Basel II: Wer keinen Nachfolger hat, muss mit höheren Zinsen rechnen

- München - Die Frage nach einem Nachfolger stellt sich für viele Unternehmens-Chefs früher als sie denken - nämlich jetzt. Im Rahmen der Kreditvergaberichtlinien "Basel II" klopfen Banken und Sparkassen auch ab, ob es einen potenziellen Nachfolger für den Chef gibt. Wer ihn nicht präsentieren kann, muss mehr Zinsen für einen Kredit bezahlen. Das gilt in vielen Fällen schon heute. Die Institute haben zum Teil bereits auf die neuen Verfahren umgestellt.

<P>Die Angst vieler mittelständischer Betriebe vor einer drastischen Verschlechterung der Kreditbedingungen bei Banken ist nach Ansicht von Hermann Sturm, Präsident der Union Mittelständischer Unternehmen, unbegründet. Die neuen Regelungen des Abkommens "Basel II" bedeuteten gerade für kleinere Betriebe mehr Chancen als Risiken. "Die Unternehmen müssen künftig mehr über ihre finanziellen Planungen nachdenken." Eine Anforderung, die auch Hilko Holzkämper sieht, der bei der HypoVereinsbank-Tochter HVB Rating Advisory auf die Rating-Beratung spezialisiert ist. "Die Liquiditätsplanung anhand des Kontoauszugs wird sicher nicht mehr möglich sein" sagt er.<BR><BR>Nach den neuen Bestimmungen müssen sich die Firmen künftig einem so genannten Rating unterziehen, bei dem ihre Kreditwürdigkeit überprüft wird. Je riskanter den Banken der Kredit an das Unternehmen erscheint, desto höher sind die Zinsen. Neben der geringen Ausstattung mit Eigenkapital ist die Suche nach einem Nachfolger eines der großen Probleme insbesondere von kleineren Betrieben. "Manche Firmenchefs sind 70 Jahre alt und haben noch keinen Nachfolger parat", berichtet Rating-Experte Holzkämper. Sollten sie aber. Die Frage nach der Weitergabe der Unternehmensführung gehört zum Rating - nicht erst Ende 2006, wenn die Basel-II-Richtlinien weltweit in über 100 Staaten in Kraft treten sollen.<BR><BR>"Die meisten Banken wenden Basel II schon jetzt eins zu eins an", schätzt Bernd Rödl von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl & Partner. Neben aktuellen Geschäftszahlen wie Umsatz und Gewinn verlangen die Banken Angaben über die langfristige Geschäftsplanung und die Qualifikation des Managements. "Bei diesen so genannten weichen Faktoren spielen Regelungen der Urlaubs- oder Krankheitsvertretung für den Chef eine Rolle. Und natürlich wird auch nach einem potenziellen Nachfolger gefragt", erklärt Hans Schmid, Pressesprecher des Sparkassen-Verbands Bayern. "Im Rating ist es ein Minus, wenn sich der Unternehmer nicht rechtzeitig Gedanken gemacht hat, wer das Unternehmen weiterführen soll und wohin es mit dem Unternehmen gehen soll, wenn eine Übergabe ansteht", sagt der Direktor des Genossenschaftsverbands Bayern, Erhard Gschrey. Quantifizieren ließe sich der Einfluss dieser Frage auf die Gesamt-Bewertung aber nicht.<BR><BR>Anhand aller verfügbaren Informationen wird die Kreditwürdigkeit der Firmen bewertet. Viele Banken verwenden dazu ein Notensystem von 1 bis 10 oder 1 bis 20. Um ein gutes Rating zu erhalten, ist auch die zügige Erstellung der Bilanzen erforderlich. Bei Verzögerungen von mehr als drei Monaten nach dem Ende des Geschäftsjahres drohen je nach Bank Herabstufungen um einen oder mehr Punkte. Jeder Abzug kann hohe Zinsen verursachen oder die Kreditzusage kosten. Wegen ihrer eigenen wirtschaftlichen Schwierigkeiten haben die Banken ihre Kreditpolitik auch unabhängig von "Basel II" grundlegend verschärft.</P>

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