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Über den langen Winter haben sich viele Aufträge angesammelt, die jetzt abgearbeitet werden.

Konjunktur

Bayerisches Handwerk profitiert vom Bau-Fieber

München - Der lange Winter hat Spuren im bayerischen Handwerk hinterlassen. Doch die Stimmung ist besser als die Lage. Vor allem die Baubranche blickt optimistisch in die Zukunft. Die Auftragsbücher sind voll.

Baustelle, wohin man blickt. Ein Baugerüst umgibt den Sitz der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Vor dem Gebäude wurde die Straße aufgerissen, Bauarbeiter verlegen Rohre für Fernwärme. Die Baubranche ist aus ihrem Winterschlaf erwacht – und der war ziemlich lange in diesem Jahr. „Der lange Winter hat den bayerischen Handwerksbetrieben den Jahresauftakt erschwert“, sagt Heinrich Traublinger, Präsident des Bayerischen Handwerkstags (BHT), am Freitag in München. Trotz der „Winterdelle“ gebe es aber kaum Grund zum Jammern, räumt er ein. Besonders optimistisch blicken Betriebe, die im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe tätig sind, in die Zukunft. Nicht nur auf den Baustellen rund um die Handwerkskammer herrscht geschäftiges Treiben.

Der witterungsbedingte Stillstand auf den Baustellen sorgte im ersten Quartal für gedämpfte Stimmung. Allerdings haben sich in dieser Zeit viele Aufträge angesammelt – ein dickes Polster. In den oberbayerischen Betrieben wird die Abarbeitung mehr als zehn Wochen dauern. „Zudem hält der Trend zur Geldanlage in Form von Immobilien an“, so Traublinger. Dazu kommt, dass die Baugenehmigungen für Wohnungen in Oberbayern im vierten Quartal 2012 um 16 Prozent (im Vergleich zum Vorjahr) gestiegen sind, gleichzeitig ziehen die öffentlichen Aufträge an. Dementsprechend gehen 94 Prozent der Betriebe im Bauhaupt- und Ausbaugewerbe von einer positiven Geschäftsentwicklung aus.

Ähnlich optimistisch bewerten Lebensmittelhandwerk und Dienstleister die Geschäftslage. Grund ist vor allem die gute Konsumentenstimmung. Handwerkliche Zulieferer spüren dagegen die rückläufigen Aufträge aus der Industrie – der schwächelnde Export macht sich bemerkbar. Noch schwieriger ist die Lage im Kfz-Gewerbe. Absatzprobleme und sinkende Umsätze führten zuletzt dazu, dass in jedem zweiten Betrieb die Geschäfte schlecht liefen.

Insgesamt glauben dennoch 89 Prozent der Handwerksbetriebe in Oberbayern an eine gute oder zumindest befriedigende Geschäftsentwicklung. Im Schnitt hatten die Betriebe im März Arbeit für 7,5 Wochen in ihren Auftragsbüchern. Im ersten Quartal erwirtschafteten die 77 800 oberbayerischen Betriebe 6,3 Milliarden Euro – vier Prozent weniger als im ersten Quartal 2012. In ganz Bayern lag der Umsatz der rund 198 700 Betriebe bei 18,7 Milliarden Euro – ebenfalls ein Minus von vier Prozent.

Obwohl die Umsätze sanken, stiegen die Investitionsausgaben – in den oberbayerischen Betrieben um 2,4 Prozent auf 210 Millionen Euro. Auch die Zahl der Beschäftigten legte zu. Ende März waren im oberbayerischen Handwerk 276 000 Personen tätig – 0,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. In ganz Bayern stieg die Zahl der Beschäftigten um 0,2 Prozent auf 863 500.

Damit sich der Erfolg im oberbayerischen Handwerk fortsetzt, wünscht sich BHT-Präsident Traublinger unter anderem ein Förderkonzept, das energetische Gebäudesanierung für Mieter und Vermieter attraktiv macht. „Im Ausbaugewerbe könnte sich noch viel mehr bewegen, hätte der Bundesrat die steuerliche Förderung der energetischen Gebäudesanierung nicht ausgebremst“, erläutert Traublinger. Für die Landtagswahl im Herbst habe der Bayerische Handwerkstag seine wichtigsten Forderungen als „Wahlprüfsteine“ zusammengefasst. In den nächsten Wochen werde das Papier den Parteien übergeben.

Neben einem Förderkonzept für die energetische Gebäudesanierung fordern die Handwerker eine sichere und wirtschaftliche Energieversorgung sowie eine Steuerpolitik, die Betriebsvermögen nicht verzehrt.

Manuela Dollinger

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