Banken-Ehe: Unicredit schickt Friedenssignale über die Alpen

- München - Nach Vollzug der großen europäischen Banken-Ehe zwischen der italienischen Unicredit und der HypoVereinsbank hat es reichlich Zoff gegeben zwischen den beiden Partnern. Reihenweise machten sich bei der HVB die Führungskräfte aus dem Staub und klagten über den herrischen Führungsstil der Italiener. Nun sendet Unicredit Friedenssignale nach München. So soll HVB-Chef Wolfgang Sprißler überraschend in den Vorstand des italienischen Finanzkonzerns berufen werden.

"Das ist eine gute Entscheidung", sagt HVB-Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. Der 60-jährige Sprißler sei der richtige Mann, um die Interessen der HypoVereinsbank in Mailand zu vertreten. Allerdings gibt es bei der HVB weiterhin auch große Vorbehalte gegenüber dem neuen Mehrheitseigentümer.

Der Exodus der HVB-Manager hatte viel Verunsicherung bei den Beschäftigten ausgelöst. Das oft unsensible Vorgehen der Italiener sorgte zudem auch in der Finanzbranche für Aufsehen. "Aus meiner Tanzstundenzeit ist mir zumindest in Erinnerung geblieben, dass man seine Dame behutsam führen und sie nicht übers Parkett schleifen sollte", sagte Jochen Sanio, Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin).

Nun ist Unicredit aber offenbar auf Schadensbegrenzung aus. Spätestens der Weggang von Michael Kemmer, der im Unicredit-Vorstand das Risikomanagement verantworten sollte, habe bankintern und auch in der Außenwahrnehmung großen Schaden angerichtet. Zudem habe auch der bisherige HVB-Chef Dieter Rampl, der jetzt den Unicredit-Aufsichtsrat führt, reagieren müssen. "Er hat um fünf nach zwölf bemerkt, dass auch ihm persönlich die Felle wegschwimmen", heißt es in Finanzkreisen.

Mit einem Gebot für die zum Verkauf stehende Berliner Bank signalisierten Unicredit und HypoVereinsbank nun in den vergangenen Tagen, dass das Deutschlandgeschäft nicht vernachlässigt, sondern ausgebaut werden soll. Deutschland sei ein "Land von größtem Interesse" für die Gruppe, betonte Unicredit-Chef Alessandro Profumo. Zudem stellten sich die Italiener bei der Bestellung eines Nachfolgers für Kemmer nicht quer. Das Risikomanagement soll der Kemmer-Vertraute Henning Giesecke leiten.

Als weitere vertrauensbildende Maßnahme soll nun die Berufung Sprißlers in den Vorstand folgen. Der 60-jährige frühere Finanzvorstand könne die HVB-Interessen konsequent vertreten, da er keine eigenen weiteren Karriereambitionen habe, hieß es im Umfeld der Bank. Er habe zudem die notwendige Reputation und das energische Auftreten, um den Italienern Contra zu geben.

"Das hat doch eine reine Feigenblatt-Funktion", heißt es andererseits in Aufsichtsratskreisen. Sprißler habe als neuer Vorstandssprecher in München genug zu tun, da sei es nicht gut, wenn er regelmäßig nach Mailand reise. Die symbolische Berufung solle nur verschleiern, wie direkt die Italiener Durchgriff auf die HVB hätten.

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