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Die Aktien des Agrarchemie- und Pharmakonzerns Bayer sind derzeit unter Druck. Oliver Berg/dpa Foto: Oliver Berg

4000 weitere ähnliche Klagen

Glyphosat-Urteil sorgt für dramatischen Kursrutsch bei Bayer

Ein Urteil in den USA belastet die Bayer-Aktie. Der Chemie-Riese übernimmt derzeit den US-Saatgutkonzern Monsanto, der von dem US- Gericht zu Millionen Schadenersatz wegen des Pflanzenwirkstoffs Glyphosat verdonnert wurde. Tausende Klagen sind noch offen.

Frankfurt/Main (dpa) - Das US-Urteil gegen den Saatgutkonzern Monsanto wegen angeblich verschleierter Gefahren beim Pflanzenwirkstoff Glyphosat hat für einen herben Kurseinbruch bei der Bayer-Aktie gesorgt.

Der Wert sackte am Montag zeitweise um mehr als 13 Prozent und schloss am Ende bei 83,73 Euro mit 10,3 Prozent im Minus. Bayer steckt derzeit mitten in der Übernahme des Saatgutriesen aus den USA.

Ein US-Gericht hatte am Freitagabend Monsanto zu 289 Millionen US-Dollar (254 Mio Euro) Schadenersatz an einen Krebspatienten verurteilt, der Glyphosat für sein Leiden verantwortlich macht.

Seit Jahren wird in ganz Europa über die Zulassung von Glyphosat gestritten. Die EU-Kommission verwies am Montag in Brüssel auf die Entscheidung vom Dezember, das Mittel grundsätzlich weitere fünf Jahre auf dem Markt zu lassen. Daran soll sich nach Angaben der Kommission nichts ändern. Es liege aber in der Hand der Mitgliedsstaaten, Lizenzen für die Nutzung zu erteilen.

In Deutschland hat die Entscheidung der US-Richter aus Sicht der Bundesregierung keinen Einfluss auf die hier geplanten Einschränkungen. Sie betreffe Gesundheitsaspekte für Menschen, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Im Fokus der Bundesregierung stehe aber die wissenschaftlich klar belegte Beeinträchtigung der Artenvielfalt bei der Massenanwendung des Mittels.

Drastische Worte fand der französische Umweltminister Nicolas Hulot. "Das ist der Anfang vom Ende der Arroganz dieses verfluchten Paars Monsanto-Bayer", sagte er in einem Interview der Zeitung "Libération" (Montag). Das Urteil mache sichtbar, dass es Monsantos verstecktes Ziel sei, "die Nahrungsressourcen des Planeten zu schröpfen".

Alleine in den USA laufen mehr als 4000 weitere ähnliche Klagen gegen Monsanto, für die die Entscheidung vom Freitagabend wegweisend sein könnte. Das Vorgehen der US-Richter widerspreche "bestehenden wissenschaftlichen Erkenntnissen, jahrzehntelangen praktischen Erfahrungen und den Einschätzungen von Regulierungsbehörden weltweit", teilte ein Bayer-Sprecher am Montag mit. Monsanto kündigte Rechtsmittel an.

Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid, es wirkt auf alle grünen Pflanzen. Der Wirkstoff blockiert ein Enzym, das Pflanzen zur Herstellung lebenswichtiger Aminosäuren brauchen, das aber auch in Pilzen und Mikroorganismen vorkommt. Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr - auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat und nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden.

Glyphosat wird auf rund 400 Millionen Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzter Flächen eingesetzt, berichtete das Marktforschungsunternehmen Kleffmann Group. Zum Vergleich: Agrarflächen umfassen in Deutschland 16,7 Millionen Hektar.

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