Baugeld: Die Zinsen bleiben günstig

München - Weltweite Kurseinbrüche an den Börsen, die Immobilienkrise in den USA: Die US-Notenbank Federal Reserve kam nicht darum herum, den Leitzins kräftig zu senken, um den Markt mit Geld zu versorgen. Solchen Entwicklungen sind auch die Bauzinsen unterworfen. Experten sind sich aber einig: Die Zinsen werden nicht dramatisch steigen. Die Zeiten für die Eigenheimfinanzierung bleiben also gut.

"Die US-Immobilienkrise ist sogar positiv für Bankkunden", sagt Max Herbst von der unabhängigen Finanzberatung FMH in Frankfurt. Denn die Anleger an der Börse seien verunsichert und suchten ihr Glück in sicheren Produkten wie Staatsanleihen - die Nachfrage nach solchen Produkten und ihr Wert steigen also: "Und je mehr Geld in sicheren Papieren angelegt wird, desto weniger haben die Banken die Notwendigkeit, hohe Zinsen von ihren Kunden zu verlangen." Denn die Refinanzierung von Immobilienkrediten laufe über solche Papiere.

Nach Worten von Herbst gibt es also "keinen Grund, warum Hypothekenzinsen steigen sollten". Naturgemäß würden Banken meist steigende Zinsen prognostizieren - denn nur das halte Sparer zum Abschluss von Verträgen an und sorge für neues Geschäft. Eine Umfrage unter den großen Bankenverbänden ergab dann auch, dass die meisten Institute von leicht steigenden Zinsen ausgehen: Entsprechende Aussagen machten der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) in Berlin und der Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken (BVR), ebenfalls in Berlin.

Der BVR rechnet mit durchschnittlichen Zinssätzen von 5,25 bis 5,5 Prozent zur Jahresmitte für Darlehen mit zehnjähriger Bindung - Anfang Februar war Baugeld auf zehnjährige Rückzahlung laut FMH im Schnitt für 4,78 Prozent zu haben. Eine "Seitwärtsbewegung" nimmt der Verband der Privaten Bausparkassen an. Lediglich der Bundesverband deutscher Banken rechnet damit, dass die Bauzinsen eher nachgeben. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Europäische Zentralbank den Leitzins mit Blick auf die schwächeren Konjunkturaussichten zunächst nicht anheben werde. Anfang Februar hatte der Rat der EZB die Zinsen ungeachtet der massiven Zinssenkung in den USA bei 4,0 Prozent für den Euro-Raum belassen.

"Die EZB hat eine Zinserhöhung aufgrund der Liquiditätskrise der Märkte erst einmal ausgesetzt - und die Krise ist bei weitem noch nicht ausgestanden", sagt Raimund Kron vom Verein Wohnen im Eigentum. Kron rechnet daher zunächst mit gleichbleibend niedrigen Zinsen. "Es sieht sogar alles nach einer Zinsentspannung aus", sagt Arno Gottschalk, Geldexperte der Verbraucherzentrale Bremen. "Es gibt keine Signale dafür, sich mit einer Finanzierung zu beeilen oder eine Anschlussfinanzierung bei auslaufender Zinsbindung übereilt vorzuziehen."

Kron dagegen empfiehlt Darlehensnehmern, Verträge mit auslaufender Zinsbindung jetzt zu verlängern, um von den guten Konditionen zu profitieren. "Und auch ein Forward-Darlehen für 2010 oder 2011 kann sich jetzt lohnen."

Angst vor Kreditverkauf geht um

Bauherren befürchten derzeit, dass ein weiterer Punkt Immobiliendarlehen mittelfristig verteuern könnte. So haben Verbraucherschützer Fälle dokumentiert, in denen die Forderungen von Immobiliendarlehen an Finanzinvestoren verkauft wurden. Im schlimmsten Fall stand dann eine Zwangsversteigerung im Raum. Der Gesetzgeber arbeitet daher derzeit an Regelungen, die Banken dazu verpflichten sollen, Varianten mit entsprechenden Schutzbriefen anzubieten. Für Kunden könnte dieser Zusatz Extrakosten bedeuten. Verbraucherschützern zufolge müssen sich Bauherren aber "keine Sorgen" machen. "Das ist eher als ein Werbegag einzuschätzen", sagt auch Max Herbst von der Finanzberatung FMH. "Wir gehen davon aus, dass es deswegen keinen Preisaufschlag gibt", sagt Sparkassen-Sprecherin Michaela Roth. Und auch der Verband der Volks- und Raiffeisenbanken erwartet, dass sich höhere Konditionen für den Nichtverkauf von Krediten "eher nicht" durchsetzen werden.

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