Bayer Diagnostik: Siemens holt sich einen Gewinnbringer an Bord

- München - Auf seinem rasanten Umbaukurs stärkt der Siemens-Konzern seine Erfolgssparte Medizintechnik mit einem milliardenschweren Zukauf. Für 4,2 Milliarden Euro übernehmen die Münchner das Diagnostik-Geschäft des Pharmariesen Bayer.

Damit entsteht das weltweit erste Unternehmen, das "von Prävention über Diagnostik bis hin zur Pflege" alle medizinischen Leistungen anbiete, sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld. Darin liege "enormes Wachstumspotenzial", das Arbeitsplätze sichern und schaffen werde.

Siemens und Bayer hatten die Transaktion überraschend bekannt gegeben. Der Handel soll im ersten Halbjahr 2007 abgeschlossen sein, die Kartellbehörden müssen noch zustimmen. Bayer behält das Geschäft mit Diabetes-Medikamenten und vom übernommenen Konzern Schering die Kontrastmittel-Sparte.

Für Siemens handelt es sich um das zweite große Geschäft innerhalb weniger Tage: Erst vor knapp zwei Wochen hatte Kleinfeld die kriselnde Kommunikationssparte abgestoßen und das Netzwerkgeschäft mit dem von Nokia fusioniert.

Mit der Bayer-Sparte holt sich Siemens einen Gewinnbringer an Bord, der zuletzt seinen Umsatz auf 1,4 Milliarden Euro steigerte und zweistellige Ergebnismargen erzielte. Die Sparte mit Sitz in Tarrytown im US-Bundesstaat New York beschäftigt 5400 Mitarbeiter, knapp die Hälfte davon in den USA, 250 in Deutschland. In der Siemens-Sparte Medizintechnik (Med) arbeiten 33 000 Menschen, davon 8500 in Deutschland.

Die Zusammenlegung spare 100 Millionen Euro, sagte Kleinfeld. Vor allem in der Verwaltung gibt es Einsparmöglichkeiten. Ob dabei Stellen wegfallen, ließ Siemens offen. "Wir werden das Geschäft so aufbauen, dass es wächst", betonte Kleinfeld. Beim Einkauf könne man sparen und durch die größere Angebotspalette, die von Röntgenapparaten über Computer-Tomographen bis hin zu Diagnostikverfahren für Blutuntersuchungen und Labor-Automatisierung reicht.

Mit der Übernahme steigt Med den Angaben zufolge weltweit zur Nummer zwei bei der Immundiagnostik auf. Kleinfeld sagte, nur in Führungspositionen "kann man in schwierigem Umfeld gut überleben". Die ertragreiche Sparte hatte im April bereits ein US-Diagnostikunternehmen gekauft. In den vergangenen sechs Jahren investierte Med mehr als fünf Milliarden Euro in Akquisitionen. Med werde die ehrgeizigen Gewinnziele auch nach dem jüngsten Zukauf erreichen und 2008 beim Ergebnis zulegen, wie Finanzvorstand Joe Kaeser sagte.

Kleinfeld erläuterte, das Wachstum komme durch den weltweiten Trend im Gesundheitswesen: "Qualität rauf, Kosten runter."

Bereichsvorstand Erich Reinhardt erläuterte, mit neuen Gen-Diagnostiken könne man Krankheiten wie Krebs immer früher erkennen und individuell therapieren. So ließen sich teure Folgekosten in den Griff bekommen.

Der Pharmariese Bayer will sich künftig "auf Arzneimittel für Mensch und Tier sowie auf konsumentennahe Produkte" konzentrierten, wie Vorstandschef Werner Wenning sagte. Der Verkauf kommt Bayer auch zugute, weil er die Finanzierung der Übernahme des Schering-Konzerns erleichtert. Bayer erwartet nach Abzug der Steuern einen Mittelzufluss von etwa 3,6 Milliarden Euro. Die Transaktion sei aber unabhängig von der Schering-Akquisition und ihrer Refinanzierung vorangetrieben worden, betonte Wenning.

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