BMW bastelt am schadstofffreien Auto

München - Die Entwickler bei BMW arbeiten im Verborgenen an einem völlig neuartigen Großstadtauto. Ziel sei es, ein Fahrzeugkonzept für die Ballungsräume dieser Welt zu entwerfen, sagte Unternehmenschef Norbert Reithofer bei der Präsentation der Jahresbilanz 2007 in München.

Er schloss nicht aus, dass der Automobilkonzern dafür eine vierte Marke neben BMW, Mini und Rolls-Royce schafft. Das Projekt mit dem Namen "Project i" genieße alle Freiheiten.

Reithofer verteidigt Stellenabbau trotz hoher Gewinne ­ Dollar, Kreditkrise und Rohstoffe sorgen den Vorstand

Die Lösungen will der Premiumhersteller erst in der ersten Hälfte des kommenden Jahrzehnts vorstellen. Reithofer deutete aber bereits an, dass die neuen Modelle von emissionsfreien Antrieben bewegt werden sollen. Er sprach von Elektromotoren und Batteriebetrieb. Detaillierter wollte er sich mit Verweis auf die Wettbewerber nicht äußern. Neue Fahrzeuge werden in der Autobranche stets unter strikter Geheimhaltung entwickelt.

Klartext redete Reithofer über seinen Sparkurs, den er angesichts des im letzten Jahr eingefahrenen Reingewinns von über drei Milliarden Euro verteidigte. "An den Effizienzverbesserungen führt in einem immer raueren Wettbewerb von Herstellern und weltweiten Standorten kein Weg vorbei", sagte der Vorstandschef. Eine höhere Rendite sichere die Zukunft und Unabhängigkeit des Unternehmens.

BMW stellt seit Jahren einen Absatzrekord nach dem anderen auf, verdient aber an jedem verkauften Fahrzeug immer weniger. Um die Rendite auf das Niveau profitabler Konkurrenten wie Daimler zu steigern, hatte das Management ein Effizienzprogramm vorgestellt, mit dem die Kosten bis 2012 um sechs Milliarden Euro gedrückt werden sollen. Das größte Sparpotenzial besteht demnach mit vier Milliarden Euro beim Einkauf. Aber auch an den Forschungsausgaben und beim Personal wird angesetzt: In Deutschland fallen 7500 Stellen weg.

Im laufenden Jahr wirkt sich das womöglich noch nicht auf die Profitabilität von BMW aus. Zwar erwartet Reithofer, dass der Absatz ein neues Allzeithoch von über 1,5 Millionen Fahrzeugen erreicht, zu dem alle Marken beitragen. Auch das Vorsteuerergebnis soll die 2007 verbuchten 3,87 Milliarden übertreffen. Doch eine Reihe von Risikofaktoren wie Dollar, Rohstoffe und die Kreditkrise könnten dem Autobauer einen Strich durch die Rechnung machen. "Das Jahr 2008 wird nicht leicht", sagte Finanzchef Michael Ganal.

Sorgen bereitet vor allem das US-Geschäft. Nordamerika ist der wichtigste Absatzmarkt von BMW, dort erwirtschaftet das Unternehmen fast ein Viertel seines Umsatzes. Doch der Verkauf schwächelt wegen der sich abkühlenden Konjunktur. Zudem fallen im Zuge der Finanzkrise immer mehr Kredite aus. Der Vorstand hofft, dass der Absatz heuer wenigstens auf Vorjahresniveau stagniert.

Ein Problem bleiben nach den Worten Ganals weiterhin der starke Euro und die hohen Preise für Stahl und Edelmetalle. Im letzten Jahr sprangen die Rohstoffkosten im Vergleich zum Vorjahr von 178 auf 288 Millionen Euro und auch 2008 erwartet der Finanzvorstand kein Nachlassen. Gegen den Dollar-Verfall habe sich BMW aber nahezu vollständig abgesichert, sagte Ganal. Die Währungseinbußen würden deshalb von 515 auf unter 400 Millionen Euro sinken. Personalvorstand Frank Baumann schloss dennoch nicht aus, das weitere personelle Einschnitte nötig werden, wenn der Dollar nachhaltig schwächelt.

Während BMW auf der Kostenseite spart, zeigt sich Unternehmenschef Reithofer gegenüber den Aktionären großzügiger. Die Dividende soll wie angekündigt um die Hälfte auf 1,06 Euro je Stammaktie beziehungsweise 1,08 Euro je Vorzugsaktie steigen. Insgesamt werden fast 700 Millionen Euro ausgeschüttet. In den kommenden Jahren soll die Dividende schrittweise weiter steigen. Reithofer: "Alle Anteilseigner haben Anspruch auf eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals."

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