Bausparkassen

LBS Bayern attackiert Niedrigzinspolitik

München - Niedrige Zinsen setzen die LBS Bayern unter Druck: Erstmals in ihrer 80-jährigen Geschichte baut die Bausparkasse Stellen ab. Kunden mit alten Verträgen müssen weiterhin mit Kündigungen rechnen.

Die Chefs der LBS Bayern sind sauer. Niedrige Zinsen verderben den Vorständen die Laune, das Geschäft mit Bausparverträgen rechnet sich kaum noch, Altverträge mit hohen Zinsen drücken auf den Gewinn. Die Geschäftsleitung kündigt nun drastische Schritte an: Erstmals in ihrer 80-jährigen Geschichte will Bayerns Landesbausparkasse nun 50 Stellen streichen – immerhin acht Prozent aller Vollzeitstellen. Der Stellenabbau solle in den kommenden zwei Jahren durch „natürliche Fluktuation“, Vorruhestandsregelungen und eine höhere Teilzeitquote erfolgen, sagte Bayerns LBS-Chef Franz Wirnhier gestern in München.

Den Schuldigen haben Bayerns oberste Bausparer längst ausgemacht: EZB-Chef Mario Draghi. Mit ungewohnt scharfen Worten kritisierte Wirnhier dessen Zinspolitik – der Leitzins der Europäischen Zentralbank verharrt seit Monaten auf einem Rekordtief von 0,05 Prozent.

„EZB-Präsident Mario Draghi überschwemmt die Märkte mit billigem Geld und belastet damit uns alle“, klagte Wirnhier. Normale, sicherheitsorientierte Vermögensbildung werde nicht mehr belohnt. Bayerns LBS-Chef warf der Notenbank eine „radikale Zinspolitik“ vor. Regeln, auf denen „unser Wohlstand in den zurückliegenden 65 Jahre aufgebaut wurde“, seien außer Kraft gesetzt.

Durch niedrige Zinsen verdient eine Bausparkasse kaum noch an Bausparverträgen: Das Kundengeld kann sie kaum gewinnbringend anlegen. Bausparkassen ist es gesetzlich verboten, das Geld außerhalb öffentlicher Anleihen und Pfandbriefe zu parken – bei Anleihezinsen von unter einem Prozent bleibt für die Bausparkasse am Ende nicht mehr viel übrig.

Paradox ist die Situation deshalb, da sich Bayerns LBS über eine mangelnde Nachfrage nach Bausparverträgen nicht beklagen kann. 2014 habe man eine Serie guter Bausparjahre fortsetzen können, sagte Wirnhier. Er rechnet für dieses Jahr mit Verträgen im Wert von acht Milliarden Euro. Für Bausparer können Niedrigzinsen attraktiv sein, da der Zins für ein künftiges Darlehen garantiert ist. Gleichzeitig subventioniert der Staat das Bausparen, die Nachfrage steigt.

Der LBS Bayern bringt das wenig. Für das laufende Geschäftsjahr rechnet sie mit einem Gewinn von nunmehr weniger als 35 Millionen Euro – erwartet hatte man mehr. Alte Bausparverträge mit vergleichsweise hohen Zinsen mindern das Ergebnis. Die LBS versucht, diese Altlasten abzuschütteln – mit zum Teil zweifelhaften Methoden, wie Verbraucherschützer kritisieren. Im November war bekannt geworden, dass die LBS Verträge einseitig gekündigt hatte – obwohl die Verträge noch nicht vollgespart waren (wir berichteten). Verbraucherschützer rieten betroffenen Kunden, unter Umständen gegen die Bausparkasse zu klagen. „Bislang ist bei uns aber noch keine Klage eingegangen“, sagte Wirnhier. Von den 26 000 gekündigten Kunden hätten sich über 1000 beschwert. Die LBS Bayern werde trotzdem weiterhin „konsequent Altverträge kündigen“, sagte Wirnhier – auch wenn das für ihn kein Spaß sei.

Rechtlich könnte das für die LBS sogar noch einfacher werden: Die Finanzaufsicht Bafin wirbt im Bundesfinanzministerium dafür, das Bausparkassengesetz so zu ändern, dass Altsparern leichter gekündigt werden kann – das berichtet das Magazin „Wirtschaftswoche“. Bei der Bafin wollte man die Informationen nicht kommentieren, betonte allerdings, Bausparkassen keineswegs zu Kündigungen zu drängen. Im Bundesfinanzministerium hieß es, Pläne für eine Gesetzesänderung gebe es derzeit nicht. 

Sebastian Hölzle

mit dpa

Rubriklistenbild: © dpa-mzv

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