+
Ein Verbotsschild am Bauzaun des Großprojekts Stuttgart 21. Foto: Uwe Anspach

Industrie einbeziehen

Bauindustrie fordert Verbesserungen bei Großprojekten

Großprojekte wie der BER oder Stuttgart 21 sind alles andere als ein Ruhmesblatt für Deutschland. Die Bauindustrie hat Vorschläge, wie es künftig besser laufen könnte.

Berlin (dpa) - Angesichts erheblicher Probleme beim neuen Berliner Flughafen BER und dem Bahnprojekt Stuttgart 21 hat die Bauindustrie Verbesserungen bei Großprojekten gefordert.

"Das grundsätzliche Problem ist bisher, dass Planen und Bauen bei öffentlichen Bauten nicht in einer Hand liegen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Dieter Babiel, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Künftig sollte aber die Bauindustrie schon bei der Planung der Architekten miteinbezogen werden. "Bisher macht der Eine das und der Andere das, es wird zu wenig aufeinander abgestimmt, das dauert länger und kostet mehr."

Der neue Hauptstadtflughafen BER sollte eigentlich schon 2011 in Betrieb gehen. Nach einer Serie geplatzter Eröffnungstermine soll der Airport nun im Herbst 2020 eröffnet werden. Beim Stuttgarter Bahnprojekt steigen die Kosten, die Fertigstellung soll sich vom Jahr 2023 auf Ende 2024 verzögern.

Babiel forderte: "Statt auf Fach- und Teillosvergabe sollten wir bei Großprojekten künftig wieder verstärkt auf Generalunternehmer setzen". Außerdem sollten Empfehlungen der "Reformkommission Bau von Großprojekten" so schnell wie möglich umgesetzt werden. Dabei gehe es vor allem um eine bessere Bauvorbereitung und einen realistischeren Umgang mit Risiken.

Zum Bahnprojekt Stuttgart 21 sagte Babiel: "Es gibt verschiedene Probleme, etwa ein überzogener Artenschutz. Wir wollen schneller bauen, dürfen aber nicht, weil Eidechsen geschützt werden müssen. Die Gesetzgebung in Deutschland ist zu kompliziert. Wir müssen schneller und kostengünstiger bauen, mit weniger Regulierungen."

Der Hauptverband rechne in diesem Jahr mit einem Umsatzwachstum von nominal 7 Prozent und real 4 Prozent. "Zum ersten Mal seit 2003 werden wir 2018 wieder mehr als 800 000 Beschäftigte in der Branche haben", sagte Babiel. Ein Wachstumstreiber ist der stark gestiegene Wohnungsbau.

Wie in anderen Branchen sieht auch die Bauindustrie den Fachkräftemangel als großes Thema. "Wir haben einen eklatanten Nachholbedarf, Bauberufe müssen wieder attraktiver werden. Jedes Jahr gehen 15 000 Facharbeiter in die Rente, wir bilden aber pro Jahr nur 11 000 junge Leute aus. Wir finden einfach nicht genügend junge Leute." Ein Kapazitätsproblem habe der Bau aber noch nicht.

Der Bau leide immer noch unter dem schlechten Ruf aus der Zeit der Baukrise. "Wir müssen unser Image verbessern, das heißt, junge Leute aufklären, dass die Bauwirtschaft nicht nur sichere, sondern auch interessante, technisch anspruchsvolle Arbeitsplätze anbietet", sagte Babiel: "Da gibt wir es sicher Versäumnisse. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen."

Bundesverkehrsministerium zur Reformkommission Bau von Großprojekten

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Nestlé baut 380 Stellen ab und schließt Werk für Caro-Kaffee
Frankfurt/Main (dpa) - Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé streicht angesichts von Wettbewerbsdruck Hunderte Stellen in Deutschland.
Nestlé baut 380 Stellen ab und schließt Werk für Caro-Kaffee
Weitere Verluste zum Wochenstart
Frankfurt/Main (dpa) - Der deutsche Aktienmarkt ist mit moderaten Verlusten in die Vorweihnachtswoche gestartet. Die Vorgaben der Börsen aus Übersee waren insgesamt …
Weitere Verluste zum Wochenstart
Innogy kappt nach geplatztem SSE-Deal Jahresziele
Essen/London (dpa) - Nach den geplatzten Gesprächen über eine Vertriebsfusion in Großbritannien kürzt der Energiekonzern Innogy seine Jahresziele.
Innogy kappt nach geplatztem SSE-Deal Jahresziele
Colin Kroll ist tot: Gründer von Vine stirbt mit 34 Jahren
Colin Kroll, der Mitbegründer des Video-Portals Vine und der Quiz-App Trivia HQ, ist nach US-Medienberichten im Alter von 34 Jahren gestorben.
Colin Kroll ist tot: Gründer von Vine stirbt mit 34 Jahren

Kommentare