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Banken-Experte: "Ackermann ist extrem angeschlagen"

- Frankfurt - Wie eiskalt einem Topmanager der Wind ins Gesicht wehen kann, hat Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann am Tag der Mannesmann-Entscheidung erlebt: Nicht nur, dass der wichtigste deutsche Banker wohl erneut wegen der umstrittenen Prämienzahlungen auf der Anklagebank Platz nehmen muss, wie der Bundesgerichtshof entschied.

Mindestens genauso unangenehm dürfte für den 57-Jährigen die Titelgeschichte der "Financial Times Deutschland" sein: Der Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Rolf Breuer wird dort mit Überlegungen zur Ackermann-Nachfolge zitiert.

"Ich habe meine Denkkappe auf. Ich favorisiere sehr stark einen internen Kandidaten. Nur wenn das nicht möglich ist, würden wir außerhalb der Bank suchen", sagte Breuer der Zeitung zufolge für den Fall von Ackermanns Rücktritt. Der Deutsche-Bank-Chef selbst ließ jedoch über einen Sprecher ausrichten, dass ihn der Zuspruch von "Mitarbeitern, Kunden und Aktionären", darin bestärke, auch weiterhin Sprecher des Vorstandes zu bleiben.

Auch der Aufsichtsrat der Deutschen Bank stärkte Ackermann den Rücken: "Der Aufsichtsrat spricht erneut Herrn Dr. Ackermann sein uneingeschränktes Vertrauen aus und dankt ihm für die verantwortungsbewusste Haltung, mit der er sich dem bisherigen Verfahren gestellt hat und dem künftigen Verfahren stellen wird", hieß es in einer Presseerklärung.

Seit der gebürtige Schweizer - dem laut Munzinger Archiv "analytischer Weitblick, ein ausgeprägtes Gespür für wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge, eine ausgleichende Persönlichkeit mit integrativem Führungsstil sowie eine herausragende kommunikative Begabung" nachgesagt werden - den Deutsch-Bankern vorsteht, eckt er immer wieder an. So dürfte er etwa den Sturm der Entrüstung, den sein Victory-Zeichen und Siegerlächeln zu Beginn des ersten Mannesmann-Prozesses vor dem Düsseldorfer Landgericht auslöste, nicht vergessen haben. Seitdem gilt das millionenfach gedruckte Foto aus dem Gerichtsgebäude als Sinnbild arroganter Manager.

Zu Beginn dieses Jahres entfachte er ein Kreuzfeuer der Kritik wegen des Stellenabbaus trotz Milliardengewinns. Zuletzt brachte Deutschlands größtes Geldhaus auch die eigene Branche gegen sich auf: Das Debakel um den Immobilienfonds Grundbesitz-Invest kritisierten neben Politikern, Aktionärsvertretern und Juristen auch andere Banker. Und: Wenn die Gehälter der Top-Etagen debattiert werden, ist Ackermanns Einkommen von rund elf Millionen Euro im Jahr meist auch ein Thema.

Für den Bank-Experten Wolfgang Gerke ist die Kommunikationspolitik der Deutschen Bank insgesamt schlicht "desaströs für das traditionelle Bankgeschäft". Gerke sagte: "Es fing an mit der Bank24: Bei diesem Rein und Raus fühlten sich die Kunden hin- und hergeschoben." Noch schlimmer findet Gerke die Schließung des Immobilienfonds, "diesen in Deutschland einmaligen Vorgang, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat, weil Anleger nicht mehr an ihr Geld kommen".

Zu Breuers Äußerungen über die mögliche Ackermann-Nachfolge meinte er, er halte es zwar für eine Selbstverständlichkeit, dass ein Aufsichtsratschef über Alternativen für den Vorstandsposten nachdenke. "Dass er dies aber an einem solchen Tag öffentlich macht, ist für mich ein eindeutiges Signal. Ich glaube nicht, dass der Vertrag von Herrn Ackermann verlängert wird." Ackermann sei mittlerweile "extrem angeschlagen".

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