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Mobiles Bezahlen: Rechnungen können künftig auch mit dem Handy beglichen werden. Die notwendige NFC-Technik steckt in der Sim-Karte.

Zukunft des Bezahlens

Hat die Banknote bald ausgedient?

München - Bar, mit Karte oder per Handy? Langsam kommt Schwung in den Wettbewerb ums mobile Bezahlen. Hat Bargeld bald ausgedient? Experten rechnen damit, dass sich das Zahlen im Alltag bald radikal verändern wird.

Eine neue Technik kann das Leben vieler Menschen innerhalb kürzester Zeit umkrempeln. Noch vor fünf Jahren gab es keine Smartphones. Heute benutzt jeder dritte Deutsche ein solches Gerät, bei den unter 30-Jährigen ist es laut dem Branchenverband Bitcom sogar jeder zweite. Online Einkaufen, E-Mails checken, Soziale Netzwerke – überall und jederzeit. Einen ähnlichen Siegeszug sagt Kai Grassie, Chef-Technologe beim Münchner Technologiekonzern Giesecke und Devrient (G&D), dem mobilen Bezahlen voraus. „Das mobile Bezahlen war lange Zeit ein Versprechen, das nicht gehalten wurde“, sagt Grassie. Doch jetzt sei die Zeit reif.

„Im Jahr 2000 kam die NFC-Technologie auf. Von der Idee bis zum Markt dauert es 15 Jahre“, erläutert Grassie. Der NFC-Nahfunk (Near Field Communication) ist eine Technik zum kontaktlosen Austausch von Daten über kurze Strecken von bis zu 10 Zentimetern. Mittels NFC ist kontaktloses Bezahlen mit Bankkarte oder Handy technisch möglich. Der Vorteil für den Handel: Der Bezahlvorgang wird günstiger. Mittlerweile gebe es mindestens 50 NFC-fähige Handys auf dem Markt (Apple-Geräte gehören nicht dazu), erläutert Grassie. In den kommenden Monaten und Jahren werde sich das mobile Bezahlen endgültig durchsetzen. „Wir haben mindestens 20 Kunden, die in die NFC-Technik einsteigen wollen“, sagt Grassie. Kunden von G&D sind unter anderem Banken und Mobilfunkanbieter. Für sie entwickeln die Münchner Bankkarten, mit denen man kontaktlos bezahlen kann, und Sim-Karten, durch die das Bezahlen per Handy möglich wird.

Der Markt kommt allmählich in Schwung. Der Kreditkarten-Riese Mastercard kündigte vor kurzem das System Masterpass an – eine Art digitale Brieftasche. Konkurrent Visa hat sich mit dem Smartphone-Marktführer Samsung verbündet, um das mobile Bezahlen voranzubringen. Und die Deutsche Telekom will 2014 ihre mobile Brieftasche myWallet in Deutschland einführen. Nur drei von einer ganzen Reihe neuer Bezahllösungen. Die Ausbreitung des Smartphones befeuert den Wettbewerb. Die große Herausforderung: Banken und Netzbetreiber müssen sich einigen, bevor der Chip für das mobile Bezahlen seinen Platz im Handy findet.

Allerdings bezahlen die Deutschen immer noch am liebsten mit Bargeld. Ob im Supermarkt, im Restaurant oder Taxi – 53 Prozent der Rechnungen werden in bar beglichen, rund 35 Prozent mit Karte. Das zeigt eine Studie der Deutschen Bundesbank. Die Werte für das mobile Zahlen sind verschwindend gering – zumindest noch. Nur wenn das mobile Bezahlen tatsächlich im Alltag der Menschen ankommt, stellt sich die Frage, ob Banknoten und -karten bald überflüssig sind.

Die Banknote ein Auslaufmodell? „Nein“, sagt Ralf Wintergerst, Leiter der Division Banknote Processing bei G&D und lacht. „Fakt ist, dass 50 Prozent der Weltbevölkerung kein Bankkonto hat, da bleibt nur Bargeld.“ Außerdem wächst das Bargeldvolumen von Jahr zu Jahr – weltweit, auch im Euroraum. In manchen Ländern explodiert der Bargeldbestand regelrecht – zum Beispiel in China. Dort sind mehr als 100 Milliarden Banknoten in Umlauf. Das Wachstum pro Jahr liegt im zweistelligen Prozentbereich.

„Die Banknote stirbt nicht aus“, sagt Wintergerst und zählt die Vorteile von Bargeld auf: In Krisenzeiten oder auf Reisen sei die Banknote unübertroffen. Bargeldzahlung wird überall akzeptiert. „Außerdem wird die Anonymität von Banknoten geschätzt.“ Dazu passt, dass G&D nach wie vor den Großteil seines Umsatzes im Banknotengeschäft macht – auch wenn andere Geschäftsbereiche zulegen. Deshalb investieren die Münchner in die Weiterentwicklung von Banknoten. „Heute sind Banknoten ein Hochtechnologieprodukt“, erläutert Wintergerst. G&D arbeitet an der Haltbarkeit der Banknoten und neuen Sicherheitsmerkmalen, die meist für den Verbraucher unsichtbar sind. Sie stecken in den Banknoten, sind streng geheim – und angeblich absolut fälschungssicher.

Und nicht nur die Zahl der Banknoten steigt, auch die Zahl der Kredit- und Debitkarten nimmt zu, beteuert Axel Deininger, Leiter der Division Secure Devices und zuständig für das Kartengeschäft bei G&D. Der große Pluspunkt der Karte im Gegensatz zum mobilen Bezahlen: das Vertrauen der Verbraucher. Auch wenn G&D beteuert, die Sicherheit beim mobilen Bezahlen sei genauso hoch wie beim Bezahlen mit Karte. Vertrauen bracht Zeit – vor allem, wenn’s ums Geld geht.

Manuela Dollinger

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