Bayern fällt bei Verbraucherschutz zurück

Berlin - Etwa 30 Cent pro Einwohner: So viel gibt der Freistaat für die Konsumentenberatung jährlich aus. Zu wenig, kritisieren Experten und geben Bayern für seinen Verbraucherschutz die Note "befriedigend". Das bedeutet Platz sieben im bundesweiten Vergleich.

Zwei Jahre zuvor war es noch Rang drei. Allerdings schneidet beim "Verbraucherschutz-Index 2008", der am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, auch sonst kein Bundesland mit einem "Gut" oder "Sehr gut" ab.

Bei der Bewertung spielten unter anderem die Kriterien Transparenz, Innovation und die Arbeit der öffentlichen Verwaltung eine Rolle. An erster Stelle kritisiert der Verbraucherzentrale Bundesverband die Kontrollbehörden in Bayern. Schwächen gibt es in der Lebensmittelüberwachung und im Eichwesen, das etwa für die Überwachung von Messgeräten und medizinischen Laboren zuständig ist. Mit diesem Problem steht der Freistaat nicht alleine da: Viele Länder haben Personaldichte und die Intensität der Kontrollen zurückgefahren.

Dafür zeigte Verbandsvorstand Gerd Billen kein Verständnis: Er nannte diese Entwicklung "erstaunlich" in Zeiten von Gammelfleisch und anderen Skandalen. Allgemein stellte Billen aber einen "positiven Trend" fest: "Die Ergebnisse sind besser ausgefallen als in den Vorjahren, die Durchschnittsnote der Länder hat sich verbessert."

Bei der Studie waren die Betroffenen auch selbst gefragt. Das Fazit: Nur knapp ein Drittel der 3524 Teilnehmer der Erhebung ist mit seiner Situation als Verbraucher zufrieden, elf Prozent sogar "definitiv unzufrieden". Ein Konzern schnitt bei den Befragten besonders schlecht ab: die Deutsche Bahn. Ein Viertel habe keine guten Erfahrungen mit dem Unternehmen gemacht. Besonders Verspätungen oder stillgelegte Strecken sorgen für Ärger. "Und die Unzufriedenheit der Kunden wird weiter ansteigen", sagte Verbraucherschützer Billen. Nur die Gas- und Stromversorger sind noch unbeliebter. Danach folgen die Mobilfunkanbieter und der öffentliche Personen-Nahverkehr. Ärzte, Haushaltsgerätehersteller, der Einzelhandel sowie Banken und Sparkassen schneiden dagegen gut ab.

Nicht nur die Wirtschaft wurde unter die Lupe genommen, sondern auch die Politik. Sie erhielt kein gutes Zeugnis, die Konsumenten fühlen sich von den Volksvertretern im Stich gelassen. "Wenn es um die Interessen der Verbraucher geht, setzt sich die Politik auch gegen die Wirtschaft durch": Dieser Aussage stimmten lediglich neun Prozent der Studien-Teilnehmer zu. Über 70 Prozent fiel kein Volksvertreter ein, der sich für die Rechte der Konsumenten besonders einsetzt.

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