Bawag: ÖGB vor der Pleite?

- Wien - Sie wurde 1922 als Arbeiterbank gegründet, um Geld kleiner Leute in Österreich zu sichern. Die Bawag gehört noch immer dem Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB). Mangelnde Kontrolle durch überforderte Aufsichtsräte ermöglichte Zockern im Dienst der Bank waghalsige Geschäfte, die an den Rand der Pleite führten. Die Affäre könnte nun den ÖGB in die Tiefe reißen. Die Bayerische Landesbank war bis 2004 ebenfalls Großaktionär.

Jetzt steht der ÖGB bei der Bayern-LB mit 380 Millionen Euro in der Kreide. "Wir machen uns darum keine Sorgen", heißt es. Die Bayern-LB, die halb den Sparkassen und halb dem Freistaat gehört, verweist auf Sicherheiten. Die Vorgeschichte:

 Die Bayern-LB hatte 1995 mit der Insolvenz der östereichischen Konsum-Genossenschaften deren rund 30 Prozent an der Bawag übernommen und diese Anteile auf 46 Prozent erhöht.

Sie wurde aber das Kind los, ehe es auf die schiefe Bahn geriet. Ein Jahr bevor die Bawag ins Schlingern kam, konnte die BayernLB ihre Anteile an den ÖGB verkaufen, dem sie dazu 380 Millionen Euro lieh. Die 46 Prozent dienen ihr als Sicherheit.

Der ÖGB als Eigentümer bietet dagegen ein trauriges Bild: Er haftet durch die Bawag-Affäre für mehr als drei Milliarden Euro und steht möglicherweise vor dem Konkurs. "Es geht ums Überleben", bestätigt Finanzchef Clemens Schneider.

Wie konnte es dazu kommen? Im Oktober 2005 lieh die Bawag Philipp Bennett, dem Chef des US-Derivatehändlers Refco, 350 Millionen Euro. Das Geld war zehn Tage später weg: Bennett wurde wegen Bilanzfälschung verhaftet, Refco war pleite. Damit waren auch die 34 Prozent der Refco-Aktien, die die Bawag als Sicherheit hatte, wertlos.

Das war aber nur der erste Akt: Eine Sonderprüfung der Finanzaufsicht förderte noch einen zweiten, weit größeren Skandal zutage: Wolfgang Flöttl, Sohn eines ehemaligen Bawag-Generaldirektos, hatte als Bawag-Investmentbanker zwischen 1995 und 2000 bei hoch riskanten Geschäften rund eine Milliarde Euro in den Sand gesetzt. Um die Verluste zu verschleiern, wurden auf mehreren Karibik-Inseln Briefkastenfirmen gegründet.

Nachdem dennoch alles aufgeflogen war, übernahm der Gewerkschaftsbund mit seinem Streikfonds im Rücken die Schulden der Tochter Bawag. Er gab eine Garantieerklärung ab, die die Bank vor der Pleite rettete, ihn aber nun knapp 1,5 Milliarden Euro kostet. Dazu kommen die 380 Millionen Schulden bei der BayernLB, weitere 200 Millionen aus zwei liechtensteinischen Stiftungen des ÖGB, auf die Verluste aus den undurchsichtigen Geschäften umgebucht wurden. Zusätzlich muss der ÖGB für 1,334 Milliarden US-Dollar für einen Vergleich mit Refco-Gläubigern in den USA geradestehen. Diese hatten die Bank der Beihilfe zu den Refco-Betrügereien beschuldigt.

Das alles kann auch ein Verkauf der Bawag nicht herinbringen. Optimisten rechnen mit 2,6 Milliarden Euro. Als realistisch gilt ein Betrag unter zwei Milliarden. Genug, um die BayernLB auszuzahlen, zu wenig, um den Österreichischen Gewerkschaftsbund zu retten.

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