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"Weg vom Flächengigantismus": Basic will sich stärker von klassischen Supermärkten abgrenzen.

Bio-Supermarktkette in Turbulenzen

Basic besinnt sich seiner Wurzeln

München - Die Münchner Bio-Supermarktkette Basic stand kurz vor dem Zusammenbruch. Nach Personalabbau und Filialschließungen sei die Sanierung nun geschafft, bekundet das neue Management.

Es waren vier Pioniere der Bio-Branche, die 1997 die Basic AG in München gründeten. Gut zehn Jahre später hatten sie ihre Bio-Supermarktkette fast ruiniert. Vor einigen Monaten habe die Insolvenz vor der Tür gestanden, sagte der inzwischen als Retter engagierte Vorstandsvorsitzende Joachim Kreuzburg. Wegen drohender Überschuldung und Zahlungsunfähigkeit sei es "fünf vor zwölf" gewesen. "Heute können wir sagen, wir sind mit der Sanierung durch", erklärte Kreuzburg gestern in München.

Der 50-jährige Manager, der zuvor unter anderem beim Baustoffunternehmen Rigips tätig war, hat bei der Rettung von Deutschlands zweitgrößter Bio-Kette (nach Alnatura) hart durchgegriffen. Am vergangenen Wochenende sind vier Filialen in Köln, Hagen, Münster und Karlsruhe geschlossen worden. Die Zahl der Mitarbeiter ist - umgerechnet auf Vollzeitstellen - von durchschnittlich 700 im vergangenen Jahr auf 600 zurzeit gekappt worden. Damit sollen die schmerzhaften Einschnitte beendet sein.

Zwar beobachte man fünf der 22 verbliebenen Filialen in Deutschland intensiv, in denen das Geschäft mäßig laufe. Weitere Schließungen oder Stellenabbau "haben wir aber nicht vor", sagte Kreuzburg. Im Gegenteil. Basic will neue Filialen eröffnen: Mitte Dezember in der Amalienburgstraße sowie Mitte Februar 2009 in der Nymphenburger Straße in München. Drei weitere Standorte sollen im kommenden Jahr in deutschen Großstädten dazukommen. "Das ist das, was wir aus eigener Kraft schaffen", urteilte Kreuzburg. Er betonte, dass man auf behutsames Wachstum setze. Denn exzessive Expansionspläne waren es, die das Unternehmen in die Krise gestürzt hatten.

Die Schwarz-Gruppe, zu der die Billigkette Lidl gehört, war im vergangenen Jahr bei Basic eingestiegen. Die Bio-Kette plante mit dem Handelsgiganten im Rücken eine rasante Expansion mit 50 neuen Filialen pro Jahr. Doch Kunden und Lieferanten zeigten sich schockiert vom Einstieg der Schwarz-Gruppe. Nach Protesten und Umsatzeinbrüchen gab Schwarz seine Anteile an die Schweizer Asi-Gruppe ab, die inzwischen mit rund 40 Prozent größter Anteilseigner ist. Die Wachstumsstrategie war passé. Auch die Finanzierung fehlte.

Doch Personal und Flächen waren schon ausgeweitet worden. Das Jahr 2007 endete mit einem Verlust von über sechs Millionen Euro bei einem Umsatz von etwa 91 Millionen Euro. In der ersten Hälfte dieses Jahres verschärfte sich die Situation. Dazu kam ein Streit zwischen den Inhabern, die teils auch als Manager fungierten. Und all das in einer Zeit, in der das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln ohnehin härter geworden ist.

Zwar ist der Markt für Bio-Ware in Deutschland seit 2003 von 3,1 auf 5,3 Milliarden Euro gewachsen. Doch einen großen Teil davon haben sich die klassischen Einzelhandelsketten geschnappt. Der Anteil der Naturkost-Fachgeschäfte, zu denen sich auch Basic zählt, sei in dieser Zeit von 26 auf 22 Prozent gesunken, erklärte Kreuzburg. Man müsse sich stärker von anderen Supermärkten abgrenzen, fordert er. Basic müsse zurück zu seinen Wurzeln - "weg vom Flächengigantismus, näher zum Kunden".

Spielraum soll eine Kapitalerhöhung von sechs Millionen Euro Ende dieses Monats bringen. Selbst für einen Schritt zur Konsolidierung in der Branche sieht Kreuzburg das Unternehmen im Stande. Andere Bio-Ketten hätten sich bereits für eine Übernahme durch Basic oder eine Fusion mit den Münchnern angedient. Man sei dafür grundsätzlich offen. Einstweilen soll das Geschäft wieder in Schwung kommen. Heuer rechnet das Unternehmen noch mit einem Verlust von 3,5 Millionen Euro. Im kommenden Jahr ist eine schwarze Null geplant.

Wie lange Kreuzburg, der "für eine Übergangszeit" berufen worden war, die Geschicke von Basic noch bestimmt, ist fraglich. Die Suche nach einem Nachfolger sei bereits im Gang, erklärte er.

Dominik Müller

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