Bayern braucht neue Gas- und Kohlekraftwerke

München - Neun Monate nach Fukushima ist der Atomausstieg aus den Schlagzeilen verschwunden. Bei einer Anhörung im Landtag wird deutlich, wie schwierig die Energiewende für Bayern werden wird.

In Bayern und dem restlichen Süddeutschland müssen nach Einschätzung der Deutschen Energie-Agentur (Dena) im Zuge des Atomausstiegs dringend neue Gas- oder Kohlekraftwerke gebaut werden. Der Dena-Geschäftsführer Stephan Kohler bezifferte den deutschlandweiten zusätzlichen Bedarf an konventioneller Stromproduktion am Donnerstag im Landtag auf 10 000 bis 12 000 Megawatt. Neue Kraftwerke müssten nach Kohlers Einschätzung vor allem in Süddeutschland gebaut werden.

Der Hintergrund: Bayern und Baden-Württemberg sind industrielle Zentren, die bisher überdurchschnittlich auf Atomstrom angewiesen sind. Strom-Fachmann Kohler ließ außerdem Zweifel durchblicken, dass der geplante Ausbau der erneuerbaren Energien auf 50 Prozent der Stromproduktion bis zum Beginn des nächsten Jahrzehnts gelingen kann. Wenn man eine Verdopplung - von derzeit etwa 20 auf 40 Prozent - hinbekomme, „wäre das schon sehr gut“, sagte Kohler bei einer Anhörung der Energiekommission. „Die 50 Prozent halten wir für sehr ambitioniert.“

Unklar ist weiterhin, wieviele Kilometer neuer Stromleitungen in Bayern eigentlich benötigt werden. Bei der Anhörung verwiesen mehrere der geladenen Experten darauf, dass es für Bayern bisher keine Netzstudie gibt. Bundesweit bezifferte Kohler den Bedarf auf 1600 bis 4500 Kilometer neue Leitungen - abhängig davon, ob die bisherige Technik verwendet wird oder leistungsfähigere Kabel. Klar ist jedoch, dass der Netzausbau in ganz Europa in den vergangenen Jahren nur langsam vorangekommen ist.

Der Netzbetreiber Tennet - der in Deutschland 10 700 Kilometer Hochspannungsnetz managt - geht davon aus, dass unter Umständen noch weit mehr als 4500 Kilometer neue Hochspannungsleitungen verlegt werden müssen. Wenn die erneuerbaren Energien „fernab des Verbrauchs“ erzeugt würden, müsste der Ausbau die Ansätze der Dena noch „weit übersteigen“, heißt es in der Stellungnahme des Unternehmens.

dpa

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