Barmer will mit Hausapotheken-Modell Milliarden einsparen

- München - Der Blick in eine Patienten-Datei in Bayerns Apotheken soll künftig Milliarden einsparen und schwere Erkrankungen verhindern: Barmer Krankenkasse und Bayerischer Apothekerverband (BAV) haben die "Barmer Service-Apotheken" ins Leben gerufen. Ziel der Kooperation ist es, die rund 900 000 bayerischen Barmer-Versicherten besser zu beraten und die falsche Einnahme von Medikamenten zu verhindern.

<P>Der Versicherte kann seit 1. April eine Apotheke als Hausapotheke wählen. Dort werden seine Erkrankungen und die verordneten Medikamente gespeichert _ "alles strikt freiwillig und unter vollem Datenschutz", betont BAV-Präsident Gerhard Reichert. Der Apotheker hält auch fest, ob der Patient Asthmatiker oder Allergiker ist.</P><P>Diese Informationen können Leben retten: Nach Schätzungen des BAV nimmt im Schnitt jeder zweite chronisch Kranke die Medikamente falsch ein. "Fünf Prozent der Krankenhauseinweisungen gehen auf Arzneimittelprobleme zurück", so Reichert.</P><P>Künftig sieht der Apotheker auch, ob sich ein Patient dasselbe Medikament mehrfach verschreiben lässt, oder ob die Dosis zu hoch ist. Bisher war dies kaum möglich, der volkswirtschaftliche Schaden wird in Deutschland auf mehrere Milliarden Euro geschätzt.</P><P>Voraussetzung für den Erfolg des Modells ist in erster Linie die Mitarbeit der Versicherten. Denn für eine richtige Beratung muss der Apotheker auch von der Einnahme nicht verschreibungspflichtiger Medikamente oder von Einkäufen in anderen Apotheken wissen.</P><P>BAV und Barmer versprechen dem Patienten weitere Vorteile: "Er bezahlt in seiner Hausapotheke für die Messung des Blutdrucks oder des Blutzuckerwerts nur jeweils einen Euro und erhält drei Prozent Rabatt auf Produkte wie Tees oder medizinische Bäder", sagt Barmer-Chef Dierk Neugebauer. Die Apotheke liefert die Medikamente in Notfällen und bei bettlägerigen Patienten nach Hause. Der Patient kann eine Übersicht der verordneten Arzneien mitnehmen. Und auf Wunsch spricht der Apotheker Ärzte auf Doppelverordnungen an.</P><P>Die Nachfrage bei den 3500 Apotheken im Freistaat ist groß: Laut BAV sind die Mitarbeiter in 3200 Apotheken geschult, 1000 Apotheken haben bereits die Zulassung erhalten. Und mehrere Krankenkassen sollen bereits mit dem BAV über ähnliche Modelle verhandeln.</P>

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