Euro-Krise

Bayern: Firmen sortieren ihr Auslandsgeschäft neu

München - Die Krise in Südeuropa belastet auch die bayerische Wirtschaft. In Spanien und Portugal gehen die Umsätze deutlich zurück - und auch in Italien läuft es nicht mehr so gut wie früher.

Viele Firmen müssen ihr Auslandsgeschäft deshalb neu aufstellen. Die Krise in Südeuropa stellt viele Unternehmen in Bayern vor Probleme. Jahrzehntelang machten die Exporte nach Italien oder Spanien einen wichtigen Teil ihres Umsatzes aus - doch dieser bröckelt nun gewaltig. Im ersten Halbjahr gingen allein die bayerischen Ausfuhren nach Spanien um rund 13 Prozent zurück, nach Portugal um knapp 16 Prozent. In Italien, dem viertgrößten Absatzmarkt für bayerische Unternehmen, verkauften die Firmen fast fünf Prozent weniger. Um dieses Minus auszugleichen, müssen sich die Firmen nach neuen Absatzmärkten für ihre Produkte umschauen - vor allem in Osteuropa und Asien.

„Unsere Unternehmen sind gut beraten, den außereuropäischen Handel so schnell wie möglich hochzufahren“, empfiehlt der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. Bislang machen die bayerischen Firmen fast 40 Prozent ihres Auslandsgeschäfts in der Eurozone - und bekommen die Kaufzurückhaltung in den Krisenländern deutlich zu spüren.

Probleme quer durch alle Branchen

Quer durch alle Branchen berichten Firmen von Problemen. „Bei den Umsätzen insbesondere in den Märkten in Südeuropa ist eine teilweise stark rückläufige Tendenz zu beobachten“, heißt es bei dem Waschanlagenhersteller Washtec. Das Augsburger Unternehmen baut deshalb verstärkt auf andere Länder: China und Russland heißen die Hoffnungsmärkte. In China konnten die Augsburger bereits erste Waschanlagen an Autohäuser und Händler verkaufen und wollen diesen Anteil in Zukunft deutlich ausbauen.

Auch Cabriodächer, Standheizungen oder Schiebedächer aus Bayern lassen sich wegen des Rückgangs der Autoverkäufe in Italien, Spanien und Frankreich nicht mehr so gut verkaufen. Im ersten Halbjahr ging der Umsatz des weltgrößten Herstellers Webasto in Europa um zwei Prozent zurück - während er in China um 19 Prozent zulegte. Die Hälfte seines gesamten Umsatzes mit Schiebe-, Panorama- und Cabriodächern macht das oberbayerische Familienunternehmen inzwischen in Asien. In der Volksrepublik, wo Webasto bereits sechs Fabriken hat, sind wegen dieser Entwicklung vier weitere Werke im Bau.

Wachstum vor allem außerhalb Europas

Auch der weltgrößte Hersteller von Haushaltsgeräten wie Kaffeemaschinen, Kühlschränken oder Waschmaschinen, Bosch Siemens, sieht sein Wachstum vor allem außerhalb Europas. In Griechenland, Spanien, Portugal und neuerdings auch Italien läuft das Geschäft nicht mehr so gut wie gewohnt. „Rückläufige konjunkturelle Erwartungen, eine steigende Arbeitslosigkeit und die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Schuldenkrise belasten die Nachfrage nach Hausgeräten in den Euro-Krisenländern spürbar“, beschreibt Firmensprecherin Stephanie Reuter das Dilemma.

Neue Fabriken des Münchner Konzerns entstehen deshalb anderswo: In Russland eröffnete Bosch Siemens im Juli eine neue Waschmaschinenfabrik - und in Taiwan gründete das Unternehmen eine neue Vertriebsgesellschaft mit 70 Mitarbeitern. In China ist BSH nach eigenen Angaben bereits der größte Auslandshersteller von Haushaltsgeräten.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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