorstand sei bislang nur beauftragt, die Vorbereitungen für eine Finanzspritze von bis zu 1,5 Milliarden Euro zu treffen, heißt es im Umfeld von Schaeffler spitzfindig. Ob, wann oder in welcher Form sie komme, bleibe offen. Schaeffler selbst kann sich mangels Mitteln nicht beteiligen und will zugleich den eigenen Conti-Anteil nicht verwässern lassen.

tmh/mp/dpa

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