Bargeld fließt trotz Heros-Pleite

- Frankfurt/Hannover/Mönchengladbach - Trotz der Pleite des größten deutschen Geldtransportunternehmens Heros fließt das Bargeld bundesweit weiter reibungslos. Nach Angaben der Bundesbank besteht "überhaupt kein Grund zur Panik". Engpässe seien nicht zu befürchten. "Die Verbraucher müssen keineswegs schnell zur Bank", sagte ein Bundesbank-Sprecher in Frankfurt. "Die Automaten sind gut gefüllt, das Bargeld ist nicht auf einen Schlag weg."

Nachdem bekannt wurde, dass bei mutmaßlichen Betrügereien ein Schaden von rund 300 Millionen Euro entstanden ist, hatte die gesamte Heros-Gruppe Insolvenzantrag gestellt. Betroffen sind nach Angaben des Amtsgerichts Hannover die Heros Verwaltungs GmbH sowie deren 23 Töchter.

Auch die Kreditwirtschaft wies Befürchtungen über Engpässe zurück. Die Kunden müssten sich keine Sorgen machen, hieß es bei Banken- und Sparkassenverbänden. Außerdem gebe es genügend andere Geldtransportfirmen, hieß es etwa bei Volks- und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg. In gewissem Umfang könnten die Banken die Versorgung mit Bargeld auch in Eigenregie regeln

Unterdessen lief bei Heros der Betrieb normal weiter. "Soweit ich weiß, fahren wir alle unsere Touren", sagte Sprecherin Maren Schatz in Hannover. Wie lange dies noch möglich sein werde, wisse sie nicht. Weitere Auskünfte wollte sie nicht geben. Der Insolvenzverwalter, der Rechtsanwalt Manuel Sack, sei im Hause und prüfe die Unterlagen.

Die gesamte Heros-Gruppe hat nach Angaben der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste (BDGW) bei den Geldtransporten einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Heros hat nach Angaben des Verbandes "noch nie" zu den 160 Mitgliedsfirmen gehört.

In der Branche wird das Geschäftsgebaren von Heros kritisch gesehen. BDGW-Hauptgeschäftsführer Harald Olschok warf Heros vor, den "ruinösen Wettbewerb in der Branche enorm forciert" zu haben. Das Unternehmen habe branchenübliche Preise um teilweise mehr als 50 Prozent unterboten. Zugleich habe Heros aber einen guten Fahrzeugpark unterhalten. "Das musste irgendwie finanziert werden", sagte Olschok.

Die Gewerkschaft ver.di nahm die Heros-Pleite zum Anlass, eine Neuordnung der gesamten Branche zu fordern. In der Pflicht sieht die Gewerkschaft dabei auch den schwedischen Konzern Securitas. Deren deutsche Geld- und Wertdienste waren Ende November von Heros übernommen worden, obwohl laut ver.di klar war, dass sich Heros nicht an allgemein verbindliche Tarifverträge halte.

ver.di-Vorstand Dorothea Müller forderte Securitas und die anderen Unternehmen der Geld-Wert-Branche auf, nicht nur Aufträge von Heros zu übernehmen, sondern auch die Beschäftigten. "Es gibt jetzt die Chance, die Geld-Wert-Branche neu zu ordnen, das Preis-Dumping zu beenden und faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen." Die Kunden sollten dafür sorgen, dass "schwarze Schafe" künftig keine Chance erhielten, "Fuß zu fassen oder gar zum Marktführer zu expandieren".

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler hat sich der Betrug in der Führungsetage von Heros abgespielt. Zwei der Verhafteten seien der Unternehmensführung zuzurechnen, zwei der Ebene darunter, sagte Staatsanwalt Norbert Jansen in Mönchengladbach. Einige von ihnen hätten zu den Vorwürfen Stellung genommen und auch die Höhe des Schadens auf 300 Millionen Euro beziffert. "Wir ermitteln nicht gegen Geldtransport-Fahrer", betonte Jansen.

Zur Frage, wie die Beschuldigten lange Zeit unbemerkt 300 Millionen Euro abzweigen konnten, machten die Ermittler aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben. Nach der Durchsuchungsaktion vom Freitag müsse erst das beschlagnahmte Material gesichtet und sortiert werden.

Einer der vier verhafteten Männer soll aus Frechen bei Köln stammen. Der "Kölner Stadt-Anzeiger" berichtete, der Mann sei für die Heros-Tochter Nordcash (Viersen) in verantwortlicher Position tätig gewesen und habe unterschlagenes Geld in mehrere neu gegründete Firmen wie eine Werbeagentur und ein Sportgeschäft gesteckt. Der Verdächtige habe zudem zwei Hotels in Bulgarien gebaut. Im Frechener Vereinsleben galt er als "spendabler Lebemann", der das Geld etwa beim Karneval oder im Sport immer "locker sitzen" hatte, wie das Blatt weiter schrieb.

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