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Die bayerischen Sparkassen rüsten sich für schlechte Zeiten und setzen auf weniger Geschäftsstellen und höhere Gebühren.

Wegen niedriger Zinsen

Sparkassen werden mehr Filialen schließen

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München - Die bayerischen Sparkassen rüsten sich für schlechte Zeiten: Schon bald werden die niedrigen Zinsen die Institute vor massive Probleme stellen. Sie setzen deshalb schon jetzt auf weniger Geschäftsstellen und höhere Gebühren.

Ein bisschen abnehmen schadet nicht, glaubt Ulrich Netzer, aber diese „Null-Zins-Diät der EZB“ mache den Sparkassen nun schon zu lange zu schaffen. Netzer, Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes, muss erklären, wo noch die letzten Fettpölsterchen bei den Instituten zu finden sind, bevor es endgültig an die Substanz geht.

Gar nicht so einfach, denn die Zahlen der 71 bayerischen Sparkassen sind trotz der niedrigen Zinsen relativ gut: Die Bilanzsumme wuchs 2014 um 2,4 Prozent auf jetzt gut 186 Milliarden Euro, sowohl die Kundeneinlagen (plus 2,9 Prozent auf knapp 146 Milliarden Euro), als auch die ausgegebenen Kredite (plus 3,1 Prozent auf 116,3 Milliarden) legten zu. Sogar der Gewinn stieg um ein Prozent auf 341 Millionen Euro, und wären die hohe Abschreibungen auf die Beteiligungen an der Landesbausparkasse (LBS) und der Bayerischen Landesbank nicht nötig gewesen, sähen die Zahlen sogar noch bessser aus.

Doch das wird sich ändern. Ein Ende der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist nicht abzusehen, schon jetzt beträgt das Zinsergebnis der bayerischen Sparkassen nur noch durchschnittlich zwei Prozent ihrer Bilanzsumme. Vor vier Jahren waren es noch 2,3 Prozent, und Präsident Netzer prognostiziert, dass dieser Wert in den kommenden fünf Jahren auf unter 1,5 Prozent absacken wird. Der Zinsüberschuss ist die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle der Sparkassen.

Deshalb wird schon jetzt gespart. Ende vergangenen Jahres gab es in Bayern 25 Sparkassen-Filialen weniger als ein Jahr zuvor, das entspricht einem Rückgang um etwa ein Prozent. Auch die Zahl der Mitarbeiter schrumpfte um fast zwei Prozent auf nur noch 43 936. Und so soll es weitergehen. „Kleinere Filialen werden mit größeren zusammengefasst werden müssen“, sagt Netzer. Zwar verspricht er, die Sparkassen würden „in der Fläche präsent bleiben“, doch der Geschäftsstellenschwund wird sich voraussichtlich noch beschleunigen. „Die Geschwindigkeit wird sich erhöhen“, sagt Netzer. Die Digitalisierung habe die Kundenwünsche ohnehin verändert, sie kämen viel seltener in Filialen, würden immer mehr über das Internet erledigen. „Nähe zum Kunden wird im digitalen Zeitalter anders definiert“, so der Sparkassenpräsident. Doch auch diese Nähe wird der Kunde bezahlen müssen – und zwar womöglich deutlich teurer als bisher. Es müsse „selbstverständlich sein, dass die Leistungen der Sparkassen auch angemessen bepreist werden dürfen“, sagt Netzer. Ausschließen will er nur Negativzinsen für gewöhnliche Sparkassenkunden.

Die Sparkassen würden wegen der anstehenden schweren Zeiten ihre Gewinne am liebsten zusammenhalten. „Vor dem Hintergrund der Herausforderungen, die auf die Sparkassen in den kommenden Jahren zukommen werden, wären Ausschüttungen auch jetzt ein falsches Signal“, sagt Netzer. Einige Sparkassen, zum Beispiel die Stadtsparkasse München, müssen einen Teil ihrer Gewinne an die Kommunen als Eigentümer ausschütten. Netzer kann hier nur appellieren, ob Geld überwiesen werden muss, entscheiden allein die Eigentümer im Verwaltungsrat der einzelnen Sparkassen.

Trotz der negativen Perspektiven glaubt Netzer, dass die bayerischen Sparkassen die Niedrigzinsphase überstehen werden. „Es gibt nicht wenige, die schon versucht haben, das Requiem auf die Regionalbanken anzustimmen“, sagt er. „Aber die Sparkassen sind quicklebendig.“

Von Philipp Vetter

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