Nur Bares ist Wahres: Weltweit immer mehr Scheine und Münzen

- München - Kredit-, Bank- und Geldkarten können das Bargeld nicht ersetzen. Trotz wachsender Bedeutung der Plastikwährung nimmt auch die Menge der Scheine und Münzen weltweit zu. Über die Gründe dafür können selbst die nur mutmaßen, die das Geld verteilen.

Euroscheine sind ein Erfolgs-Produkt. Waren im Sommer 2002 kurz nach der Einführung des Euro-Bargelds noch 7,3 Milliarden Scheine der Gemeinschaftswährung im Umlauf, sind es derzeit etwa 10,3 Milliarden - eine Steigerung um rund 40 Prozent. Alle Scheine zusammen haben einen Wert von fast 570 Milliarden Euro. Bei den Münzen sieht es ähnlich aus: Allein seit Juni vergangenen Jahres stieg ihre Zahl um über acht Prozent auf etwa 65 Milliarden Stück. "Die Nachfrage nach Euro-Banknoten und -Münzen ist seit der Einführung kontinuierlich gestiegen", heißt es bei der Europäischen Zentralbank. Besonders begehrt seien die großen Stückelungen, also die 50-, 100- und 500-Euro-Scheine. Das ist nicht nur ein europäisches Phänomen, sondern ein globales.

"Sowohl Kartenzahlungen als auch Bargeldeinsatz nehmen weltweit zu", erklärt Mark K. Stelzer vom Gelddrucker und Kartenhersteller Giesecke & Devrient. Das Münchner Unternehmen zählt zu den größten Herstellern von Euro-Scheinen, produziert aber auch Bargeld für Afrika und ist am Druck von US-Dollar-Noten beteiligt. Grundsätzlich würden gerade große Beträge zwar zunehmend per Karte bezahlt, doch gebe es Ausnahmen wie Gebrauchtwagenkäufe zwischen Privatleuten, die in der Regel bar abgewickelt würden. Zudem würden immer häufiger kleinere Beträge beglichen, bei denen meist Münze und Schein zum Einsatz kommen. "Es gibt heute offenbar mehr Aktivitäten, bei denen Geld fließt", erklärt Stelzer.

"Über die Gründe, warum die Nachfrage nach Bargeld steigt, können wir nur mutmaßen", erklärt ein Sprecher der Europäischen Zentralbank (EZB). Er hält die derzeit niedrigen Zinsen im Euro-Raum für ein mögliches Pro-Bargeld-Argument. Dadurch hätten die Menschen weniger Anreiz, ihr Geld anzulegen und hielten größere Bestände bar. Zudem sei weltweit das Vertrauen in die Zentralbanken gestiegen. Das habe dazu geführt, dass die Funktion des Geldes als Wertaufbewahrungsmittel gestärkt worden sei.

Bei der Deutschen Bundesbank hat man auch eine zunehmende Neigung von Urlaubern, auf Bargeld zu setzen, festgestellt. Zudem zeige sich teilweise immer noch Nachholbedarf beim Aufbau von Beständen des relativ neuen europäischen Geldes.

Während die Zahl der echten Scheine zügig zunimmt, bleibt die Menge des Falschgelds laut EZB seit gut zwei Jahren konstant. Im zweiten Halbjahr 2005 wurden 286 000 Euro-"Blüten" aus dem Verkehr gezogen - die meisten davon 50-Euro- und 20-Euro-Scheine. In Deutschland wurden 34 000 davon entdeckt. Damit kommen laut Bundesbank auf eine Million echter Noten 15 Fälschungen. Trotz dieser verhältnismäßig niedrigen Quote bereitet die EZB eine neue Serie von Euro-Scheinen vor. Sie wird voraussichtlich Ende dieses Jahrzehnts erscheinen. Dann werden die Noten zwar weitestgehend so aussehen wie heute, aber neue Sicherheitsmerkmale auf Basis technischer Innovationen enthalten, die es Fälschern noch schwerer machen sollen. Die Pläne dafür hält das Institut bis kurz vor der Ausgabe der Scheine geheim.

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