Bartsch wirft Mitarbeiter raus

Produktion geht nach Polen: - Ottobrunn - "Verlassen Sie bitte die Firma" - das haben 65 Angestellte der Druckerei Bartsch in Ottobrunn vor genau einer Woche zu hören bekommen. Während einer Betriebsversammlung informierte sie die Geschäftsführung ohne jede Vorwarnung, dass die Produktion von Flugtickets - darauf waren die Mitarbeiter spezialisiert - nach Polen verlagert werde. Schon im Juli sollen die Maschinen abgebaut werden.

"Seit der Versammlung sind wir freigestellt", sagt Betriebsrätin Ivonne Kirchner gestern. Die 35-Jährige ist gelernte Setzerin und arbeitet seit sechseinhalb Jahren bei Bartsch. Jetzt lag ein Schreiben im Briefkasten: "Man teilte uns schriftlich mit, dass wir ab 1. Dezember die Möglichkeit hätten, in Polen zu arbeiten", ärgert sich Kirchner. Wer nicht geht, dem droht die Kündigung. Das bestätigt auch Geschäftsführerin Eva-Maria Kahlenberg gegenüber unserer Zeitung.

Eskortiert von Sicherheitsleuten mussten die Angestellte das Gelände verlassen, weil laut Kahlenberg der polnische Käufer fürchtete, die geschockten Mitarbeiter "könnten mit Sabotage an den Maschinen reagieren".

Der plötzliche Rauswurf der vornehmlich älteren Angestellten und die uniformierte Eskorte - dieses Verhalten sei typisch für die Firma Bartsch, hält Ivonne Kirchner dagegen: "Die wissen nun mal, wie man die Leute am schnellsten wegbekommt." Die Strukturen des Unternehmens seien schon immer "sehr merkwürdig" gewesen: "Man wusste nie, wo man dran ist".

Eine "undurchsichtige Geschäftspolitik" bescheinigt auch Bernhard Mann von der Gewerkschaft Verdi der Firmenleitung. Zwar sei die Produktion von Flugtickets an sich - auch aufgrund von Online-Tickets - "auf dem absteigenden Ast", so Mann, aber die Kapazitäten bei Bartsch seien immer ausgelastet gewesen. 

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