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Mobile Sparkassen-Filiale: Die mobile Geschäftsstelle bietet Kunden auf dem Lande die Möglichkeit, ihre Bankgeschäfte vor Ort zu erledigen. Hier macht sich der Bus in Neu-Ulm zur Abfahrt bereit.

Ältere Bürger in Sorge

Bankfilialen schließen: Jetzt kommt der mobile Geld-Laster

Hof - Immer mehr Online-Banking-Nutzer und hohe Kosten für Filialen haben Auswirkungen auf das Netz der Banken: Es wird gestrafft. Auf dem Land könnten die Kunden künftig anders versorgt werden.

Wer in Lichtenberg ganz im Norden Bayerns Geld abheben möchte, hat Pech gehabt: Es gibt keinen Bankautomaten und keine Filiale der Sparkasse mehr.  Bargeld zahlt das Büro eines Versicherungsmaklers aus. Immer vormittags, höchstens 200 Euro. Nicht weit entfernt, in den Dörfern Neufang oder Friesen im Frankenwald, gibt's Bargeld beim Bäcker. Oder die mobile Zweigstelle der Raiffeisen-Volksbank Kronach-Ludwigsstadt rollt an.

Online-Banking verändert Nutzungsverhalten

Das Filialnetz gerade auch auf dem Land wird beim Bayerischen Sparkassentag am Donnerstag (9. Juli) in Hof eine große Rolle spielen. Auch die Folgen der Finanzkrise mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und die zunehmende Nutzung digitaler Angebote gehören zu den Themen des Treffens. Denn das Online-Banking verändert das Nutzungsverhalten der Kunden, auch auf dem Land.

Die Sparkasse Neu-Ulm/Illertissen etwa hat schon seit 2009 eine mobile Geschäftsstelle im Einsatz. Der Sparkassen-Bus sieht ein wenig so aus wie der Tourbus einer Band oder ein überdimensioniertes Wohnmobil. Von Montag bis Freitag werden nach einem festen Fahrplan acht Gemeinden angesteuert.

Das dichte Filialnetz ist teuer

Die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken bieten in Bayern das mit Abstand dichteste Filialnetz. Sie sind die Banken der Bürger und der kleinen Handwerker, vor allem stark in ländlichen Regionen. Und das ist ihr Problem: In Zeiten der Niedrigzinsen stehen sie unter Druck, müssen Kosten senken. Zugleich erledigen immer mehr Menschen ihre Routinebankgeschäfte online - Überweisungen, das Einrichten von Daueraufträgen oder auch den Aktienkauf.

Und nicht wenige ländliche Gegenden Bayerns leiden unter Bevölkerungsschwund. Mangels Kundschaft schließen in den Dörfern dann der Bäcker, der Metzger - und auch die Bankgeschäftsstelle. Selbst ein Geldautomat rechnet sich oft nicht mehr. Darunter leiden wiederum die älteren Menschen im Ort, die nicht mal schnell in die nächstgrößere Stadt zum Supermarkt oder zur Bank fahren können.

Noch ist kein Trend zu Filialschließungen zu erkennen

Einen Trend zu einer großen Welle von Filialschließungen oder -zusammenlegungen lässt sich aus den Zahlen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken nicht ableiten. Die Zahl der Sparkassengeschäftsstellen im Freistaat sank 2014 um 1,2 Prozent auf 2327. Die Genossenschaftsbanken hatten 2013 noch 2994 Filialen, 2014 waren es dann 2922. Dennoch ist der Protest meist groß, wenn die Bankfiliale zusperrt, weil gerade auf dem Dorf ein weiterer wichtiger Baustein der Nahversorgung wegfällt und es noch öder wird in den Ortskernen.

Als im Vorjahr die Kronacher Raiffeisenbank Filialschließungen verkündete, reagierte der Bürgermeister von Steinwiesen, Gerhard Wunder, empört. Verhindern konnte er die Schließung der Filiale im Ortsteil Neufang jedoch nicht. „Ich kann das nicht nachvollziehen. Ältere Menschen machen nun einmal kein Online-Banking“, kritisiert er. Die Argumente der Bank - nämlich die hohen Kosten für eine Filiale etwa durch Sicherheitsauflagen - finde er ebenfalls nicht schlüssig. Dass der Bäcker am Ort nun Bargeld ausgeben darf und dass das Bankmobil regelmäßig kommt, stimmt den Rathauschef immerhin ein wenig versöhnlich: „Zumindest für die älteren Leute funktioniert es.“

Kathrin Zeilmann/dpa

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