Bankenhochzeit: HVB sagt "Si" zur Übernahme durch Unicredit

- München/Mailand - Der Weg für die milliardenschwere Übernahme der HypoVereinsbank durch die italienische Unicredit ist frei. Der Aufsichtsrat der HypoVereinsbank empfahl seinen Aktionären, das Übernahmeangebot anzunehmen. "Das ist ein bedeutender Tag in der Geschichte unseres Hauses", sagte HVB-Chef Dieter Rampl. "Wir werden durch die Bündelung unserer Kräfte die erste wahre europäische Bank sein", erklärte Unicredit-Chef Alessandro Profumo.

<P>Unicredit bietet für die HVB gut 15 Milliarden Euro in eigenen Aktien. Die bisher größte grenzüberschreitende Bankenfusion in Europa soll im Oktober abgeschlossen werden. Im Rahmen der Fusion sollen 9200 Stellen gestrichen werden. Der Großteil davon sei in Osteuropa betroffen, sagte HypoVereinsbank-Aufsichtsrat Klaus Grünewald von der Gewerkschaft Verdi. In Deutschland sei aber ebenfalls eine vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen in Gefahr. Unicredit habe zugesagt, drei Jahre lang auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Für das Deutschland-Geschäft gebe es eine Bestandsgarantie von fünf Jahren. Diese Zusage könnte aber mit einer großen Mehrheit im Unicredit-Aufsichtsrat gekippt werden.<BR><BR>Das italienische Bankhaus, das nicht mehr unter der Bezeichnung Unicredito, sondern unter Unicredit firmiert, bietet den HypoVereinsbank-Aktionären fünf eigene Aktien je HVB-Anteil. Auf Basis der Schlusskurse vom Freitag entspricht dies einer Bewertung von etwa 20,45 Euro je HVB-Aktie oder insgesamt gut 15 Milliarden Euro.<BR>Die Münchner sollen dem Vernehmen nach fünf von elf Vorstandsmitgliedern der neuen Gruppe stellen. Mit an Bord sind bei der neuen Großbank voraussichtlich die bisherigen HVB-Manager Stefan Jentzsch (Investmentbanking), Michael Kemmer (Risikokontrolle) und Erich Hampel (Osteuropa). Zudem sollen die Münchner einen Integrationsvorstand und den Verantwortlichen für das Geschäft mit kleineren Firmenkunden stellen. HVB-Chef Dieter Rampl wird laut Finanzkreisen als Präsident den Unicredit-Aufsichtsrat führen. Vorstandschef bleibt Alessandro Profumo.<BR><BR>Durch den Zusammenschluss entsteht die nach Börsenwert neuntgrößte Bank Europas. Gemeinsam kommen HypoVereinsbank und Unicredit auf eine Bilanzsumme von 730 Milliarden Euro und 126 000 Beschäftigte.<BR>In den Aufsichtsräten gab es offenbar keinen größeren Widerstand. In den vergangenen Tagen war bereits über ein Umtauschverhältnis von 5:1 spekuliert worden. Allerdings war der Aktienkurs von Unicredit zuletzt gefallen, so dass auch eine Aufstockung oder eine zusätzliche Barkomponente für möglich gehalten wurde.<BR><BR>Mit einem feindlichen Übernahmeangebot für die HypoVereinsbank durch eine dritte Bank wird derzeit in Finanzkreisen nicht gerechnet. "Die Spekulationen sind nicht sehr stichhaltig." Zwar sei es theoretisch durchaus denkbar, dass in den kommenden Monaten ein Konkurrent eine höhere Offerte vorlege. Allerdings müsste dieser ohne eine genaue Prüfung der Bücher bieten. Dies gilt als unwahrscheinlich. Der Vorstand der HypoVereinsbank steht geschlossen hinter der Fusion.<BR><BR>Der deutsche Bankenverband bewertete die Übernahme positiv. "Im gemeinsamen europäischen Finanzmarkt ist es nur konsequent, wenn es auch eine Zusammenarbeit oder Übernahmen von Banken über die nationalen Grenzen hinweg gibt", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Manfred Weber, der "Berliner Zeitung".</P>

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