"Basar-Ökonomie" oder treibende Kraft?

- Davos/München - Die Bundesregierung geht davon aus, dass Deutschland bald wieder zur treibenden Wirtschaftskraft in Europa wird. "Ich bin da optimistisch", sagte Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. "Wir werden mit den Reformen fortfahren und auch die Innovationskraft stärken."

Der Präsident des Münchner Ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, hat unterdessen Kritik am verkrusteten Arbeitsmarkt und zu hohen Löhnen geäußert. "Einfache Arbeit ist in Deutschland viel zu teuer", sagte Sinn dem Berliner "Tagesspiegel am Sonntag". Folge sei eine "Basar-Ökonomie": "Wir verkaufen überall in der Welt unsere preisgünstigen und hochwertigen Waren.

Die Exporte florieren. Doch leider produzieren wir einen immer kleineren Wertanteil dieser Waren in Deutschland." Eine Umfrage der Zeitung bei den 30 im Deutschen Aktienindex notierten Unternehmen ergab, dass jeder dritte Konzern im vergangenen Jahr Bereiche oder Abteilungen an externe Dienstleister ausgelagert hat. Meist habe es sich um die Bereiche EDV, Transport und Gebäudemanagement gehandelt.

Zwei Drittel des Zuwachses der deutschen Industrieproduktion seit 1995 sei auf ein Verlagerung der Wertschöpfung ins Ausland zurück zu führen, sagte Sinn. "Dass die deutschen Firmen überleben, ja bisweilen sogar prosperieren, heißt leider nicht, dass die deutschen Arbeiter wettbewerbsfähig bleiben."

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