Banken und Sparkassen: HVB-Chef will mehr Spielraum für Fusionen

- München - Der Job ist nicht vergnügungssteuerpflichtig und macht doch Spaß, Franz Maget, Oppositionsführer im Bayerischen Landtag, sah durchaus Gemeinsamkeiten mit Dieter Rampl, dem Chef der HypoVereinsbank. Der Banker fügte beim Business-Dinner der Landtags-SPD noch eine dritte hinzu: Er präsentierte seine Vision von der klassenlosen Gesellschaft.

<P>Allerdings denkt er dabei nicht die Traditions-Vorstellungen seiner sozialdemokratischen Gastgeber: "Das Sektorendenken im deutschen Bankenwesen muss aufhören", sagte der Chef der zweitgrößten deutschen Privatbank. Ein brisantes Thema, das Gastgeber Maget zurückhaltend bewertete: "Ein interessanter Vortrag". Verschmelzungen, die allenfalls zwischen Sparkassen, zwischen Genossenschaftsbanken und zwischen Privatbanken als akzeptabel gelten, müssen Rampls Ansicht nach übergreifend möglich werden.<BR><BR>Rampl will die Grenzen zwischen den drei Säulen des deutschen Banksystems niederreißen. Und er verweist auf das erfolgreiche Beispiel aus Österreich. Dort sei eine Fusionswelle zwischen unterschiedlichen Kreditinstituten in Gang gesetzt worden, und doch sei die Bankenlandschaft so funktional geblieben wie vorher. Und, so Rampl, "das Menetekel, dass der kleine Mann kein Geld mehr bekommt, ist ein schlechtes Märchen geblieben". Nicht zuletzt wegen der fusionierten Bankenlandschaft habe sich Österreich in seiner Funktion als Drehscheibe des Ost-West-Handels an die Spitze Europas vorgearbeitet. <BR><BR>Dagegen rangieren die deutschen Banken im unteren Mittelfeld. Ihre Ertragsschwäche mache sie trotz günstiger Bewertung selbst als Objekt feindlicher Übernahmen uninteressant. Rampl sieht als einen Grund die dominierende Stellung der öffentlichen Banken und die entsprechend geringere Bedeutung der privaten Banken. Die Öffentlichen nehmen mehr als die Hälfte des deutschen Marktes in Anspruch. Alle Privatbanken zusammen hätten nur einen Marktanteil von 30 %. Zum Vergleich: In Frankreich haben allein die drei größten Banken 45 %, in Großbritannien 50 %, in Österreich 60 %, in Irland 70 % und in Skandinavien über 80 % Anteil.<BR><BR>Dabei könne die Politik nach Rampls Auffassung mehr tun, als eine Fusion unter den privaten Geschäftsbanken zu fordern (siehe nebenstehenden Bericht). Rampl schwebt vor, die Sparkassen und Landesbanken zu Aktiengesellschaften umzuformen, um dadurch übergreifende Fusionen zu ermöglichen. Dabei geht es ihm nach eigenen Aussagen nicht nur darum, dass private Banken sich Sparkassen kaufen können. Wenn mehrere Sparkassen zu starken Regionalbanken fusioniert würden, könnten diese in Augenhöhe mit Großbanken verhandeln.<BR><BR>Bereits heute arbeitet die HypoVereinsbank säulenübergreifend mit der Stadtsparkasse München bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs zusammen. Und es gilt in der Branche als offenes Geheimnis, dass Rampl begehrliche Augen auf die Stadtsparkasse München wirft. Die Furcht, dass sich die Banken nach einer Konsolidierung aus der Fläche zurückziehen, hält Rampl für "absolut unbegründet". Allerdings räumt er ein, dass Kredite künftig teurer werden dürften. Die Zinslast in Deutschland betrage bei mittelständischen Unternehmen nur 1,7 % der Betriebsleistung verglichen mit 2,3 % in den USA. Dabei sei die Eigenkapitalquote in den USA mit 40 % wesentlich höher als in Deutschland mit 15 %. "Wir werden", so Rampl, "die Probleme nur lösen, wenn wir einen angemessenen Zinsanstieg zulassen."<BR><BR><BR></P>

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