Bayern erreicht niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Deutschland

Nürnberg - Bayern hat im Juni erstmals seit sieben Jahren wieder die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Deutschland verbucht. Die Quote ging um 0,3 Punkte auf 3,8 Prozent zurück, wie die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) am Dienstag in Nürnberg berichtete.

Die Zahl der Arbeitslosen im Freistaat sank um 17 500 auf 252 600. Das waren - ebenso wie im Vormonat - 77 000 weniger als vor einem Jahr. Beim bisherigen Spitzenreiter Baden- Württemberg sank die Quote im Juni lediglich um 0,2 Punkte auf 3,9 Prozent.

Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) sieht in der Entwicklung des Arbeitsmarktes eine Bestätigung der bayerischen Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik. "Der bayerische Wirtschaftsturbo wirkt sich auch auf den Arbeitsmarkt aus", sagte Beckstein in München, wo er erstmals gemeinsam mit dem Chef der Regionaldirektion, Rainer Bomba, die Zahlen vorstellte. Die Regionaldirektion brach damit drei Monate vor der Landtagswahl mit der jahrelangen Vorgehensweise, die Zahlen ausschließlich in Nürnberg bekanntzugeben.

"Wir haben seit vielen, vielen Jahren wieder die Spitzenstellung auf dem Arbeitsmarkt erreicht", sagte Beckstein. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten habe mit knapp 4,5 Millionen im April den höchsten Stand seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 1975 erreicht. Woche für Woche würden im Freistaat gut 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

"Nach herkömmlichen Kriterien haben wir Vollbeschäftigung", sagte Beckstein. Allerdings gebe es immer noch Bezirke wie Hof oder Coburg, in denen die Zahl der Arbeitslosen noch immer zu hoch sei. Deshalb müsse jetzt darüber nachgedacht werden, wie man den Spitzenplatz behalten könne. "Wir müssen auch in Zukunft vor allem in Bildung investieren", erläuterte Beckstein. Zudem sei "Rückenwind aus Berlin" notwendig, um die derzeit gute Konjunktur zu stabilisieren.

Die Grünen im Bayerischen Landtag kritisierten, dass es immer noch nicht gelungen sei, die Arbeitsmarkt-Situation in den Problemregionen in Ost- und Nordbayern zu verbessern. "Auch wenn es der Ministerpräsident noch so sehr nötig hat, sich selbst das Weihrauchfass zu schwenken: Die Entwicklung auf dem bayerischen Arbeitsmarkt ist kein Anlass zur Selbstzufriedenheit", erklärte der arbeitsmarktpolitische Sprecher der Grünen, Eike Hallitzky.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Thomas Beyer, sagte, angesichts der ungelösten Strukturprobleme in Nordostbayern sei es absurd, von wirklicher Vollbeschäftigung zu sprechen. "Es gibt einige Wachstumszentren mit hervorragender Beschäftigungssituation, aber es gibt bei weitem nicht Arbeit für alle in Bayern."

Vor zu viel Optimismus warnte auch der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt: "Nach unserer letzten Umfrage schaltet die Konjunktur in Bayern nun einen Gang zurück." Die Zahlen seien aber dennoch ein Grund zur Freude. Im Vergleich zum Höchststand im Februar 2005 ergebe sich ein Rückgang der Arbeitslosigkeit von fast 60 Prozent.

Die FDP sah in der gemeinsamen Präsentation der Zahlen durch die Staatsregierung und die Regionaldirektion der BA ein "weiteres Beispiel verdeckter Wahlkampfhilfe für die CSU". Bayerns FDP- Generalsekretär Martin Zeil sagte laut Mitteilung: "Hier wird die Bekanntgabe von Jubelzahlen eigens von Nürnberg nach München verlagert, damit sich die Christsozialen mit fremden Federn schmücken können."

In den Statistiken tauchten zudem zahlreiche Arbeitslose gar nicht auf, die derzeit in vom Staat finanzierten Tätigkeiten - sogenannten ABM-Maßnahmen - "geparkt" würden und auf lange Sicht keine Chance auf einen regulären Arbeitsplatz hätten.

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