Basel II: Mittelstand im Kampf mit den Risiken

- München - "Basel II" ist für viele Mittelständler ein Unwort. Sie fürchten Nachteile durch die ab kommendem Jahr geltenden Kreditvergabe-Richtlinien. Doch gerade kleinere Unternehmen könnten indirekt profitieren. "Durch Basel II werden die Insolvenzraten sinken", sagte Andreas Georgi, Vorstand für Private & Business Banking der Dresdner Bank, dieser Zeitung. Die Unternehmer müssten sich intensiver mit ihren Risiken befassen, da diese stärker den Preis für Kredite bestimmen. Und dabei gebe es erheblichen Nachholbedarf.

"Viele Risiken, denen ein Unternehmer privat und geschäftlich ausgesetzt ist, erkennt er nicht oder bewertet sie nicht richtig", urteilt Georgi. Dabei gebe es eine große Bandbreite von Unwägbarkeiten: "Ob der Kunde zahlt, ob der Dollar fällt, ob die Zinsen steigen, ob die Rohstoffpreise so bleiben, ob die betriebliche Altersvorsorge der Mitarbeiter richtig angelegt ist, ob seine eigene Altersvorsorge richtig angelegt ist." In diesem Umfeld sieht Georgi die Bank auch als Risikomanager an der Seite der Unternehmer - sei es für deren geschäftliche oder persönliche Belange. Denn auch mittelständische Unternehmen könnten sich - zum Beispiel mit Hilfe von Absicherungszertifikaten - wirkungsvoll vor mancher bösen Überraschung schützen.Zu den klassischen Risiken zählt auch die Abhängigkeit vieler Mittelständler von einem oder wenigen Großkunden, die Leistungen in der Regel im Nachhinein bezahlen. "Ein großer Teil der Insolvenzen sind Folge-Insolvenzen: Das heißt, es ist ein großer Kunde ausgefallen, der nicht mehr zahlen kann", erklärt Georgi. "Unternehmen gehen in solchen Fällen Kreditrisiken ein, die normalerweise in eine Bank gehören und nicht zu einem Elektriker oder Handwerker."Generell werde es durch Basel II eine Spreizung geben: "Bei guten Bonitäten werden Kredite billiger, bei schlechten teurer", sagt Georgi. "Dass sich Kredite insgesamt verteuern werden, glaube ich nicht."

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