Heinrich TraublingerPräsident der HWK für München und Oberbayern

Bayerisches Handwerk trotzt Eurokrise

München – Die Auftragsbücher sind voll, die Umsätze steigen. Rosige Zeiten für das bayerische Handwerk, das nach einem großartigen Start ins Jahr 2012 im zweiten Quartal noch einmal zugelegt hat.

„Die Rekordstimmung hält an“, sagte Heinrich Traublinger, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, am Freitag. Trotz Schuldenkrise im Euro-Raum herrsche bei den Handwerkern ungebrochener Konjunktur-Optimismus. „Allerdings hinkt das Handwerk der allgemeinen Konjunkturentwicklung immer etwas hinterher“, warnte Traublinger. Die Krise könnte das Handwerk noch einholen.

Von Verunsicherung kann allerdings keine Rede sein. Die Ergebnisse einer Konjunkturumfrage unter den bayerischen Handwerkern sind glänzend. Der Geschäftsklimaindex, mit dem die Betriebe ihre derzeitige und künftige Lage beurteilen, ist mit 89 Punkten so hoch wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Praktisch alle Kennzahlen sind nach oben geklettert – mit Ausnahme der Investitionen, die leicht abnahmen. 89 Prozent der Betriebe im Kammerbezirk Oberbayern blicken positiv in die Zukunft. 83 Prozent registrierten eine steigende oder gleichbleibende Auftragsentwicklung. Im Durchschnitt hatten die Handwerksbetriebe im zweiten Quartal Aufträge für 6,9 Wochen in Reserve. Entsprechend stieg der Umsatz im ersten Halbjahr 2012 auf 13,3 Milliarden Euro – nominal 3,3 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. In ganz Bayern lag der Umsatz im ersten Halbjahr bei 40 Milliarden Euro – ein Plus von 3,5 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarten die Betriebe 90 Milliarden Euro Umsatz, ein Plus von drei Prozent.

Auch die Zahl der Beschäftigten im Handwerk zog um ein Prozent an. Im Kammerbezirk arbeiten momentan 268 000 Handwerker in 77 123 Betrieben. Nach wie vor suchen viele Handwerksbetriebe händeringend nach Fachkräften. „Besonders in der Elektrobranche sowie in den Sanitär-, Heizungs- und Klima-Berufen werden dringend Fachkräfte gesucht“, sagte Traublinger. Die Konkurrenz um qualifizierten Nachwuchs werde immer schwieriger. Mit verschiedenen Kampagnen rühren die Kammern die Werbetrommel.

Zuletzt blieben im oberbayerischen Handwerk dennoch 3100 Lehrstellen unbesetzt – 26 Prozent der Ausbildungsplätze. Besonders bitter: Rund 40 Prozent der Lehrlinge wechseln nach der Ausbildung in andere Wirtschaftszweige. Wie man die jungen Leute im Handwerk halten kann, hat das Ludwig-Fröhler-Institut untersucht. Die Studie ergab, dass frühzeitige Übernahmeangebote, ein gutes Arbeitsklima und Weiterbildungsmöglichkeiten über einen Jobwechsel entscheiden – das Gehalt spielt demnach eine untergeordnete Rolle.

Für dieses Jahr sieht es allerdings mit dem Nachwuchs gar nicht schlecht aus. Die sechs Handwerkskammern im Freistaat verzeichneten Ende Juni knapp 11 000 neue Ausbildungsverträge – sieben Prozent mehr als im Vorjahresvergleich. Ob dieser Trend anhalte, zeige sich allerdings erst, wenn das Ausbildungsjahr beginnt, so Traublinger. „Anfang Oktober erwartet uns die Stunde der Wahrheit.“

Manuela Dollinger

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