Bayern LB: Eine Bank für die Energiewende 

München - Die BayernLB darf anders als die WestLB weiterleben. Nach dreijährigem Ringen beendet die EU auch ihr Beihilfeverfahren. Sie will als Energiewendebank punkten.

Die BayernLB muss sich nach dem Willen der EU halbieren und die Hälfte der zehn Milliarden Euro zurückzahlen, mit denen sie vom Freistaat Bayern gerettet wurde. Das sind harte Auflagen, aber immer noch besser als das Schicksal der WestLB, die gerade zerschlagen wird. Basis für die neue Zukunft der Münchner ist deren künftiges Geschäftsmodell, das vor den strengen Augen von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia Bestand hatte. Es besteht aus zwei Komponenten, die Vergangenheit und Zukunft reflektieren. „Back to the future“, benennt BayernLB-Chef Gerd Häusler eine davon. Er meint damit eine Rückbesinnung auf Bayern und seine Sparkassen, auf regionale Geschäfte.

„Energiewendebank“ propagieren Managementkollegen und beschreiben damit das eigentlich neue, zeitgemäße Element der neuen Strategie. Auch Bayerns CSU-Finanzminister Markus Söder, zugleich BayernLB-Oberaufseher, steht hinter der Idee. Mit aktuell 17 Milliarden Euro Finanzierungsvolumen in diesem Bereich sei das Haus schon heute eine Energiebank. Und das sei erst der Anfang. Das Engagement in erneuerbare Energien und alles andere, was Deutschland zur Energiewende braucht, soll nun ausgebaut werden. Die Bayern sehen sich in dieser Nische als Größe mit breiter Expertise, die nun zum Geschäft werden soll. „Die BayernLB will sich als Bank der Energiewende positionieren“, sagt Vorstand Jan-Christian Dreesen. Sie beherrsche das komplette grüne Finanzierungsspektrum von Geothermieprojekten und Solarkraftwerken bis zur Wärmedämmung von Altbauten. Die BayernLB hat sich dazu mit einem Expertennetzwerk von der Fraunhofer-Gesellschaft bis zur Münchner Universität umgeben. Nun sei das Umfeld mit der Energiewende günstig geworden und die BayernLB baut auf einen Schub.

Derzeit arbeite man an „Green Bonds“, verrät Vorstand Edgar Zoller. Das sind auf einzelne Projekte bezogene Inhaberschuldverschreibungen zur Finanzierung von Windparks oder Biomasseheizkraftwerken, die von Bürgern und Firmen bei Sparkassen gekauft werden können, um so die Energiewende mitzufinanzieren. Ein Alleinstellungsmerkmal glaubt die BayernLB bei der Beratung zum staatlichen Förderdickicht für grüne Projekte gefunden zu haben. „Das Aufzeigen von Fördermöglichkeiten ist im Bankgewerbe nicht selbstverständlich“, sagt Vorstand Dreesen.

Die Idee einer Energiebank schlägt auch eine Brücke zum zweiten Standbein Immobilien mit energetischer Sanierung von Altbauten als großer Schnittfläche. Auch im Immobilienbereich zählt sich die BayernLB mit aktuell 19 Milliarden Euro Finanzierungsvolumen zu den Top Ten in Deutschland. Zudem haben sich zuletzt einige Banken aus dem Bereich verabschiedet, was Spielräume ergibt.

Die tun sich auch beim dritten strategischen Schwerpunkt auf, der Finanzierung des heimischen Mittelstands. Hier ist die BayernLB, die sich früher nur um große Konzerne gekümmert hat, noch ein kleines Licht. Aber unter die fünf größten Mittelstandsfinanzierer der Republik will die BayernLB schon vordringen. Dazu wurde in Düsseldorf ein Standort eröffnet. Die Münchner wollen dort in die Lücke stoßen, die die WestLB öffnet. Die Zeiten, in denen die BayernLB – befeuert von Landespolitikern – im globalen Maßstab ein großes Rad gedreht hat, sind mit der neuen Strategie sichtbar vorbei. Das ist ganz im Sinne Häuslers, der politikfrei wirtschaften will. „Unser Ziel ist es, eine langweilige Bank mit stabilen Erträgen und geringem Risiko zu werden“, gibt er die Richtung vor.

Von Thomas Magenheim-Hörmann

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