Bau: Ohne Hoffnung ins zehnte Krisenjahr

- Berlin - Die deutsche Baukrise und der Abbau von Stellen sind nach Einschätzung der Branche noch nicht vorbei, sondern gehen 2005 ins zehnte Jahr. Nach dem Abbau von 660 000 Arbeitsplätzen seit 1995 kündigte der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie für das kommende Jahr einen weiteren Rückgang um 25 000 auf 740 000 Stellen im Bauhauptgewerbe an. Verbandspräsident Ignaz Walter forderte Bundestag und Regierung auf, Bauwirtschaft und Infrastruktur "im Interesse der Gesellschaft nicht länger zu vernachlässigen". Mit mehr Mut bei Privatfinanzierungen von Autobahnen, Brücken und Schulen könne sich der Staat aus seiner Haushaltsnotlage befreien.

<P>"Wenn die Politik diese laufenden Aufgaben weiter vernachlässigt, dann sind sie bald nur noch durch Neubauten zu bewältigen, was viel Kapital verlangt", warnte Walter. "Wer nicht baut, baut ab. Die deutsche Bauwirtschaft durchlebt zurzeit das neunte Jahr der längsten Struktur- und Konjunkturkrise der Nachkriegsgeschichte." So seien die Umsätze im Bauhauptgewerbe von 1995 bis 2004 um 32 Prozent zurückgegangen. Aber nicht nur der öffentliche Bau, sondern auch der Wohnungsbau und der Gewerbebau lägen angesichts schwacher Konjunktur und von "Spar- und Investitionsängsten" danieder. Im laufenden Jahr wird mit dem Abbau von 50 000 Bauarbeitsplätzen gerechnet. Die Zahl der Arbeitslosen am Bau beträgt zurzeit 282 000.</P><P>Für 2005 sagt der Verband jetzt einen weiteren Rückgang der Umsätze des Bauhauptgewerbes zwischen 1 und 3 Prozent voraus: im Wohnungsbau bis minus 3 Prozent, im Wirtschaftsbau bis minus 4 Prozent und im öffentlichen Bau bis minus 2 Prozent. Die anfängliche Umsatzprognose für 2004 von minus 2 Prozent wurde jetzt mit minus 4,5 Prozent angegeben. </P><P>Lichtblicke sieht der Industrieverband bei ersten privat finanzierten Projekten und im Auslandsbau. Allerdings kritisierte Walter "eine sehr aggressive Konkurrenz" der Chinesen und eine von den USA abgesicherte Investitions-Vorherrschaft in Irak. Sie lasse deutschen Baukonzernen wenig Platz.</P>

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