Bald auch für Privatkunden

Bayerische Volks- und Raiffeisenbanken: Strafzinsen künftig nicht ausgeschlossen

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München - Firmenkunden müssen bei manchen bayerischen Banken bereits Strafzinsen zahlen. Bald könnten laut Genossenschaftsverband auch Privatkunden dran sein.

Die Zinsen auf Spareinlagen sind so niedrig wie nie. Trotzdem tragen viele Sparer immer mehr Geld zu den Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern. Fünf Milliarden Euro mehr als im Vorjahr wurden dort 2015 angelegt. Die Kundengelder erhöhten sich damit auf rund 115 Milliarden Euro, wie der Genossenschaftsverband (GVB) Bayern als Dachorganisation der 273 bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken gestern in München mitteilte. „Im Zinstief nutzen viele ihr Bankkonto mittlerweile als wichtigsten Ort für den Werterhalt ihrer Ersparnisse“, sagt Vorstandsmitglied Alexander Büchel. Die Frage ist, wie lange sich das Geld auf den Konten noch vermehrt – oder wenigstens nicht an Wert verliert.

Firmenkunden müssen bei der ein oder anderen Volks- und Raiffeisenbank in Bayern bereits Strafzinsen bezahlen. Laut Jürgen Gros, der neben Büchle im GVB-Vorstand sitzt, geht es dabei um Anlagen im zweistelligen Millionenbereich aufwärts. Strafzinsen für Privatkunden gibt es bei den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken dagegen derzeit nicht – oder besser noch nicht. „Wenn EZB-Präsident Mario Draghi seine Zinspolitik so weiter betreibt, muss sich jede Bank überlegen, wie sie damit umgeht“, sagt Büchel. Negativzinsen, die beim GVB „Aufbewahrungsgebühren“ genannt werden, könnten dann auch Privatkunden treffen. Man könne momentan nicht sagen, ob das 2016 oder 2017 der Fall sein werde, ergänzt Gros. „Wir sind hier völlig in Draghis Hand.“

Künftig mehr Zusammenschlüsse und Filialschließungen

Die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ist nur eine der Herausforderungen, mit denen sich der Verband konfrontiert sieht. Aus Frankfurt und Brüssel drohen neue Regeln zur Bankenregulierung. Geplant ist eine europäische Einlagensicherung – laut Gros „eine gefährliche Idee“, da eine zentrale Einlagensicherung Bankrisiken vergemeinschaften würde. Die EZB will außerdem ein zentrales Kreditregister namens AnaCredit einführen. „Die kleine Schwester von Big Brother“, die weder die Volks- und Raiffeisenbanken, noch der Mittelstand, ja nicht einmal die Bankenaufsicht brauche, poltert Gros. Besonders ärgert den GVB-Vorstand zudem eine Aussage von EZB-Direktoriumsmitglied Yves Marsch. Dieser erklärte kürzlich in München, Regionalbanken müssten ihr Geschäftsmodell überdenken. „Die bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken setzen weiterhin auf die einlagenfinanzierte regionale Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen“, heißt es dazu von Gros. Dieses Geschäftsmodell stehe nicht zur Disposition. Zumal das Kreditgeschäft der bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken im vergangenen Jahr kräftig zugelegt hat – auf rund 87 Milliarden Euro (2014: 83,1 Milliarden). Da die Gewinnspanne zwischen Einlagen und Ausleihungen aber weiter sank und die Kosten stiegen, ging der Gewinn vor Steuern um knapp 13 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro zurück.

Die stetig steigenden Kosten – unter anderem aufgrund der verstärkten Regulierung – sind eines der großen Themen beim Genossenschaftverband Bayern. Man arbeite intensiv an der Kostenstruktur, heißt es dort. Das hat Auswirkungen auf Kunden und Mitarbeiter, was folgende Zahlen zeigen: 273 Volks- und Raiffeisenbanken gibt es derzeit in Bayern – acht weniger als im Vorjahr. Und auch im laufenden Jahr wird die Zahl der Banken weiter sinken. Zehn Fusionen verteilt über alle bayerischen Regierungsbezirke werde es im laufenden Jahr geben, kündigt Gros an. Im Zuge der Zusammenschlüsse werde es sicher auch zu Filialschließungen kommen. Auf eine Zahl will sich Gros allerdings hier nicht festlegen. Im vergangenen Jahr wurden bereits 140 Bankstellen geschlossen. Rund 1000 Arbeitsplätze wurden gestrichen. Begründet wird der Stellenabbau mit der „demografischen Entwicklung“ und der „üblichen Fluktuation“. Aktuell umfasst das Netz der Volks- und Raiffeisenbanken in Bayern aber immer noch 2782 Filialen.

Rubriklistenbild: © dpa

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