Bankenaufsicht schließt Weserbank

-

Bremerhaven/Berlin (dpa) - Erstmals seit Beginn der Finanzmarktkrise ist in Deutschland eine Bank geschlossen worden. Die Bankenaufsicht BaFin machte am Mittwoch die Weserbank AG in Bremerhaven dicht und beantragte ein Insolvenzverfahren.

Das sehr kleine, fast 100 Jahre alte Institut sei nicht mehr in der Lage gewesen, die laufenden Kosten zu decken. Die meisten der 2800 Kunden, die Ansprüche von rund 25 Millionen Euro haben, müssen aber voraussichtlich nicht um ihr Geld fürchten.

Weserbank-Chef Gerold Lehmann sieht sein Institut als Opfer der Bankenkrise. "Unter normalen Umständen hätten wir die Bank nie schließen müssen. Wir leiden unter dem Vertrauensverlust in der Folge der Finanzkrise." Das Geschäft mit Börsengängen sei seit Herbst 2007 versiegt. Die Bank hatte auch in variabel verzinste Anleihen investiert. Seit Ausbruch der weltweiten Turbulenzen sind diese Kreditpapiere auf dem Markt aber quasi unverkäuflich. Die BaFin habe das Institut dann gezwungen, verlustreiche Zinspapiere niedriger zu bewerten, sagte Lehmann.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) führte den Kollaps dagegen auf ein neues Geschäftsmodell der Bank zurück. "Die Weserbank ist kein Opfer der Subprime-Krise", betonte BaFin- Sprecherin Sabine Reimers. Das Debakel mit zweitklassigen US- Hypothekenkrediten (subprime), das sich zur Kreditkrise ausweitete, führt seit Monaten weltweit zu Finanzmarktturbulenzen.

Die Behörde zog nach ihren Angaben schließlich wegen der Überschuldung und des eingebrochenen Eigenkapitals der Bank die Notbremse. Das Institut kam 2007 auf eine im Branchenvergleich geringe Bilanzsumme von rund 120 Millionen Euro.

Bei jedem Weserbank-Kunden ist Geld bis zu 20 000 Euro gesetzlich geschützt. Zusätzlich gehört die Bank dem Einlagensicherungsfonds der Privatbanken an. Hier seien Einlagen bis zur Sicherungsgrenze von rund 1,83 Millionen Euro je Kunde geschützt, teilte der Bundesverband Deutscher Banken (BdB) mit. Weserbank-Chef Lehmann, dem zusammen mit drei anderen Teilhabern fast 75 Prozent des Instituts gehören, sagte: "Niemand wird sein Geld verlieren. Gespräche mit dem Einlagesicherungsfonds laufen, in ein paar Tagen sollten die Leute ihr Geld bekommen."

Bereits am Dienstag hatte die BaFin der Weserbank, die weniger als 20 Mitarbeiter hat, den Zahlungsverkehr untersagt und beim Amtsgericht Bremerhaven die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt. Am Mittwoch standen Kunden am Stammsitz in Bremerhaven und in der einzigen Filiale in der Bankenmetropole Frankfurt vor verschlossenen Türen. Telefonisch war die Bank nicht mehr erreichbar. Die Internetseite wurde gesperrt und ein Verweis auf eine Erklärung des Bankenverbands eingefügt. Bankchef Lehmann, der darauf verweist, dass er seit rund 50 Jahren im Bankengeschäft ist und erst seit August 2007 Chef der Weserbank, sagte der Finanz- Nachrichtenagentur dpa-AFX, er habe bis zuletzt vergeblich nach neuen Geldgebern gesucht.

Die BaFin hatte zuletzt im August 2006 die Privatbank Reithinger geschlossen. Kurz vor dem Untergang stand wegen der aktuellen Finanzkrise im vergangenen Sommer die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB. Die Tochter der Staatsbank KfW hatte sich in den USA mit Kreditgeschäften verzockt. Bundesregierung und Kreditwirtschaft schnürten auch mit Steuergeld drei Rettungspakte über insgesamt 8,5 Milliarden Euro, um die Bank zu retten.

Nach Ansicht von Experten ist die Weserbank ein Sonderfall. "Aus heutiger Sicht ist nicht zu erkennen, dass weitere deutsche Banken in die Bredouille kommen könnten", sagte Analyst Sebastian Reuter von der Privatbank Hauck & Aufhäuser. Ein anderer Experte verwies auf die geringe Bilanzsumme der Weserbank. Er könne sich aber vorstellen, dass die Pleite auch mit der aktuellen Situation auf den Kapitalmärkten zu tun hat, "denn da geht zurzeit gar nichts mehr".

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Protest gegen Stellenabbau bei Teva
Der Teva-Konzern aus Israel ist ein global vernetztes Unternehmen - er kontrolliert auch den deutschen Medikamenten-Hersteller Ratiopharm. Die vorgesehenen Jobkürzungen …
Protest gegen Stellenabbau bei Teva
Online-Handel beflügelt das Weihnachtsgeschäft
Immer mehr Menschen kaufen ihre Geschenke online. Das zeigen auch die neusten Zahlen der Einzelhändler. Ein Problem für die Läden in den Städten.  
Online-Handel beflügelt das Weihnachtsgeschäft
Unternehmer Lauda greift Lufthansa wegen Niki-Übernahme an
Lufthansa wolle Nicki zerstören. Mit diesen scharfen Worten greift der frühere Rennfahrer Niki Lauda, die deutsche Fluggesellschaft Lufthansa an. 
Unternehmer Lauda greift Lufthansa wegen Niki-Übernahme an
Belastetes BASF-Produkt: 90 Prozent zurückgeholt
Ludwigshafen (dpa) - In der Affäre um ein verunreinigtes BASF-Kunststoffprodukt für Matratzen und Autositze kommt die Rückholaktion des Unternehmens voran.
Belastetes BASF-Produkt: 90 Prozent zurückgeholt

Kommentare