Jet aus Bayern besser als erwartet

- Mindelheim - Die Geschwindigkeit beeindruckt: Im Januar 2004 beschloss der letzte bayerische Flugzeugbauer Grob, erstmals in seiner Geschichte einen Jet zu bauen. Im Juli 2005, wenige Wochen nach der Vorstellung des Projekts auf der Paris Air-Show, absolvierte die Grob G 180 ihren Erstflug.

In weiteren zwei Jahren sollen die Auslieferungen beginnen, so der Zeitplan. Die Flugzeuge mit Triebwerken von Williams werden in Mindelheim-Mattsies gebaut, Vertrieb und Wartung übernimmt weltweit die Schweizer Execujet Aviation Group im Rahmen eines Joint Ventures.

Unangenehme Überraschungen sind bei den Testflügen ausgeblieben. "Besser als erwartet", umschreibt Chef-Testpilot Gerard Guillaumaud seine Erfahrungen. Dabei waren die angestrebten Daten ehrgeizig: Zum einen wurde mit einer Spitzengeschwindigkeit von 750 km/h die Leistung eines Business-Jets vorgegeben. Zum anderen soll das Flugzeug mit einer Geschwindigkeit von rund 170 Stundenkilometern aufsetzen können und weniger als einen Kilometer Landestrecke benötigen. Für Start und Landung sollen dank des "geländegängigen" Fahrwerks auch Graspisten ausreichen. Denn Grob will auch bisherige Turboprop-Käufer für das Flugzeug gewinnen, das eine Reichweite von rund 3300 Kilometern haben wird.

Zugute kommt Grob dabei große Erfahrung im Leichtbau. Wie früher die Segelflugzeuge und Motorsegler und jetzt die Trainingsflugzeuge aus Mattsies enthält auch der neue Jet wenig Metall. Rumpf und Flügel sind aus Kohlefaser. Ein Allzweck-Flugzeug sollte es werden, darauf deutet auch der Innenraum hin: In Windeseile verschwinden vier der acht Passagiersitze, machen Platz für eine Palette Fracht. Deshalb nennt Grob sein neues Flugzeug auch "SPn Utility Jet". Mit einem Van der Luft hat Grob-Geschäftsführer Andreas Plesske das Projekt in der Zeitschrift "Luft- und Raumfahrt" verglichen.

Doch werden bei einem Preis von 5,8 Millionen Euro für diesen Van Privatkunden eine Ausnahme bleiben. Geschäftskunden sind die Zielgruppe, Unternehmen, etwa in der Autoindustrie, die nicht nur Mitarbeiter befördern, sondern oft auch dringend benötigte Teile schnell in ein Werk transportieren müssen.

400 Flugzeuge in zehn Jahren wünschen sich die Flugzeugbauer aus Schwaben, doch schon bei der Hälfte rechnet sich die Sache. In jedem Fall wird Personal aufgestockt. Von derzeit 120 auf etwa 300, heißt es. Noch vor einem halben Jahr hatte das kleine Luftfahrtunternehmen erst 70 Mitarbeiter. Rekrutierungsprobleme dürfte es kaum geben. Zahlreiche Bewerbungen vor allem von ehemaligen Dornier-Mitarbeitern kamen bereits bei Bereichsleiter Andreas Strohmayer an.

Dabei hatte man in Mattsies schon einmal sehr viel schlechtere Zeiten gesehen: Als Helmut Kohls damaliger Forschungsminister Jürgen Rüttgers in den 90er-Jahren die Weiterentwicklung des weltweit einzigartigen Höhenforschungsflugzeugs Strato 2 stoppte, musste Grob die Belegschaft von 300 auf 30 Beschäftigte abbauen. Eine derartige Abhängigkeit von externen Geldquellen lehnt man nun ab. Selbst der "Grob SPn Utility-Jet" wurde mit eigenen Mitteln entwickelt. Es gibt mittlerweile Kunden, heißt es im sehr auf Geheimhaltung bedachten Flugzeugwerk, Namen nennt man nicht.

Dafür denkt man auch schon an weitere Versionen unter anderem mit längerem Rumpf. Bereits vorgestellt wurde die G 600 Hale, bei der der Rumpf des neuen Jets und die Erfahrungen mit Höhenflugzeugen zusammengeführt werden. Einsatzzwecke wie Klimaforschung oder Überwachungsmissionen haben einen interessanten Markt geschaffen, den sich nach dem Aus für Strato 2 ausschließlich US-Bewerber untereinander aufteilen wollten.

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