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Theo Zelllner, Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes.

Interview mit Sparkassenpräsident

Zellner: "Sparkassler sind keine Banker"

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München – Seit 2010 ist Theo Zellner Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes. Die Dachorganisation hat ein turbulentes Jahr hinter sich. Im Interview mit dem Münchner Merkur spricht Zellner über die Finanzkrise, die Zukunft der Landesbank - und Peer Steinbrücks Gehaltsvergleich.

Besonders die Landesbank und ihr Beihilfeverfahren der EU-Kommission sorgten für viel Zündstoff im vergangenen Jahr. Mit mehr als 45.000 Mitarbeitern in rund 2400 Filialen gehören die bayerischen Sparkassen zu den größten Arbeitgebern im Freistaat. Ein Gespräch mit Theo Zellner, Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes, über die Sparkassen als Profiteure der Finanzkrise, die Zukunft der Landesbank und Peer Steinbrücks Gehaltsvergleich.

Herr Zellner, Peer Steinbrück sagt, jeder Sparkassendirektor verdient mehr als die Kanzlerin. Sie müssen’s wissen: Verdient die Kanzlerin zu wenig oder der Sparkassenchef zu viel?

Jeder macht seine Arbeit und hat viel zu tun. Mein Respekt vor der Kanzlerin verbietet mir diesen Vergleich und man kann das objektiv auch kaum vergleichen. Generell gilt, dass jede Branche ihr eigenes Gehaltsgefüge hat. Und man entscheidet sich für eine Aufgabe nicht in erster Linie wegen des Geldes.

Wonach bemisst sich denn das Gehalt eines Sparkassenchefs?

Die Bilanzsumme und damit die Größe eines Instituts spielt eine große Rolle. Die Entscheidung über die Höhe des Gehalts trifft der Verwaltungsrat vor Ort.

Der Ruf der Banker hat ziemlich gelitten, sehen Sie sich da selbst zu Unrecht mit am Pranger?

Ich kenne viele Sparkassenchefs, die Wert darauf legen, dass sie keine Banker sind, sondern Sparkassler. Man soll sich aber auch nichts vormachen: In der Finanzkrise sind Banker zum Teil zu Recht in ein schlechtes Licht geraten. Dieser negative Ruf hat viel mit Spekulation und unverantwortlichen, nicht einlösbaren Renditeversprechen zu tun. Und da stellen die Sparkassen das genaue Gegenteil dar.

Was unterscheidet Banker und Sparkassler?

Der Sparkassler ist eine Vertrauensperson. Das sieht man auch daran, dass die Menschen ihr Geld immer häufiger zu uns bringen. Die Menschen investieren bei uns in Sicherheit. Die Sparkassenberater sitzen nicht in einem anonymen Glasturm, sondern man trifft sie am Samstag beim Fußball oder am Sonntag in der Kirche.

Sie haben die Finanzkrise angesprochen. Hat die Politik richtig reagiert?

Die richtigen Instrumente gibt es jetzt, sie müssen nur noch richtig eingesetzt werden. Für uns Sparkassen und auch die Genossenschaftsbanken ist es ein großer Erfolg, dass bei der Bankenaufsicht zwischen regionalen Instituten und Großbanken unterschieden wird. Wir werden schon dreifach beaufsichtigt von der Bundesbank, der Bafin und unserer eigenen Prüfungsstelle. Da brauchen wir nicht auch noch den direkten Durchgriff der Europäischen Zentralbank.

Aber vielleicht wäre es sogar weniger bürokratisch, wenn sich die Sparkassen nur noch von der EZB kontrollieren ließen.

Eine gemeinsame Aufsicht für Großbanken ist notwendig. Und mit der jetzt gefundenen Lösung stehen ja auch 95 Prozent des Bankenvermögens unter europäischer Kontrolle. Aber wie soll ein EZB-Mitarbeiter wissen, was für die Sparkasse in Dachau gut und richtig ist?

Misstrauen Sie der EU auch deshalb, weil man dort gern eine einheitliche Einlagensicherung hätte?

Da gibt es positive Signale, dass die Sparkassen bei ihrem eigenen bewährten Sicherungssystem bleiben können. Aber noch ist die europäische Einlagensicherung nicht vom Tisch. Ich habe da eine klare Meinung: Wenn unsere Kunden mit ihrem Geld für ausländische Großbanken mithaften müssten, wäre der letzte Vertrauenshort weg. Das darf nicht passieren. Das ist ein ganz subtiler Versuch, das deutsche Drei-Säulen-Modell zu kippen. Da muss man aufpassen. Das Modell ist ein wichtiger Grund dafür, dass Deutschland so gut aus der Krise gekommen ist. Die Sparkassen sind die Antwort auf die Krise. Ich halte sie für einen Teil der kommunalen Daseinsfürsorge – auch wenn man das in Brüssel anders sieht.

Sie mussten auf Druck der EU der Landesbank die Bausparkasse abkaufen. War das ein Schnäppchen?

Nein, aber die EU-Kommission wollte damit ja auch erreichen, dass die Sparkassen einen Beitrag zur Rettung der Landesbank leisten. Wir Sparkassen wollten die LBS immer haben – die LBS hat 44 Prozent Marktanteil.

Jetzt gehört den Sparkassen auch wieder ein größerer Teil der Landesbank. Darüber waren viele im Verband nicht glücklich.

Das ist sicher richtig. Die 72 Sparkassen mussten alle einzeln entscheiden und angesichts der Vergangenheit der Landesbank kann man sich gut vorstellen, dass die Verwaltungsräte nicht begeistert waren. Ein drohendes eigenes Beihilfeverfahren gegen die Sparkassen hat dann aber doch dazu geführt, dass über 95 Prozent den erfolgreichen Verhandlungen zugestimmt haben.

Ist die Landesbank denn jetzt über den Berg?

Die EU-Kommission hat ihr die Überlebensfähigkeit zugesprochen. Jedes andere Szenario wäre auch fatal gewesen. Operativ ist die Bank wieder gut unterwegs. Aber Vorhersagen sind in der Finanzbranche schwierig.Jetzt ist zunächst mal wichtig, dass der Freistaat und damit der Steuerzahler sein Geld zurückbekommt.

Das könnte schwierig werden, denn die Österreicher weigern sich, einen Milliardenkredit an die Landesbank zurückzuzahlen. Ist das Geld futsch?

Wir fragen ständig nach und Landesbankchef Gerd Häusler hat uns sehr überzeugend erklärt, dass es juristisch keinen Zweifel gibt, dass die Österreicher zahlen müssen. Sie haben das ja im Grunde auch über Jahre anerkannt, indem sie Zinsen gezahlt haben. Ich vermute, dass der Zahlungsstopp viel mit dem Wahlkampf in Österreich zu tun hat, obwohl das eigentlich keine politische Frage ist.

Kann die Bank den Rückzahlungsplan denn ohne das Geld aus Österreich einhalten?

Darüber sollte man nicht spekulieren. Ich gehe davon aus, dass sich diese Frage nicht stellen wird. Die Einhaltung des Rückzahlungsplans ist unabdingbar Teil der Beendigung des Beihilfeverfahrens.

Und wie geht es langfristig weiter? Soll die Landesbank privatisiert werden?

Das sehe ich in den nächsten Jahren eher nicht. Klar ist, wir Sparkassen müssten bei einem Verkauf auch profitieren. Wichtig ist jetzt allerdings erst einmal, dass wir nach vorne schauen und die BayernLB ihr Geschäftsmodell weiter optimiert.

Was halten Sie von Fusionen unter Landesbanken? Gibt es davon nicht zu viele in Deutschland?

Ja, meiner Meinung nach haben wir zu viele Landesbanken. Wie viele es am Ende sein sollten, kann ich nicht sagen, dafür muss man sich die Geschäftsmodelle genau anschauen.

Die Landesbank soll einen neuen Aufsichtsrat bekommen, damit soll der politische Einfluss sinken. Die Sparkassen werden dann zwei Vertreter stellen. Sind Sie damit zufrieden?

Die sogenannte Entpolitisierung haben wir so hinzunehmen. Zusätzlich zu unseren beiden Vertretern müssten die Sparkassen aber auch einen der externen Experten, die dem Gremium angehören sollen, bestimmen dürfen. Über die Besetzung muss man sprechen, wenn die Frage ansteht.

Bei vielen anderen Banken werden Filialen geschlossen und tausende Stellen gestrichen. Wie geht es den bayerischen Sparkassen?

Wir nehmen zur Kenntnis, was bei den anderen Banken passiert, aber so etwas droht bei den Sparkassen nicht. Wir sind der drittgrößte Arbeitgeber in Bayern und die Geschäfte laufen gut. Unser Betriebsergebnis ist 2012 trotz der Niedrigzinsphase nur leicht gesunken. Die Einlagen sind um 2,6 Prozent gestiegen, das Kreditneugeschäft sogar um 12,9 Prozent. Wir werden eine Renaissance der Sparkassen erleben. Bei uns wissen die Leute, dass sie ihr Geld wiederkriegen.

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