Baulöwe Ignaz Walter kämpft um sein Lebenswerk

- München/Augsburg - Für Ignaz Walter muss die derzeitige Krise seines Bau-Imperiums nur schwer erträglich sein. Über Jahre und Jahrzehnte hatte der 68-jährige Baulöwe sein Lebenswerk mit Zähnen und Klauen verteidigt. "Die wahren Unternehmer werden immer weniger", klagte er vor Jahren. Diesmal aber sind auch ihm weitgehend die Hände gebunden und die Gläubigerbanken müssen über die Zukunft seines Walter-Bau-Konzerns entscheiden.

<P>Selbst, wenn die Kreditinstitute dem Sanierungskonzept unter Auflagen noch einmal zustimmen sollten, ist die langfristige Zukunft des Unternehmens ungewiss.</P><P>"Ich habe nichts geerbt und nichts angeheiratet, ich habe nur Ehrgeiz."<BR>Ignaz Walter</P><P>Gestern sind die Chancen auf eine Rettung des Unternehmens wieder etwas gestiegen. Wie zu erfahren war, signalisierte die Landesbank Baden-Württemberg Zustimmung zum Sanierungskonzept. Die Bank stand dem Konzept bislang skeptisch gegenüber. Allerdings fordern andere Kreditinstitute noch immer substanzielle Nachbesserungen. 27 Banken müssen dem Sanierungskonzept zustimmen, das einen radikalen Schrumpfungsprozess vorsieht. </P><P>Walter ist ein streitbarer Manager vom alten Schlag. "Natürlich ist er ein kantiger, ein schwieriger Mensch. Aber er ist auch ein Unternehmer mit Herzblut", sagt ein Branchenkenner. Der oft polternde Walter ist einer, der provoziert und sich provozieren lässt. Zudem gehöre er zu den Unternehmern, denen es schwer falle, rechtzeitig loszulassen.</P><P>So hatten es die Vorstandsvorsitzenden unter dem Aufsichtsratschef Ignaz Walter nicht leicht. Ignaz Walter ist aus eigener Kraft vom Lehrling zum Rolls-Royce-Besitzer aufgestiegen. "Ich habe nichts geerbt und nichts angeheiratet, ich habe nur den Ehrgeiz, gute Dinge besser zu machen", sagte er einmal. Der gebürtige Augsburger mit fünf Geschwistern hatte nach dem Krieg eine Maurerlehre gemacht. In Abendkursen an der Fachhochschule holte Walter die Hochschulreife nach und studierte Hoch- und Tiefbau. Das Diplom in Bauingenieurswesen und Architektur machte der ehrgeizige Walter mit Auszeichnung. Seine Karriere startete Walter als Statiker bei der Hochtief AG, schon 1961 machte er sich selbstständig.</P><P>Der Betrieb wuchs schnell zu einem Konzern heran und hatte 1971 schon mehr als 1000 Mitarbeiter. Zwei Jahre später verkaufte er das Unternehmen und schrieb Bücher wie "Mathematik für alle" und "Industrialisiertes Bauen der Zukunft". 1978 startete Walter einen Neuanfang und baute nach dem Erwerb der Augsburger Baufirma Thosti schrittweise die drittgrößte Baugruppe Deutschlands auf. Er fusionierte die Schwesterunternehmen Walter Bau, Heilit+Woerner und Dywidag. Zuvor hatte er sich 1996 vom Vorstandsvorsitz in den Aufsichtsrat zurückgezogen. </P><P>In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Spekulationen über Finanzprobleme bei Walter Bau gegeben. Durch die Fusionen und den Verkauf von Grundstücken habe sich Walter immer gerade so über Wasser gehalten, wurde in der Branche gemunkelt. Walter wies die Vermutungen stets zurück. An diesem Wochenende musste Walter aber einen Liquiditätsengpass einräumen. Der Firmenpatriarch machte dafür vor allem die schlechte Zahlungsmoral vieler Kunden verantwortlich. Auch in der Branche wird betont, dass die Krise bei Walter Bau vor allem eine Folge der Strukturkrise am Bau sei. "Sie werden kein großes Bauunternehmen finden, dass ein gutes Deutschlandgeschäft hat." <BR></P>

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