Bausparer: Spitzenzinsen bei alten Verträgen

München - Fünf oder mehr Prozent: Mache Bausparverträge sind Relikte aus Hochzinszeiten. Es lohnt sich, immer weiter anzusparen - und notfalls um diese Möglichkeit zu kämpfen.

Wer noch einen Bausparvertrag aus den 90er-Jahren hat, sollte ihn so lange wie möglich halten. Ein Altvertrag von damals ist heute ein Glücksfall für den Kunden: Topzinsen von gut fünf Prozent im Jahr machen daraus ein echtes "Bausparschätzchen". Mit staatlicher Wohnungsbauprämie sind sogar um die sieben Prozent Rendite drin.

Verkalkuliert

"Nicht zu toppen, Supergeldanlage", betont Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern. Die Bausparkassen kommen die Hochzinsverträge nach Jahren der Niedrigzinsphase dagegen sehr teuer zu stehen. Die Anbieter hatten damals auf langfristig steigende Marktzinsen gesetzt, sich aber verkalkuliert.

Die meisten wären das Draufzahlergeschäft jetzt gern los - wenn es sein muss, neuerdings auch mit einseitiger Vertragsauflösung. Ein Anbieter kündigte bereits Tausenden Kunden abrupt die voll angesparten Bausparverträge und zahlte die Guthaben aus. Seither mehren sich die Anrufe irritierter Sparer bei den Verbraucherzentralen, die ihr "Schätzchen" nicht verlieren, aber dafür wissen wollen: Was tun?

Kündigung - was nun?

Wer gegen seinen Willen eine Kündigung der Bausparkasse auf dem Tisch hat, sollte unbedingt Widerspruch dagegen einlegen, rät Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Und die Bausparkasse auffordern, den Vertrag unverändert weiterzuführen.

Geht der Anbieter nicht darauf ein, kann sich der Betroffene an die Ombudsfrau beim Verband der privaten Bausparkassen (Dr. Heidi Lambert-Lang, Kundenbeschwerdestelle, Postfach 303079 in 10730 Berlin) wenden. Das Schlichtungsverfahren beim Verband sei kostenfrei, bestätigt Sprecher Alexander Nothaft.

Über 120 Beschwerden sind bereits in Berlin eingegangen. Bis Jahresende soll eine erste Entscheidung fallen. Ist der Bausparer mit dem Schlichtungsspruch dann nicht einverstanden, muss er vor Gericht ziehen und gegen die Kündigung klagen.

Streit um Vertragsziel

Verbraucherschützer halten die einseitige Zwangskündigung für nicht rechtens. In den Vertragsbedingungen sei dies nicht festgeschrieben. Der Anbieter argumentiert dagegen, der Bausparzweck sei erreicht, sobald der Kunde die vereinbarte Summe angespart habe. Weiteres Besparen und Profitieren von den Spitzenzinsen sei nicht möglich.

"Diese Begründung ist aber völlig abwegig", meint Jörg Sahr, Baufinanzierungsexperte von Finanztest. In den 90ern hätten sich die Anbieter mit lukrativen Konditionen nur so überboten. Wer damals als Sparer nicht vor hatte, einmal ein Bauspardarlehen anzutreten, bekam einen dicken Zinsbonus versprochen. Genau das macht die "Schätzchen" heute so wertvoll. "Für Leute ohne Bauwunsch war das immer ein lupenreines Sparprodukt", betont Larisch. Jetzt sei von einem Vertragszweck die Rede, der niemals zur Debatte stand.

Nicht selbst kündigen

Wer noch keine Kündigung von der Bausparkasse bekommen hat, sollte an seinem "Kleinod" festhalten, rät Larisch. Er meint: Bloß nicht frühzeitig aussteigen, selbst kündigen oder zu einem Tarifwechsel überreden lassen. Wenn es finanziell möglich sei, sollte der Hochzinsvertrag so lange wie möglich weiter bespart werden.

"Es gibt noch Tausende Verträge aus den 90ern, die noch lange nicht zuteilungsreif sind, weil sie zwischenzeitlich vielleicht gestoppt oder nur mäßig bespart wurden", so Larisch. Nach Ansicht Sahrs wissen viele Sparer gar nicht, wie gut sie mit ihrem Altvertrag dran sind. Deshalb versuchten Vertreter von Bausparkassen auch immer wieder, die Kundschaft zum Umtausch zu bewegen. Hauptargument: Günstigere Darlehenszinsen. "Dass dafür die Top-Bonuszinsen weg sind, wird nicht erwähnt", warnt Sahr.

Zuteilung verweigern

Oft dringen Bausparkassen auch auf eine frühzeitige Zuteilung des Altvertrags. In der Regel geschieht das dann, wenn ein Mindestguthaben von 40 oder 50 Prozent der einmal vereinbarten Bausparsumme erreicht ist.

Der Sparer muss die Zuteilung nach Ansicht der Verbraucherschützer aber nicht annehmen. Er kann unverdrossen weiter einzahlen, wenn er will - und die Spitzenzinsen mindestens so lange weiter kassieren, bis die volle Bausparsumme erreicht ist. Und das kann - je nach Höhe der einst festgelegten Obergrenze - noch Jahre dauern.

Informationen zum kostenlosen Schlichtungsverfahren gibt es im Internet unter www.bausparkassen.de.

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