S-Bahn-Chaos: Ausfälle auf der Stammstrecke

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Die Bad Bank der HRE wirft Geld ab. Trotz hoher Risiken hat die FMS rund 37 Millionen Euro Gewinn gemacht.

HRE und WeSt-LB

Bad Banks: Wer ist gut und wer ist böse?

München - Die Bankenrettungsfälle WestLB und HRE entwickeln sich krass unterschiedlich. Bei der WestLB ist alles verloren. Für die HRE-Reste besteht dagegen Hoffnung.

Die Düsseldorfer WestLB und Hypo Real Estate (HRE) in München sind die größten Opfer der Finanzkrise. Beide wurden aufgespalten in eine „gute“ Bank, die weiterleben soll, und eine „schlechte“, die abgewickelt wird. In Düsseldorf ist die Aktion gescheitert, während es in München Hoffnung gibt.

Ausweglos scheint die Lage beim WestLB-Nachfolger Portigon, der für 2012 knapp 600 Millionen Euro Verlust ausweist, dieses Jahr fast eine Verdoppelung der Defizite und 2014 weitere Verluste in dreistelliger Millionenhöhe befürchtet. Von einer guten Bank ist Portigon damit noch weiter entfernt als ihr vermeintlich schlechter Bruder, die Erste Abwicklungsanstalt (EAA), die 2012 sieben Millionen Euro Minigewinn geschafft hat. Die teure und komplizierte Aufspaltung hätte man sich sparen können, zumal bei Portigon mit für Ende 2016 geplanten 150 Stellen selbst im günstigsten Fall kaum Arbeitsplätze gerettet werden können. 2011 waren in Düsseldorf noch 4200 Banker beschäftigt.

Anders ist die Lage in München. Dort hat die HRE-Nachfolgerin Deutsche Pfandbriefbank (PBB) für 2012 zumindest 69 Millionen Jahresüberschuss erreicht. Das war zwar deutlich weniger als die 117 Millionen Euro im Jahr zuvor. Aber von einem Horrorszenario wie in Düsseldorf sind die Bayern weit entfernt. Die PBB steht auch besser da als ihr „schlechter“ Bruder FMS, der 2012 erstmals in seiner knapp dreijährigen Existenz schwarze Zahlen geschrieben hat. 37 Millionen Euro betrug der Gewinn nach den knapp zehn Milliarden Euro Verlust, die 2011 griechische Wertpapiere beschert hatten.

Weiter aufwärts geht es aber kaum. „Wir sind heute vermutlich am Zenit dessen angekommen, was wir erwirtschaften können“, sagte FMS-Chef Christian Bluhm zur Bilanzvorlage. Zuletzt hätten der FMS die Märkte in die Hand gespielt. Die Abwicklungsanstalt sitze aber weiter auf einem Pulverfass vor allem in Form italienischer Wertpapiere, denen in der Bilanz stille Lasten von rund sieben Milliarden Euro zugeordnet wurden. Ein Schuldenschnitt auf italienische Staatsanleihen würde die FMS sofort wieder tief in die Verlustzone reißen. Insofern bleibt auch sie ein Spielball der Finanzkrise.

Andererseits sind Erfolge unübersehbar. Vom einmal von der HRE übernommenen Schrottportfolio im Umfang von 176 Milliarden Euro wurde ein Viertel abgebaut. Binnen sechs bis acht Jahren sei auch der Rest im Wesentlichen abgeschmolzen, meint Bluhm zuversichtlich. Gemanagt wird das von einer eigenen Service-Tochter, deren Personal demnächst von der PBB übernommen wird. Das ist eine Auflage der EU. Die Service-Gesellschaft wird dann 390 Beschäftigte haben, weit mehr als die FMS mit ihren zuletzt 170 Beschäftigten. Ende 2014 soll die Service-Tochter per Verkauf privatisiert werden. Dazu stehe man in „ermutigenden Vorgesprächen“ mit interessierten Banken und Assetmanagern, verriet Bluhm.

Die PBB wiederum soll 2015 mit dann ungefähr noch 850 Beschäftigten reprivatisiert werden. Ob das gelingt und wie viel Geld das in die Kassen des Staats spült, ist offen. Um Käufer zu finden, müsste die Bank deutlich profitabler werden, zumal 2015 noch stille Einlagen von einer Milliarde Euro an den Bankenrettungsfonds Soffin zurückgezahlt werden müssen.

Für 2013 hat PBB-Chefin Manuela Better gut 100 Millionen Euro Vorsteuergewinn in Aussicht gestellt. Sie glaubt daran, dass die Reprivatisierung der PBB die Kosten des Bundes und damit des Steuerzahlers für das Auffangen der HRE mildert – in welchem Umfang auch immer. Kommt es so, wäre zumindest in München die Aufspaltung in eine gute und eine schlechte Bank eine gute Idee gewesen. Eine Blaupause für eventuelle künftige Bankenrettungen ist sie aber nicht, wie das Negativbeispiel WestLB zeigt.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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