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Bauern protestieren gegen niedrige Milchpreise.

Bauern protestieren gegen niedrige Milchpreise

München - Tausende Milchbauern haben europaweit mit einem Milchstreik gegen niedrige Preise protestiert. Ein Schwerpunkt der Aktionen lag in Frankreich.

Dort beteiligten sich nach Angaben der Erzeugerorganisation APLI vom Freitag etwa ein Viertel der Milchbauern. In Deutschland lieferten nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter einige Bauern keine Milch mehr ab. Wie viele mitmachten, war zunächst offen. Die Bauern wollen eine Verdoppelung der Erzeugerpreise und die Senkung der Produktion erzwingen.

Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter zeigte sich enttäuscht, nachdem Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) mit der Forderung nach weiteren EU-Hilfen gescheitert war. “Die Wut der Bauern ist groß, es wurde wieder alles abgeschmettert“, sagte Verbandschef Romuald Schaber der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er ließ aber keinen Zweifel, dass sich sein Verband an das Verbot zum Boykottaufruf halten wird. “Jeder muss selbst entscheiden.“ Schaber beteiligt sich an Boykottaktionen. “Heute Morgen hat der Tankwagen zum letzten Mal Milch geholt.“

Es ist verboten, sich zu wehren

Die Milchviehhalter dürfen nach einem Urteil des Oberlandesgerichtes Düsseldorf nicht mehr zum Boykott aufrufen. Das ist eine Konsequenz aus dem zehntägigen Lieferstopp im vergangenen Jahr. “Wir dürfen uns nicht wehren, obwohl wir in einer existenzgefährdenden Krise sind“, sagte Schaber. “Wir sind das schwächste Glied in der Kette.“ Die Milchrohpreise liegen nach einer Talfahrt bei etwas mehr als 20 Cent pro Liter.

Die Tendenz zeigt nach Expertensicht aber nach oben. Rund 5000 französische Bauern hätten die Lieferungen eingestellt, sagte eine Sprecherin des Dachverbands European Milk Board (EMB) in Hamm. Rund 300 Milchviehhalter blockierten den belgisch-deutschen Grenzübergang bei Steinebrück in der Eifel. Mehrere hundert belgische Bauern brachten keine Milch zu den Molkereien. Französische Verbände hatten ihre Mitglieder zu einem sofortigen, unbefristeten Lieferstopp aufgerufen. Sieben Länder hatten sich solidarisiert, darunter Deutschland, Italien, Luxemburg, Österreich, Niederlande, Belgien und das Nicht-EU-Land Schweiz.

Deutscher Verband lehnt Mich-Lieferstopp ab

Der Deutsche Bauernverband lehnt einen Milch-Lieferstopp ab. Dem Bundesverband Deutscher Milchviehhalter nach eigenen Angaben rund 30 000 und damit etwa ein Drittel der deutschen Milcherzeuger an. Das European Milk Board ist ein Zusammenschluss von Milchviehhalterverbänden. Die Mehrheit der Bundesbürger fordert einer Studie zufolge staatliche Eingriffe zur Stabilisierung der Milchpreise.

Das ergab eine Forsa-Umfrage für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und den Milchviehhalterverband. 59 Prozent der 1004 Befragten sind der Meinung, dass die Politik grundsätzlich in den Markt eingreifen sollte. 38 Prozent sprechen sich dagegen aus. Von den Befürwortern meinen 56 Prozent, die Milchmenge müsse reguliert werden. 36 Prozent fordern Subventionen für Export und Lagerung. Die Grünen-Verbraucherpolitikerin Ulrike Höfken forderte, den “Milchhahn zuzudrehen“ statt Millionen Subventionen zu zahlen.

dpa

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